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Sinnesfreudiger Fürstbischof und treffsicherer Nationalspieler
Gesellschaft für fränkische Geschichte fördert Erforschung der Geschichte im Gebiet des einstigen
 fränkischen Reichskreises. Der wissenschaftliche Leiter Erich Schneider stellt verschiedene „Fränkische Lebensbilder“ vor


Von Michaela Schneider
Schweinfurt/Franken
Gleich vorweg: Aufgenommen wird nicht jeder von der Gesellschaft für fränkische Geschichte.  Von A wie „von Aufseß“ bis Z wie „Zerboni di Sposetti“: Etliche Adelshäuser sind im erlesenen Kreis der rund 450 Mitglieder vertreten, aber zum Beispiel auch Frankens Regierungen, bischöfliche Domkapitel oder ausgewählte, renommierte Wissenschaftler. Immerhin sind seit dem Jahr 1996 auch weibliche Mitglieder zugelassen. Doch nur wer vorab vorgeschlagen und von der Jahreshauptversammlung gewählt wird oder aber als Patron kräftig zahlt, wird aufgenommen. Kriterien in Sachen Wahlmitglieder: das wissenschaftliche Werk selbst oder auch eine geeignete Position, um an der Erforschung Frankens mitzuwirken.


Denn zum Ziel gesetzt hat es sich die mehr als 100 Jahre alte Organisation, die Geschichte im Gebiet des einstigen fränkischen Reichskreises zu erforschen. Unzählige wissenschaftliche Publikationen wurden angestoßen, Dissertationen veröffentlicht und Quellenmaterial wie Urkunden oder Regesten editiert. Eine feste und vielleicht die für den historisch interessierten Laien spannendste Publikation: die alle drei Jahre erscheinenden „Fränkischen Lebensbilder“. In Kurzbiographien stellen Wissenschaftler Frauen und Männer vor,  die Kultur und Geschichte in Franken prägten oder auch von hier aus in die weite Welt zogen. 23 Bände mit je rund 20 Porträts umfasst die Reihe inzwischen.


Doch zunächst ein Blick auf die Historie der Gesellschaft: Gegründet wurde sie im Jahr 1904 – das heißt gut 100 Jahre, nachdem große Teile Frankens dem Königreich Bayern zugesprochen worden waren. „Damals herrschte die Angst vor, dass die Bayern in Franken zu stark werden könnten“, sagt Erich Schneider, seit 1996 ehrenamtlich wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft. Eigentlicher Beruf des 59-jährigen Kunsthistorikers: Er leitet die Museen, Galerien und das Kulturamt der Stadt Schweinfurt und ist Geschäftsführer der Stadt Schweinfurt Kulturservice GmbH. Vor mehr als 100 Jahren motivierte also die Sorge vor einem zu starken Bayern  zur Gründung. Und heute? „Die Gesellschaft für fränkische Geschichte fühlt sich in Bayern durchaus wohl, will aber das fränkische Element unterstützen“, sagt Schneider.  Und zwar keineswegs als politische Interessensgruppe. Der 59-Jährige betont: „Wir denken als Historiker.“ Entsprechend erstreckt sich das für die Gesellschaft interessante Gebiet nicht nur über die drei fränkischen Regierungsbezirke. Im Forschungsblick: der einstige fränkische Reichskreis; das heißt, auch ein Stückchen Thüringen, Schwaben oder Eichstätt gehören zum Beispiel dazu.


Wie aber sieht die wissenschaftliche Arbeit in der Praxis aus? Häufig erarbeiten Historiker ein Skript, eine Dissertation oder Habilitation und bieten das Werk der Gesellschaft an. Diese nimmt`s unter die fränkisch-historische Lupe und überlegt, ob das Thema eine Publikation wert ist. Monographien und verschiedene Reihen wie fränkische Chroniken, Urkundenbücher und Regesten oder etwa auch Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte ergeben nach mehr als 100 Jahren eine schier unendlich lang erscheinende Liste an Veröffentlichungen. „Wir drucken nicht, was jeder andere auch drucken könnte“, erläutert Schneider. „Wir drucken, was wir für die fränkische Geschichtswissenschaft für wichtig halten, aber für einen kommerziellen Verlag nicht rentabel wäre.“  Das bis dato größte, 60000 Euro teure Projekt: Die Erforschung der Würzburger Judensteine. Die 1455 Grabsteinfragmente gelten als weltweit einzigartiges Zeugnis der mittelalterlich jüdischen Geschichte.

Ein Beispiel für eine in diesen Tagen veröffentliche Publikation: Das fast 700 Seiten starke Werk „Emma Fürstin zu Castell-Rüdenhausen: Erinnerungen“, herausgegeben und bearbeitet von dem Historiker Jesko Graf zu Dohna. Geschildert wird laut Schneider der ganze Kosmos des hessischen und fränkischen Adels jener Zeit – angefangen beim Landesherren des 19. Jahrhundert bis zu den gesellschaftlichen Umwälzungen im frühen 20. Jahrhundert.


