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„Kunst kauft heute, wem Kunst gefällt“
Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker verraten bei der Fine A.R.T.S. in Würzburg, wie sie
heute ihre Brötchen verdienen. Sie sprechen über einen Markt, der sich in Jahrzehnten stark gewandelt hat


Von Michaela Schneider

Würzburg Klassische Kunstkäufer – ja, die gab es, sagt der Galerist Markus Göbele aus dem unterfränkischen Dettelbach. Er weiß, wovon er spricht, schließlich entstammt er einer Galeristenfamilie. Vereinfacht gesagt: Wollten seine Eltern in den 70er und 80er Jahren neue Kunden gewinnen, schlugen sie das Telefonbuch auf, suchten einen Schwung Ärzte heraus und schrieben diese an. So leicht ist`s heute nicht mehr – weder für Galeristen, noch für Künstler. Der klassische Kunstkunde sei Vergangenheit, der Markt komplexer geworden. Vor allem Grafiken, die einst viel Geld brachten, sind heute laut Göbele kaum mehr gefragt. Wer von Malerei, Grafik oder Bildhauerei leben möchte, muss hart arbeiten, ein guter Selbstvermarkter sein oder einen rührigen Galeristen haben – und bewegt sich trotzdem oft am Existenzminimum. Bei der Kunstmesse „Fine A.R.T.S.“ im Kulturspeicher Würzburg verrieten Künstler, wie sie ihre Brötchen verdienen.    


Zu den „alten Hasen“ in der hiesigen Kunstszene zählt Angelika Summa, seit 1986 arbeitet sie freischaffend und zeigt ihr Werk in Ausstellungen. „Dass ich eine gewisse Bekanntheit erreicht habe, merke ich“, sagt sie – und führt dies vor allem auf ihr Alleinstellungsmerkmal zurück: Die Bildhauerin arbeitet mit Draht in allen erdenklichen Stärken. Sie wickelt, verknotet, knüpft, häkelt, lötet oder  schweißt diesen, oft zu auffälligen Kugeln. Ihre Erfahrung: Ausstellungen sind wichtig, um als Künstler bekannt zu werden. Lukrativ indes sei vor allem Kunst am Bau, allerdings müsse man sich bei öffentlichen Ausschreibungen erst einmal gegen die Konkurrenz durchsetzen.  Warum aber präsentiert Summa ihre Werke zusammen mit der Ateliergemeinschaft „Professorium“ bei einer Messe wie der Fine A.R.T.S.? In erster Linie will die Bildhauerin neue Kunden erschließen – jene, die vor allem wegen des Kunsthandwerks oder der Antiquitäten vor Ort sind und von sich aus keine ihrer Ausstellungen besuchen würden.


Objektkeramik präsentiert an ihrem Stand die Keramikmeisterin und –gestalterin Elisabeth Reusch-HeIdenfelder. „Ich muss von meiner Kunst leben. Das funktioniert, aber ist nicht einfach“, sagt die Unterfränkin. Die fundierte Ausbildung sowie mehr als 30 Jahre Erfahrung würden helfen, sich von Kollegen abzuheben. Reusch-Heidenfelders Werkstatt mit Atelier und Ausstellungsraum befindet sich in Lohr am Main, zu ihren Kunden zählt langjähriges Stammpublikum. Doch auch neue Besucher finden den Weg nach Lohr – laut der Künstlerin, weil sie sich bewusst auf regionalen Veranstaltungen präsentiert; und weil ihr die Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinigungen wie dem Bundesverband Kunsthandwerk sowie die Präsenz in Galerien zu Bekanntheit verhelfen.


