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Erschütterte Fundamente
Kammerspiel-Ensemble des Würzburger Mainfranken Theaters inszeniert Jan
Neumanns Schauspiel aus dem Jahr 2009 und fesselt das Publikum bis zur letzten Minute


Von Michaela Schneider

Würzburg Fünf Menschen. Zufällig sind sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Schicksalhaft verknüpfen sich in den Würzburger Kammerspielen am Mainfranken Theater in dem Schauspiel „Fundament“ in der Inszenierung von Monika Steil ihre Leben. Auslöser: ein Sprengstoffanschlag in irgendeiner deutschen Stadt am Hauptbahnhof. Begegnet sind sich die fünf zuvor nicht – und auch der Zuschauer kennt sie nicht. Und doch meint er sie zu kennen, ihnen zigfach im Leben begegnet zu sein. Die Sprache des Autors Jan Neumann - auf der einen Seite ungemein poetisch und in der Banalität der Alltagssituationen urkomisch, auf der anderen Seite detailverliebt, punktgenau  und reportagenhaft – löst schon für sich Kopfkino aus. In der Interpretation des Kammerspiel-Ensembles wird Komisches noch komischer, Berührendes noch berührender und Schockierendes noch schockierender.


Keine Rolle spielen für Autor Jan Neumann die Motive der Täter und wer diese eigentliche sind. Es geht um anderes:  Um die Frage zum Beispiel, was in einer Welt voller Gewalt und Katastrophen überhaupt noch Sinn macht. Um die Frage nach den Grundlagen eines glücklichen Lebens. Und um die Frage, ob wir unser Leben tatsächlich in einer nahezu risikofreien Welt selbst steuern oder aber dem Zufall ausgeliefert sind.  Diese Fragen werfen die fünf Protagonisten in ihren Alltagssituationen auf. Erst streift das Publikum Orte und Personen aus der poetischen Vogelperspektive einer Taube, dann taucht es schlaglichtartig ein in ihre Welten.


Da sitzt zum Beispiel Frührentner Wolfgang Röhrig in einem Zugabteil und nervt die Mitreisenden mit einem Monolog über seine Sinnsuche nach der passenden Religion. In die Rolle schlüpft Ensemblemitglied Alexander Hetterle – schon allein für diese Szene lohnt der Theaterbesuch. Röhrig dauerplappert und grunzt über seine eigenen Scherze, im faltigen Gesicht „ein Lachen, das festsitzt“. Ständige Bahndurchsagen intensivieren das Alltäglich-Absurde der Situation.


Als nächstes ist da Student Benjamin in seiner WG. Folter, Kinderarbeit, Hungerkatastrophen, Seuchen. Benjamin will etwas tun gegen das Grauen der Welt. Eine Wortsalve schmettert auf die WG-Mitbewohner und das Publikum ein. Kai Christian Moritz darf in der Rolle wieder einmal tun, was er auf der Bühne unschlagbar gut kann: Er lässt Verrücktheit in den Augen aufblitzen, flippt aus, bricht in sich zusammen.  Marianne Kittel übernimmt die Protagonistenrolle als unglückliche Mutter auf einem Selbstfindungstripp im Kreativkurs. An sich gut gespielt, doch ist die Situation vielleicht einen Tick zu albern, um wirklich zu berühren.


Sehr einfühlsam schlüpft anschließend Petra Hartung  in die Rolle der äußerlich gefühlskalten, innerlich unsagbar einsamen Single-Frau, die sterbend an das kaputte Verhältnis zum toten Vater denkt. Einen schauspielerischen Leckerbissen liefert schließlich Georg Zeies als erfolgreicher Geschäftsmann Dr. Friedrich Kremm. Hier funktioniert die comedyhafte Übertreibung, um zu schockieren: Dynamisch, total überzogen und voller Elan joggt Kremm - auch bildlich - mit seiner Bilderbuchfamilie durchs Leben, kann Mauern einreisen. Er will sich für sein schönes, privilegiertes Leben bedanken, aber weiß nicht bei wem, weil er Atheist ist. Eben noch übt er seine Rede zur abendlichen Preisverleihung, dann liegt er zerfetzt da, der Kopf abgerissen.


Das Ausmaß der Zerstörung ist den ganzen Abend über im Bühnenbild von Elisa Limberg präsent. Die verschiedenen Szenen spielen zwischen zerknüllten Papierhaufen, das Fundament ist erschüttert. Sehr schön auch die Kostümidee: Das Ensemble trägt den Abend über Weiß, nur der jeweilige Hauptakteur schlüpft in seiner Szene in farbige Kleidung.

Zusammengefasst: Das Ensemble der Würzburger Kammerspiele am Mainfranken Theater setzt die Vorlage des Autors und Regisseurs Jan Neumann aus dem Jahr 2009 eindrucksvoll um: Je mehr man sich zunächst amüsiert, desto mehr bleibt das Lachen später angesichts zerbrochener Leben und zerfetzter Körper im Hals stecken. Erschreckende Nähe entsteht und „Fundament“ in der Inszenierung von Monika Steil fesselt bis zur letzten Minute.



Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

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