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Vornehme Blässe, aufwändige Tracht
Kleider machen Leute. Eine kleine Geschichte der Mode“ heißt es bei einer Führung im
Mainfränkischen Museum am 3. April – Bayernweites Kunstprojekt „Gewebe. Textile Projekte“


Von Michaela Schneider
Würzburg
„Wenn gelegentlich etwas Altmodisches wieder Mode wird, merken wir, wie bezaubernd unsere Großmütter gewesen sein müssen“, stellte einst sehr trefflich der deutsche Schriftsteller und Dramatiker Sigmund Graff fest. Denn Mode erzählt Historie – und ist letztendlich fast so alt, wie die Menschheit selbst. Unter dem Motto „Kleider machen Leute. Eine kleine Geschichte der Mode“, wird die Kunsthistorikerin und Museumspädagogin Veronika Genslein am 3. April einen Streifzug durchs Mainfränkische Museum in Würzburg unternehmen, von der Jungsteinzeit bis in die Moderne. Die öffentliche Führung ist Teil des bayernweiten Kunstprojekts „Gewebe. Textile Projekte“.


Den frühesten Mode-Nachweisen begegnen Besucher im Mainfränkischen Museum in der archäologischen Sammlung. Textilien sind aus jener Zeit nicht erhalten – wohl aber aufwändig gestalteter Bronzeschmuck, der Verstorbenen als Grabbeigabe mit auf die Reise ins Jenseits gegeben wurde. Dieser Schmuck lässt Rückschlüsse auf die Kleidung selbst zu: Beinbergen etwa lassen vermuten, dass Gewänder nicht über die Waden reichten. Bekannt ist zudem laut Genslein, dass Stoffe aus Wolle gewebt wurden, da Archäologen entsprechende Webgewichte fanden.


Von den ganz frühen Tagen der Menschheitsgeschichte ein Sprung ins Mittelalter: Zwischen verschiedenen Gefäßen stehen in einer Museumsvitrine zwei ungewöhnliche Objekte. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie hölzerne Plateausandalen. Tatsächlich nutzten Menschen im Mittelalter Trippen aber, um das eigentliche Schuhwerk vor Unrat und Schmutz auf den Straßen zu schützen.


Topmodisch gekleidet sind die Damen auf einem Gemälde zum Martyrium des Heiligen Kilian – zumindest nach den Maßstäben des 15. Jahrhunderts. Sie tragen den so genannten Hennin, einen Spitzhut, der bis heute das Bild des typischen Burgfräuleins prägt. Tatsächlich war dieser eigentlich nur wenige Jahrzehnte modern. Etwas später befinden sich die Museumsbesucher im Zeitalter Tilmann Riemenschneiders. Zwar fertigte der prominente Bildhauer meist Madonnen, Heilige und biblische Figuren. Zwei profane Damen nennt das Mainfränkische Museum dennoch sein Eigen: zum einen ein Büstenfragment der Kaiserin Kunigunde mit Haarband und angedeuteter Krone, zum anderen ein so genanntes Lüsterweibchen. Dieses lässt jede Menge Rückschlüsse auf die Mode des 16. Jahrhunderts zu. Zum Beispiel ist klar, dass die Dame verheiratet war, denn sie trägt eine hohe Haube. Witwen indes erkannte man an flachen Hauben und nur unverheiratete Frauen zeigten Haar.


Apropos Haar: Etwas später, im Barockzeitalter, tragen Mann und Frau von Welt Perücken. Ein Porträt der Familie von Zobel zu Giebelstadt erzählt von der Mode jener Tage. Man trägt Spitze, statt der hochgeschlossenen Mode des Reformationszeitalters gibt man sich nun freizügiger, das Dekolleté rutscht tiefer. Die Haare werden straff nach oben gezogen und der Haaransatz wird gepudert, denn eine hohe Stirn gilt als Zeichen von Intelligenz. Auch Blass ist nun schick, Lippen und Augenbrauen werden gleichzeitig überzeichnet. Ob man ganz bewusst mit Arsen versetzte Speisen aß, um die Rote-Blutkörperchen-Produktion herunterzufahren, oder ob sich Arsenspuren vom Geschirr lösen, ist strittig. Schick waren nun zudem üppige, volle Formen. Kein Wunder laut Veronika Genslein, denn das Leben der adeligen Damen bestand zu jener Zeit aus Essen, Feiern und Ankleiden.     


Und schließlich unternimmt die Museumspädagogin in der Volkskundlichen Abteilung noch einen Abstecher ins 19. Jahrhundert. Das Bürgertum hatte an Einfluss gewonnen, nun trugen die ganzen einfachen Leute an Festtagen die aufwändigste Mode. Im Museumsbesitz: Ochsenfurter Gautrachten aus der Zeit um 1900 – unter anderem für ein junges Mädchen für die so genannten mittleren Feiertage. Eine hochrote Jacquardschürze,  das Tuch in Blau und Pink, aufwändige, mit Perlen besetzte Handschuhe, ein großes Schmuckkreuz: Die Mode jener Tage in leuchtenden Farben lädt zum detaillierten Betrachten ein.  

Mit Trippen wie diesen schützten Menschen im Mittelalter die eigentlichen Schuhe.


Fotos: Michaela Schneider


Der Artikel ist unter anderem iim Main Echo erschienen.

Infokasten: Modeführung im Zuge des Kunstprojekts „Gewebe. Textile Projekte“


Modeführung: „Kleider machen Leute. Eine kleine Geschichte der Mode“ ist eine Führung durchs Mainfränkische Museum am 3. April um 11 Uhr betitelt. Wie kleidete Riemenschneider seine Frauen? Mit welcher Kleidung ließ sich ein barocker Fürst darstellen? Und was trug Frau in der Bronzezeit? Veronika Genslein will den Besuchern spannende Details über Kleidungsstücke und ihre Träger, über „merkwürdige“ Accessoires wie gut bekannte modische Klassiker erzählen. Mehr Informationen unter www.mainfraenkisches-museum.de.


Bayernweites Kunstprojekt: Die Führung ist Teil des bayernweiten Kunstprojekts „Gewebe. Textile Projekte“. Würzburg beteiligt sich daran mit weiteren Aktionen: Bis zum 30. Juni heißt es im Zentrum für Angewandte Energien „Eine textile Gebäudehülle als Forschungsobjekt“. Vom 5. bis 26. April ist im Rathausfoyer die Ausstellung „Trachten in Unterfranken“ zu sehen. Und vom 28. Mai bis 12. Juni heißt es in der BBK-Galerie im Kulturspeicher „Stoff Sammlung“. Weitere Aktionen sind zum Beispiel auch in Marktheidenfeld geplant, mehr dazu unter www.gewebe-bayern.de.