Eine weitaus längere Anreise zur Fine A.R.T.S. hatte der Maler und Grafiker Massimo Danielis aus Pfaffenhofen. Im dritten Jahr ist er bei der Kunstmesse in Würzburg dabei – weil ihm die Stadt am Main gefalle, aber auch, weil er vor Ort das ein oder andere Werk verkaufen kann. „Ein Künstler muss sich viel bewegen und seine Arbeit zeigen - im Inland wie im Ausland“, so sein Credo. Dabei konzentriert er sich bewusst mehr auf Kunstmessen als auf Ausstellungen. In den nächsten Tagen wird er weiter zu Messen nach Amsterdam, dann Hamburg reisen. Wichtig ist dem Maler, dass sich jeder seine Kunst leisten kann – der Preis seiner Bilder bewegt sich im drei- bis vierstelligen Bereich. „Ich hatte schon junge Kunden, die unbedingt ein Werk von mir haben wollten, in Raten gezahlt und sich ein Bild regelrecht abgespart haben“, erzählt er. Kunst kauft heute, wem Kunst gefällt, so seine Definition des modernen Kunden. Und wie steht`s um die Präsenz als Künstler im Internet? Ist diese wichtig? Als Informationsquelle ja – wer jedoch ein Gemälde erwerbe, wolle dieses persönlich sehen. Hier deckt sich die Meinung der Künstler durch die Bank.


Als sehr erfrischend erweist sich ein Gespräch mit Richard Fuchs aus Castell. Eigentlich ausgebildeter Grafikdesigner, entschied er sich vor sieben Jahren, künftig hauptberuflich von der Malerei zu leben. Aufs Geld verdienen blickt er gelassen, darauf komme es für ihn in erster Linie nicht an, sondern aufs Tun und Machen. Auftragsarbeiten lehnt er ab, sagt: „Ich bin produktiv, wenn ich will und kann. Ich bin mein eigener Auftraggeber.“ Er habe eine Internetseite und sei in Ausstellungen sowie Galerien präsent, klar. Aber dies spiele keine große Rolle: „Meine Käufer sind Menschen, die mich mal irgendwo gesehen haben oder über Empfehlungen bei mir landen.“ Sein Motto: Kunst dürfe vieles, was sonst nicht erlaubt sei – weil sie eben nicht wie eine Aktie funktioniere.       


Kunst auf zwanglose Art wie bei der Fine A.R.T.S. zu zeigen, hält übrigens auch die Hausherrin Dr. Marlene Lauter, Leiterin des Museums im Kulturspeicher, für wichtig: Die Besucher sähen Originale, könnten von Stand zu Stand schlendern, seien keinem Kaufzwang ausgesetzt, aber hätten die Möglichkeit, schöne Dinge zu erwerben. „Diesen Umgang mit den Originalen, mit dem Einzelwerk und dem Seltenen finde ich umso wichtiger, als wir heute ständig alle online sind und viel Zeit im Alltag in der virtuellen Welt verbringen.“ Bei der Messe aber hätten die Künstler, Händler und Kunsthandwerker die Möglichkeit, den Besuchern direkt zu erklären, warum ein Bild, ein Möbel, ein Schmuckstück oder  Kleidungsstück aussieht, wie es aussieht.


Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.

Schlicht „Landschaft“ hat Massimo Danielis dieses Werk in Öl auf Leinwand betitelt.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Infokasten: Über die Fine A.R.T.S.


Hervor ging die „Fine A.R.T.S“ vor elf Jahren aus dem traditionellen Kunstmarkt auf der Festung Marienberg in Würzburg – der mit 30 Jahren damals ältesten Antiquitätenmesse Bayerns. „Wir merkten, dass die Nachfrage nach Antiquitäten zurückging“, erinnert sich Jürgen Geisel, Vorsitzender des Vereins für Kunst und Geschichte in Nordbayern, sowie Organisator der Fine A.R.T.S. Sein Grundgedanke: Ein jüngeres Publikum muss her – und zwar, indem Alt und Neu auf einer Messe kombiniert werden. Von der Schönbornhalle zog man in das moderne Museum im Kulturspeicher um, präsentierte nun neben Antiquitäten auch Kunst und Kunsthandwerk und gab dem Kunstmarkt mit „Fine A.R.T.S“ einen neuen Namen. Das Konzept funktioniert wohl, zum neunten Mal findet die Kunstmesse im Kulturspeicher statt, heuer präsentierten sich 38 Künstler, Kunsthandwerker und Kunsthändler. Zum Teil stammen sie aus der Region, teils reisen sie mehrere 100 Kilometer an. Die Aussteller wählt Jürgen Geisel bewusst aus: „Es gibt hier handgefertigte Ringe unter 100 Euro ebenso wie einen Ring für mehr als 50000 Euro. Wir wollen jeden ansprechen und zeigen, dass es Kunst von hoher Qualität gibt, die man sich leisten kann.“