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Ein Laden, in dem es nichts zu kaufen gibt
Augustinerorden in Würzburg bietet seit inzwischen 20 Jahren die Möglichkeit zum
Gespräch mitten in der Fußgängerzone – Das Angebot basiert auf dem Konzept der „Offenen Türen“


Von Michaela Schneider
Würzburg
Auf dem Schaufenster am Würzburger Dominikanerplatz steht in großen Lettern „Gesprächsladen“. Doch Waren gibt es hinter der Glastüre nicht. Stattdessen warten dort Seelsorgerinnen und Seelsorger, die für Sorgen und Fragen, Wünsche und Nöte ein offenes Ohr haben. 1994 begründet gibt es das Angebot des Augustinerordens in der unterfränkischen Stadt am Main inzwischen seit 20 Jahren. Seit 13 Jahren Gesprächsladen-Leiter: der 66-jährige Pater Jochen Wawerek. Im Gespräch erzählt er von seiner täglichen Arbeit sowie der Idee und dem Konzept, die hinter dem Angebot stehen.


Was genau gibt es denn eigentlich im Gesprächsladen zu kaufen?

Pater Jochen Wawerek: Zum Kaufen gibt es nichts, unsere Angebote sind kostenlos. Mit dem Begriff „Laden“ wollen wir Kompetenz signalisieren. Denn bei uns arbeiten zwei hauptamtliche Mitarbeiter – neben mir noch Pastoralreferentin Dorothea Maiwald-Martin – sowie elf Fachkräfte. Sie engagieren sich zwar im Ehrenamt, haben aber alle einen entsprechenden Hochschulabschluss mit Zusatzqualifikation zum Berater oder Therapeuten. Unser Angebot: Wir bieten Gespräche, Beratung und Seelsorge an für Einzelpersonen, Paar oder Gruppen – auf Wunsch anonym.


Wer kommt alles im Gesprächsladen vorbei?

Pater Jochen: Die Besucher sind im Durchschnitt zwischen 40 und 60 Jahren. Im Vergleich zu anderen offenen Türen kommt zu uns erstaunlich viel älteres Publikum. Das hängt vielleicht mit der Tradition der Augustiner als „Beichtkirche“ zusammen. Aber es kommen zum Beispiel auch Studenten vorbei. Vielleicht haben sie Probleme, sich vom Elternhaus zu lösen, vielleicht fragen sie sich, ob sie das Richtige studieren. Oder aber sie fühlen sich in Würzburg einsam. Wichtig ist: Zu uns darf ganz einfach jeder kommen - unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität und Religion.

Um welche Themen geht es?

Pater  Jochen: Das ist ganz breit gefächert. Oft geht es um Lebensgeschichten und eine aktuelle Schwierigkeit wie Einsamkeit. Häufig kommen die Menschen zu uns, wenn etwas nicht passt, sie aber mit ihrer Umgebung darüber nicht sprechen können. Es geht um Beziehung, auch sexuelle Schwierigkeiten, um Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung. Mal beraten wir mit therapeutischem Akzent, es kann aber auch bis hin zur großen Frage nach dem Sinn gehen.


Wie funktioniert die Arbeit in der Praxis?

Pater Jochen: Die Besucher haben die Möglichkeit zu einem Gespräch bis zu einer Stunde, eine Anmeldung vorab ist möglich. Entweder reden wir in der halboffenen Gesprächsecke oder in einem kleinen, geschützten Raum. Wir wollen neben Terminen die Möglichkeit zum spontanen Gespräch trotzdem offen halten, um in akuten Krisen da zu sein. Sind beide anwesenden Mitarbeiter beschäftigt, zeigt eine Uhr an der Eingangstür an, wann wir wieder zur Verfügung stehen. Es geht um ein erstes Auffangen. Ist es mit einer Stunde Gespräch nicht getan, dürfen die Menschen natürlich wiederkommen. Wir machen keine Kurzzeittherapie, aber es gibt durchaus regelmäßige Besucher, die zum Beispiel auf einen Therapieplatz warten. Auch schicken manche Ärzte Patienten zu uns. Umgekehrt vermitteln wir ja nach Thema und Situation an andere Einrichtungen wie den Krisendienst weiter.


Wie steht es denn um die Akzeptanz des Gesprächsladens?

Pater Jochen: Als wir vor 20 Jahren eröffneten, gab es natürlich ein wenig Verwirrung. Manch einer fragte sich, zu welcher Vereinigung der Gesprächsladen gehört. Inzwischen kennen uns die Menschen und es ist bekannt, dass dies tatsächlich ein Angebot des Augustinerklosters und der Diözese Würzburg ist. Die Diözese finanziert eine Pastoralreferentin und Sachkosten, die Augustiner stellen den Leiter, sprich zurzeit mich.


Warum haben die Augustiner den Laden vor 20 Jahren eröffnet?

Pater Jochen: Der Beichtstuhl der Augustiner wurde damals sehr stark frequentiert. Wir haben gemerkt: Die einen Leute wollten mehr Zeit fürs Gespräch, während andere Beichtende die Zeit drängte. Deshalb haben meine Mitbrüder damals überlegt, was sie über die Beichte hinaus anbieten könnten. Damals stand zudem der Laden nahe der Augustinerkirche zur Verfügung mitten in der Fußgängerzone. Das war natürlich eine tolle Gelegenheit. Das Konzept der offenen Türen ist mehr als 50 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Holland.


Das heißt, der Gesprächsladen steht auf moderne Art durchaus in der Tradition der Augustiner?

Pater Jochen: Ja, das kann man so sagen. Die Augustiner sind einer der alten Bettelorden, die in die Städte gesandt wurden, um die Kirche zu unterstützen. Die Menschen legten zum Teil lange Wege zurück, um in der Augustinerkirche zu beichten. Ein weiteres ganz großes Thema der Augustiner ist es, Gastfreundschaft zu leben. Das verwirklichen wir hier wie auch im ZwischenRaum.


Ein kurzer Exkurs zum ZwischenRaum: Was genau ist das?   

Pater Jochen: In der Augustinerkirche haben wir einen Bereich neutral gestaltet. Er  ist ein Angebot an Menschen aller Weltanschauungen, die im Leben in einem ZwischenRaum stehen – vielleicht wegen eines Todesfalls, einer zerbrochenen Beziehung, dem Arbeitsplatzverlust oder einer Krankheit. Wer möchte, kann sich in ein Buch eintragen und Anteil nehmen. Der Gedanke dahinter: Die ZwischenRaum-Besucher sind für sich und merken doch, dass andere Menschen da sind.


Vielleicht noch ein kurzer Blick auf den Advent: Gibt es in dieser Zeit spezifische Themen?

Pater Jochen: Wir wissen, dass zum Beispiel bei der Telefonseelsorge das Thema Einsamkeit im Advent und an Weihnachten eine größere Rolle spielt. Das ist bei uns nicht der Fall, auch kommen nicht mehr Menschen vorbei, generell gibt es keine Stoßzeiten. Natürlich kommt es nach den Feiertagen auch einmal vor, dass Familienthemen angesprochen werden, weil Weihnachten wieder nicht so verlaufen ist, wie man es sich erhoffte. Advent ist eine Zeit der Orientierung. Vielleicht haben wir hier im Gesprächsladen einfach das ganze Jahr über Advent.

Pater Jochen leitet den Gesprächsladen am Dominikanerplatz seit inzwischen 13 Jahren.

     

Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.