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Italiener auf der „Strada Romantica“, Amerikaner im Schuhladen
Zum Weltgästeführertag blickt der Vorsitzende des Würzburger Gästeführer e.V. auf Touristen früher und heute


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Sie kennen jeden Winkel ihrer Stadt, haben auf (fast) jede Frage eine Antwort und sind oft Entertainer und Wissensvermittler in einer Person: Gästeführer. Seit 1990 lenkt der Weltverband der Gästeführer am 21. Februar die Aufmerksamkeit mit dem Weltgästeführertag auf die „unverzichtbare Arbeit von gut ausgebildeten“ Gästeführern, wie es im Memento aus dem Jahr 2014 heißt. Dass der Job nicht immer einfach ist, weiß auch Johannes Wohlfahrt, 1. Vorsitzender des Würzburger Gästeführer e.V. Der Verein zählt rund 85 Mitglieder, die Stadt- und Themenführungen in verschiedenen Sprachen anbieten.  Der 57-jährige Vereinschef aus dem unterfränkischen Thüngersheim blickt im Interview auf Gästeführungen und Touristen früher und heute.


Wie lange arbeiten Sie schon als Gästeführer und wer bucht sie?

Johannes Wohlfahrt: Ich habe 1996 bei Congress Tourismus Würzburg (CTW) die Gästeführer-Ausbildung absolviert, das ist jetzt meine 21. Saison. Viele Führungen werden über CTW vermittelt, ich stehe aber auch mit Reiseveranstaltern direkt in Kontakt. Blickt man auf die klassischen Stadtführungen, hat sich in den zwei Jahrzehnten wenig verändert – ich werde nach wie vor für Vereins- und Betriebsausflüge, Klassentreffen, Familienfeiern und ähnliches gebucht, ob es sich um Führungen in Würzburg oder Ausflüge ins Umland handelt. Wer individuell eine Führung mitmacht, interessiert sich in der Regel auch dafür. Ein bisschen anders sieht es zum Beispiel bei Betriebsausflügen aus, dann ist`s für manchen Teilnehmer Pflichtprogramm und eineinhalb Stunden sind genug. Das war früher wie heute so.


Und was hat sich verändert?

Wohlfahrt: Zunächst einmal kommen mehr Deutsche in die Stadt und in die Region Mainfranken, Urlaub im eigenen Land ist wieder interessanter geworden. Allerdings sind die Gäste heute anspruchsvoller. Sie wollen nicht mehr nur eine sachliche Stadtführung mitmachen, sondern erwarten Erlebnischarakter und gute Unterhaltung. Für uns Gästeführer bedeutet das: Wir müssen eine gute Mischung aus Information und Entertainment anbieten. Ich baue zum Beispiel inzwischen bewusst wenig Jahreszahlen in meine Führungen ein, rede eher von Epochen oder Jahrhunderten und erzähle spannende Episoden und Anekdoten; Hauptsache, die Gäste verlassen die Führung mit einem positiven Gefühl.


Auch das Führungsangebot hat sich in vielen Städten verändert, Entertainment rückt immer stärker in den Vordergrund…

Wohlfahrt: Richtig, ein gutes Beispiel sind die Kostümführungen. So lernen Gäste Würzburg zum Beispiel zusammen mit dem Nachtwächter oder der Marktbärbel kennen oder buchen eine Barockführung im Hofgarten der Residenz. Seit wenigen Jahren fährt das Bähnle, welches offiziell „City Train“ heißt, durch Würzburg, auch gibt es Segwaytouren mit Stadtführung. Für uns Gästeführer bedeutet das nicht unbedingt mehr Konkurrenz, wir müssen uns aber viel breiter aufstellen.


Und deshalb bieten Sie geführte Radtouren am Main an?

Wohlfahrt: Ja, genau, das mache ich allerdings auch schon wieder seit rund 15 Jahren, verstärkt seit sechs Jahren. Die Touren an Main und Tauber sind sehr begehrt, meine Zielgruppe sind dabei Gäste über 60 Jahren, die sich bewegen und das eigene Land entdecken wollen, aber Wert auf einen gewissen Komfort beim Radeln legen. Das Gepäck wird im Bus transportiert, Hotels und Verpflegung sind gebucht, bei Bedarf können Teilstücke mit dem Bus zurückgelegt werden.


Wie sieht es denn mit dem internationalen Publikum aus? Welche Nationalitäten kommen zu uns?

Wohlfahrt: Holländer kommen schon immer, sie sind für uns Gästeführer aber kein echter Markt. Sie sind individuell unterwegs, fahren  auf eigene Faust quer durch Deutschland. Seit den 1990er Jahren kommen Italiener – gerne über lange Wochenenden – vier Tage mit dem Bus nach Bayer und fahren zum Beispiel die „Strada Romantica“, die Romantische Straße, ab. Japaner kommen schon lange, Chinesen werden mehr, Russen weniger. Einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor bilden heute US-Amerikaner und Kanadier, die mit Kreuzfahrtschiffen den Main entlang fahren.


Kreuzfahrtschiffe sind spannend. Wie genau laufen die Bordgänge ab?

Wohlfahrt: Die Schiffe legen häufig vormittags in Würzburg an – mittlerweile um die 1000 pro Jahr. Dann folgt eine drei- oder vierstündige Führung. Anschließend haben die Gäste ein paar Stunden in der Stadt zur freien Verfügung. Hier lassen manche Kreuzfahrer richtig Geld in der Stadt, weil sie deutsche Gastronomie kennenlernen und Shoppen gehen wollen. Hochbegehrt sind dabei übrigens Schuhläden, weil Amerikaner häufig falsches Schuhwerk dabei haben für das Kopfsteinpflaster in alten, europäischen Städten. Ein absoluter Renner sind Birkenstocks.


Und warum bietet der Gästeführerverein von April bis Oktober Stadt(ver)führungen an, die sich gezielt ans heimische Publikum richten?

Wohlfahrt: Ein Wirtschaftsfaktor aus touristischer Sicht sind die Stadt(ver)führungen nicht. Einheimische lernen dabei immer sonntags um 15 Uhr die eigene Stadt aus ganz neuen Blickwinkeln kennen. Es geht um wichtige Söhne und Töchter aus der Stadtgeschichte, um Epochen, Stadtviertel oder spannende historische Ereignisse. Wobei natürlich trotzdem auch Touristen jederzeit willkommen sind. Für uns Gästeführer sind die Stadt(ver)führungen unser Kulturbeitrag zum Stadtgeschehen und ein Stück weit Imagepflege. Wir wollen erreichen, dass die Würzburger nicht nur genervt sind von den Touristenmassen in der Stadt, besonders an den Septemberwochenenden, sondern die Bedeutung der Gäste für Würzburg und die Region begreifen.

Der Artikel  ist  unter anderem im Main Echo erschienen.

Gästeführer Johannes Wohlfahrt.


Foto: Michaela Schneider




Foto: Michaela Schneider