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Renaissance der Genossenschaften
Rechtsform ist heute wieder gefragt, zum Beispiel im Energie- und Gesundheitsbereich


Von Michaela Schneider
Würzburg/Unterfranken  
Eine Weile galten sie als eher angestaubte Rechtsform, doch seit geraumer Zeit erleben Genossenschaften eine Renaissance. Ideale wie Gemeinschaftsgeist und regionales Bewusstsein gewinnen in Zeiten der Globalisierung an neuem Stellenwert, das Prinzip der Selbsthilfe ist wieder gefragt. Seit 2006 haben sich in Unterfranken allein 46 neue Energiegenossenschaften gegründet. Zum Internationalen Genossenschaftstag am 4. Juli 2015 blickt Rainer Wiederer, Präsident des Bezirksverbandes Unterfranken im Genossenschaftsverband Bayern, auf Genossenschaften in der Region. Der 53-Jährige ist Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Würzburg eG.


Genossenschaften sind wieder gefragt. Wie kommt`s?

Rainer Wiederer: Da spielen meiner Ansicht nach verschiedene Faktoren eine Rolle. Die Rechtsform der Genossenschaft ermöglicht eine sehr eigenständige Organisation, weil sie sich selbst verwaltet. Bei einer Genossenschaft kann sich jeder beteiligen und mitbestimmen, wenn er Kapital einbringt. Das ist heute wieder gefragt – zumal der Geldeinsatz und das unternehmerische Risiko dabei überschaubar sind. Hinzu kommt: Durch die Bündelung von Ressourcen lässt sich Geld sparen – etwa, wenn Landwirte gemeinsam Maschinen anschaffen und nutzen. Ein Beispiel sind Einkaufsgenossenschaften für Metzger -  in Unterfranken etwa Evgedem Würzburg oder Fleischerring Schweinfurt. Deren Mitglieder können durch den gemeinsamen Erwerb von Waren höhere Rabatte erzielen. Ein Aspekt ist zudem, dass der Globalisierung auf der einen Seite wieder eine stärkere Identifikation mit der Region auf der anderen Seite entgegen gesetzt wird.


Ein schönes Beispiel zum Thema Identifikation mit der Region ist die Dorfwirtschaft im unterfränkischen Unsleben. Was genau ist hier passiert?

Wiederer: Für das Traditionsgasthaus im Dorf fand sich in Unsleben kein Pächter. Die Dorfgemeinschaft beschloss daraufhin, die Gaststätte wieder herzurichten. Mitglieder der  Friedrich Wilhelm Raiffeisen Dorf leben eG sind die Dorfbewohner. Hier sind jene Ideen des Gemeinschaftsgeists und der Hilfe zur Selbsthilfe zu spüren,  die auf die Väter des Genossenschaftsgedankens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze Delitzsch, zurückgehen. Den Mitgliedern der Genossenschaft in Unsleben geht es in erster Linie nicht um hohe Erträge, sondern um das intakte Dorfleben. Entsprechend werden heute zum Beispiel auch Brauereien oder Dorfläden als Genossenschaften betrieben. Trotzdem darf man nicht vergessen: Genossenschaften sind keine caritativen Einrichtungen, sondern müssen wirtschaftlich arbeiten.


Der Genossenschaftsverband unterscheidet zwischen Kreditgenossenschaften, ländlichen sowie gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Wie steht es denn um die genossenschaftlich organisierten Banken in Unterfranken?

Wiederer: In Unterfranken gibt es heute 30 Volksbanken und Raiffeisenbanken mit 471 Geschäftsstellen, einer Bilanzsumme von 13,6 Milliarden Euro und 330000 Eigentümern. Diese Banken versorgen Betriebe, Handwerk, Gewerbe, aber auch Privatleute in der Region mit Krediten in Höhe von 7,1 Milliarden Euro. Die Refinanzierung läuft über die Einlagen der Kunden und Mitglieder in Höhe von 10,7 Milliarden Euro. Viele Banken haben eine lange Tradition. Die VR Bank Kitzingen eG beispielsweise wurde im Jahr 1868 gegründet und ist damit die älteste Genossenschaft Unterfrankens. In den vergangenen Jahren haben sich einige Genossenschaftsbanken zusammengeschlossen, um ihre Stärken zu bündeln und die gestiegenen Regulierungskosten tragen zu können. In Unterfranken gab es seit 2010 drei Fusionen.


Banken werden`s also weniger – anders dagegen sieht der Trend bei den ländlichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften aus. Was hat sich hier im letzten Jahrzehnt getan?

Wiederer: Zu den ländlichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften zählen zum Beispiel die für Franken typischen Winzergenossenschaften. Ihnen ist es gelungen, dem Frankenwein ein junges, populäres Image zu geben. Früher waren für den einzelnen Winzer vor allem hohe Erträge wichtig. In Zeiten der Globalität zählen dagegen Qualität und eine gute Vermarktung. Jeder Winzer bewirtschaftet weiter seinen eigenen Weinberg, um den Ausbau und die Vermarktung kümmert sich aber die Genossenschaft. Das sorgt zudem für eine gewisse Stabilität. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten bei uns etwa auch die Wald- oder Milchgenossenschaften. Zu einem regelrechten Boom kam es bei den Energiegenossenschaften: Vor 2006 gab es in Franken eine einzige, inzwischen sind es 47, die sich mit Themen wie Solar, Wind, Photovoltaik oder Nahwärme beschäftigen. Es liegt auf der Hand, dass hier das Erneuerbare-Energien-Gesetz und Fördergelder eine Rolle spielten.


Auch bei den gewerblichen Genossenschaften ist Bewegung zu beobachten…

Wiederer: Hier gibt es heute Genossenschaften quer durch alle Branchen – von der Taxi- bis zur Bäckergenossenschaft. Ein schönes Beispiel für eine Genossenschaft, die sich gut entwickelt hat, ist etwa das Programmkino Central in Würzburg. Bewegung beobachten wir derzeit vor allem auch im Gesundheitswesen. Dabei geht es auch darum, die Kosten der Gesundheitsdienstleistungen erschwinglich zu halten und trotzdem die medizinische Versorgung der Bürger gerade auf dem Land sicher zu stellen. So gründeten sich zum Beispiel 2004 und 2009 in Unterfranken zwei Ärztenetzwerke. Noch in den Kinderschuhen steckt das Thema Sozialgenossenschaften. Hier wird sich in Zukunft aber bestimmt einiges tun – etwa, weil sich ältere Menschen heute Gedanken über neue Wohnformen jenseits der klassischen Seniorenheime machen.

Rainer Wiederer, Präsident des Bezirksverbandes Unterfranken im Genossenschaftsverband Bayern.


Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem im Main-Echo erschienen.