Der vielleicht publikumswirksamste Klassiker unter den Publikationen: die fränkischen Lebensbilder. Unter den inzwischen mehr als 450 Porträts dürfte für fast jeden interessierten Franken die ein oder andere spannende Persönlichkeit dabei sein. „Es geht um Menschen, die in irgendeiner Weise mit Franken verbunden sind. Das muss kein Franke und muss nicht immer ‚der Gute‘ sein“, sagt Schneider.  Porträtiert wird allerdings nur, wer bereits verstorben ist. Unter den Autoren finden sich viele Stadtarchivare, renommierte Wissenschaftler, aber zum Beispiel auch talentierter Historikernachwuchs. In den Lebensbildern dreht es sich ab dem frühen Mittelalter bis in unser Zeitalter um Fürstbischöfe und moderne Politiker, Künstler und Unternehmer, Sportler oder Literaten. Sie alle aufzuzählen, spart sich der Kunsthistoriker. Wie er betont subjektiv greift er exemplarisch einige Lebensbilder heraus.


Der 59-Jährige beginnt dabei im frühen Mittelalter mit Megingaud, einem Mann aus edelfreiem Geschlecht, der von 991 bis 1014/15 als Fürstbischof Eichstätt regierte. Der konzentrierte sich allerdings wohl nicht allein auf die Politik. Das zumindest geht aus den Bischofsviten des Anonymus von Herrieden hervor. Darin kritisiert der Schreiber nämlich die Sinnesfreuden des Fürstbischofs, die wohl unterm Strich zur Vernachlässigung geistlicher Pflichten  führten.


Zeitsprung in die beginnende Neuzeit. Im Sinne der Gleichberechtigung ein Blick auf eine Frau jener Jahre – auch wenn sich selbige anfangs in den „Lebensbildern“ nicht widerfanden. Denn erst seit Erich Schneider 1996 die wissenschaftliche Leitung in der Gesellschaft übernahm, spiegelt sich auch die fränkisch-weibliche Seite in den Kurzporträts wieder.  So skizziert die Bambergerin Elke Tkocz im jüngsten Band etwa die Vita von Katarina Sensenschmid. Die Tochter des ersten Nürnberger Buchdruckers Johann Sensenschmid wurde Nonne und schaffte den Aufstieg zur Äbtissin des Bamberger Klarissenklosters. Ihr gelang es, neben umfangreicher Bautätigkeit die Güter und Liegenschaften des Klosters zu vermehren und dadurch dessen wirtschaftliche Situation zu sichern.  


Sprung ins 20. Jahrhundert. „Ludwig Dexheimer kennt heute kaum einer mehr – dabei war das eine faszinierende Gestalt“, sagt Schneider. Der Nürnberger war Chemie-Ingenieur und Schriftsteller und schrieb 1930 unter dem Pseudonym Ri Tokko den Roman „Das Automatenzeitalter“. „Er beschreibt in Zukunftsvisionen, wie wir heute leben“, so der Kunsthistoriker. Und zwar ziemlich treffsicher. So erzählt Dechsheimer etwa von einer von Papier losgelösten Wissensvermittlung über ferntechnische Apparate, die zeitgleich unzählige Leser nutzen können.


Ganz bewusst nimmt sich die Gesellschaft für fränkische Geschichte laut Schneider in den Lebensbildern auch schwierigen Personen der Zeitgeschichte an, entstanden ist etwa ein Porträt über den NS-Politiker und Gauleiter Julius Streicher. Streicher war unter anderem Begründer und Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“. Bei den Nürnberger Prozessen war er einer der 24 Hauptangeklagten, wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. „Vorab wurde ausführlich diskutiert, ob wir Streicher in die Lebensbilder aufnehmen“, sagt Schneider, betont aber: „Es ist explizit unsere Aufgabe, auch an solche Personen der Geschichte zu erinnern.“ Und wie steht es generell um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit innerhalb der Gesellschaft?  „Ich erlebe den Adel als sehr aufgeschlossen. Verstrickungen in die NS-Zeit werden offen gelegt, unsere Mitglieder unterstützen uns mit der Öffnung ihrer Archive“, sagt Schneider.


Abschließend noch ein Blick auf eine Person der Zeitgeschichte, die gerade der älteren Bevölkerung hierzulande in sehr positiver Erinnerung geblieben sein dürfte:  Im 24. Band der Fränkischen Lebensbilder – dieser wird 2015 erscheinen – wird sich ein Kurzporträt um den deutschen Fußballspieler Max Morlock (1925 – 1994) drehen. Als Nationalspieler erzielte der Nürnberger bei der Weltmeisterschaft im Finale in Bern in der 10. Minute den 1:2-Anschlusstreffer gegen Ungarn für die deutsche Mannschaft.  1961 wurde er zum deutschen Fußballer des Jahres gewählt.

Erich Schneider ist wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für fränkische Geschichte


Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist unter anderem in „Franken. Magazin für Land und Leute“ erschienen.

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