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Stolpersteine, Lügensteine, Steine für die Ewigkeit
Am Weltgästeführertag in Würzburg finden einen ganzen Tag lang kostenlose Thementouren statt


Von Michaela Schneider
Würzburg
Könnten Steine sprechen, würden sie vielleicht so manches Geheimnis verraten: Keupersandstein, mit dem Würzburgs Residenz errichtet wurde; das schwere Mauerwerk der alten Mainbrücke; oder auch die mysteriösen Lügensteine oben auf der Festung im Mainfränkischen Museum. Zum Weltgästeführertag am 3. März hat der Würzburger Gästeführer e.V. einen Aktionstag auf die Beine gestellt unter dem Motto „Wo Steine Geschichten erzählen“. Auf dem Programm: 13 Themenführungen, sechs Altstadt-Schnupperführungen auf Deutsch und Italienisch sowie sieben Turmführungen im Grafeneckart. Sämtliche Touren sind kostenlos, wer spendet, unterstützt die Restaurierung des Gedenksteins für Walther von der Vogelweide im Lusamgärtchen. Ein Interview mit dem 56-jährigen Johannes Wohlfahrt, Vorsitzender des Vereins der Würzburger Gästeführer.


Das Motto am Weltgästeführertag lautet „Wo Steine Geschichten erzählen“. Warum dieses Thema?

Johannes Wohlfahrt: Zugegeben, das war nicht unsere Idee. Das Motto zum Weltgästeführertag legt jeweils im Vorjahr die Jahreshauptversammlung des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland e.V. fest. Dieses lautet für 2015 „Steine“. In Würzburg ist das ein sehr dankbares Thema. Einige Beispiele: Es gibt hier etliche tolle Monumente aus Stein, angefangenen bei unserer alten, steinernen Mainbrücke über Grabmäler als Steine für die Ewigkeit bis hin zur barocken Residenz. Ganz zu schweigen von den Würzburger Lügensteinen und den Stolpersteinen.


Fangen wir einmal bei den Grabdenkmälern an. Die Tour „Steine für die Ewigkeit“ führt in die Marienkapelle am Marktplatz. Was gibt es dort zu sehen?

Wohlfahrt: Nur zwei Beispiele: Der Ritter Konrad von Schaumberg kam einst bei den Kreuzzügen ums Leben. Tilmann Riemenschneider fertigte für ihn ein Epitaph, also eine Art Gedenktafel. Diese ist vor allem künstlerisch interessant. Und der Architekt der Würzburger Residenz, Balthasar Neumann, wurde in der Marienkapelle bestattet.


Und was hat es mit den Würzburger Lügensteinen auf sich?

Wohlfahrt: Dabei handelt es sich um gefälschte Fossilien aus Muschelkalk, die Anfang des 18. Jahrhunderts im unterfränkischen Eibelstadt auftauchten und dem Würzburger Professor Johann Beringer zugespielt wurden. Darauf zu sehen: Tiere, Pflanzen oder auch der Schriftzug Jahwe. Aus heutiger Sicht ist klar, dass es sich um keine Fossilien handeln konnte, Beringer und die Wissenschaftler seiner Zeit hielten dies aber für möglich. Bis heute ist unklar, wer dem Professor die Steine unterjubelte: Ein Studentenstreich? Oder aber war der Professor der Kirche zu fortschrittlich und sollte lächerlich gemacht und abgesägt werden? Beringer hatte nämlich in Würzburg seinerzeit Obduktionen an der Uni eingeführt.  Manch einer spielt auch mit der Theorie, der Professor habe die Steine selbst herstellen lassen, der wissenschaftlichen Berühmtheit wegen.


Und was genau sind Stolpersteine?

Wohlfahrt: Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Betonwürfel mit einer Messingplatte und einer Gravur, man findet sie vor verschiedenen Häusern in der Stadt auf dem Boden. Sie sollen an Mitbürger erinnern, die einst hier lebten, aber zwischen 1933 und 1945 Opfer des Nationalsozialismus wurden: Juden, Zigeuner, Euthanasieopfer, Homosexuelle, ethnisch, politisch und religiös Verfolgte. Bei der Tour am Weltgästeführertag wird meine Kollegin Christine Hofstetter einige der Lebensgeschichten erzählen.


Die Touren sind den ganzen Sonntag kostenlos, aber Sie hoffen auf Spenden. Wofür?

Wohlfahrt:  Der Gedenkstein für Walther von der Vogelweide im Lusamgärtchen ist in die Jahre gekommen, wir wollen mit den Spendengeldern seine Restaurierung anstoßen. Gestiftet wurde das gute Stück in den 1920ern Jahren von der Stadt, steht aber neben dem Neumünster auf Kirchengrund. Walther von der Vogelweide war der bekannteste deutsche Minnesänger des Mittelalters. Zu Lebzeiten war er trotzdem ein armer Schlucker und ständig auf das Wohlwollen seiner Auftraggeber, der Fürsten, angewiesen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einer Klostergemeinschaft in Würzburg auf Kosten Kaiser Friedrichs II. Man kann davon ausgehen, dass sich die Beiden persönlich kannten. Übrigens handelt es sich um einen Gedenkstein im Lusamgärtchen, nicht um das Grab des Minnesängers. Zwar ist zu vermuten, dass er irgendwo auf dem einstigen Klostergelände bestattet wurde, das ist aber nicht belegt. Wer mehr erfahren will: „Stein, Walther und Gesang“ heißt es am Sonntag um 12 und 14 Uhr im Lusamgärtchen, übrigens inklusive Überraschungsbesuch.


Was ist am Sonntag sonst noch geboten?

Wohlfahrt: Groß war in den vergangenen Jahren der Andrang bei unseren Turmführungen im Grafeneckart, manche Leute mussten wir wieder wegschicken. Das erstaunt nicht, denn in Würzburg gibt es ansonsten keinen einzigen Turm, der einen Rundumblick auf die Innenstadt erlaubt. Heuer haben wir auf sieben Führungen mit jeweils 30 Personen aufgestockt. Kostenlose Tickets gibt`s am Infostand, dieser befindet sich direkt am Grafeneckart.

Aus Keupersandstein besteht die Fassade der Würzburger Residenz.

     

Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Weltgästeführertag und Stadt(ver)führungen


Der Weltgästeführertag in Würzburg unter dem Motto „Wo Steine Geschichten erzählen“ wird am Sonntag, 8. März, um 11 Uhr am Infostand am Grafeneckart eröffnet.  Hier starten auch den ganzen Tag über die einzelnen Stadt- und Themenführungen. Die letzte Tour beginnt um 15.30 Uhr.


An Ostern starten zudem wieder die  Stadt(ver)führungen – Themenführungen jeden Sonntag um 11 Uhr bis in den November hinein.  Am 5. April wird es losgehen mit „Minne, Moritat und Brückenswing“. Johannes Wohlfahrt wird dabei als Barde durch die Stadt ziehen, über Historisches plaudern und Lieder aus verschiedenen Zeiten singen, die zu den Sehenswürdigkeiten passen.


Details zu Weltgästeführertag und Stadt(ver)führungen unter www.wuerzburger-gaesteführer.de