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Eva Pleticha-Geuder, Leiterin der Abteilung Fränkische Landeskunde, hat im Vorfeld ihrer Führung „Reisende in Franken“ ausgiebig recherchiert.

Foto: Michaela Schneider

 

Im Frankenland „möpselt es heftig nach“
Geschichte
Reisende aus aller Welt sind schon seit Jahrhunderten in Franken unterwegs – Führung
am 12. Juli in der Universitätsbibliothek in Würzburg eröffnet Einblicke in historische Reiseberichte

 

Von Michaela Schneider

Würzburg "Da ich jetzt von weitem die Türme und den blauen Rauch von Nürnberg sah, meinte ich fast, nicht etwa eine einzige Stadt, sondern eine ganze Welt zu sehen", schreibt der Schüler Johannes Butzbach Ende des 15. Jahrhunderts in sein Wanderbüchlein. Tatsächlich müssen seinerzeit die Städte und Landschaften unglaublich beeindruckend auf den Jungen gewirkt haben, der damals mit einem älteren Schüler auf Wanderschaft geschickt wurde und bis dato nur seine Heimat Miltenberg gesehen hatte. Quer durch Süddeutschland führte seine Reise bis nach Böhmen. Und auch, wenn seinerzeit  Reisen um einiges mühsamer war als heute, so haben doch seit Jahrhunderten fahrendes Volk und Herrscher, Geschäftsleute und Diplomaten, Wissenschaftler, Künstler und Literaten oder auch Schüler und Studenten wie Johannes Butzbach im Frankenland ihre Spuren hinterlassen.

 

Unzählige Bücher hat Eva Pleticha-Geuder, Leiterin der Abteilung Fränkische Landeskunde der Universitätsbibliothek Würzburg, gewälzt und digitale Sammlungen durchforstet auf der Suche nach Reiseberichten aus den Jahrhunderten. Das Ergebnis wird sie – passend zum nahenden Sommerferienbeginn - am 12. Juli in der Universitätsbibliothek in Würzburg präsentieren. Dass Reisen früher ziemlich aufregend sein konnte, belegt zum Beispiel Wilhelm Hauffs Erzählung „Das Wirtshaus im Spessart“. Nur ein Märchen? Nein, die Spessarträuber – das ist belegt – trieben hier Anfang des 19. Jahrhunderts tatsächlich ihr Unwesen.  

 

Von reichlich Strapazen im Süddeutschen erzählt laut Pleticha-Geuder auch der Schriftsteller Johann Gottfried Seume in seinem „Spaziergang nach Syrakus“. Auf seinem Fußmarsch von Frankfurt nach Fulda habe ihn die Hitze des vorzüglichen Sommers heiß gedrückt – und noch dazu sei er auf diesem Streckenstück auf die schlechtesten Wirtshäuser während seiner ganzen Reise getroffen. Glücklich indes, wer mit der Kutsche reisen konnte? Die Leiterin der Landeskundeabteilung bezweifelt dies mit Blick auf rumplige Straßen. Im Sommer war’s in der Kutsche heiß, im Winter bitterkalt. Trotzdem zog mancher Reisende den Winter vor. Dann nämlich waren die Reisewege gefroren, Schlaglöcher lagen verborgen unter der Schneedecke und es bestand keine Gefahr, im Sumpf stecken zu bleiben.

 

Trotz aller Beschwerlichkeiten wusste mancher Reisende die Vorzüge des Frankenlands zu schätzen. Kurt Tucholsky zum Beispiel. In „Mitropa, Schlafwagen“ behandelt ein Kapitel die Region „Odenwald und Spessart“. Anscheinend schmeckte dem Literaten der Wein dort so gut, dass er und seine Gefährten recht tief ins Glas blickten. Wie Pleticha-Geuder amüsiert erzählt, schreibt er über den folgenden Tag: „Uns möpselt es heute heftig nach.“ Ein regelrechtes Loblied auf Würzburg singt schon einige Zeit früher der Italiener Franciscus Antonius Vitale, als er hier den römisch-katholischen Theologen Franz Oberthür (1745 – 1831) besuchte. Ein angenehmer Ort, von Weinbergen, Weiden und Obstbergen umgeben, geschmückt mit besonders schönen Gebäuden, beschreibt er die Bischofsstadt.

Auch lohnt und amüsiert ein Blick in die „Bemerkungen über Menschen und Sitten auf einer Reise durch Franken, Schwaben, Bayern“ aus dem Jahr 1794. Während der unbekannte Autor Fürth als den „größten und schönsten Flecken in Franken“ beschreibt und das Volk als „offen, freimütig und gefällig“ erlebt, fällt sein Urteil über die Nürnberger recht kritisch aus. Viele hagere, bleiche Gestalten habe er hier erblickt. Schuld könnte ein „vielleicht unmäßiger Lebensgenuss“ sein, folgert er, denn im Herbst werde alle Wochen Kirchweih gefeiert und die Bürger lebten in den Tag hinein.

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.

Infokasten: Führung „Ins Land der Franken fahren“

 

„Ins Land der Franken fahren: Reisende aus aller Welt in Franken unterwegs“ lautet der Titel von Eva Pleticha-Geuders Führung am 12. Juli, um 16.30 Uhr. Dabei will die Historikerin nicht nur auf einzelne Reiseberichte eingehen, sondern vor allem auch die Entwicklung des Reisens anhand verschiedener Beispiele aus und über Franken skizzieren. Es wird um Pilgerreisen und umherziehende Herrscherhöfe im Mittelalter gehen, um fahrendes Volk, um die Reisen Gelehrter und Wissenschaftler bis hin zu den Anfängen des Tourismus im 19. Jahrhundert. Treffpunkt ist die Informationstheke im Bibliotheksgebäude der Universität am Hubland in Würzburg. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Bibliothek für alle“.