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Schnörkellose Premiere um Rache, Mut und Liebe
Fidelio-Premiere am Mainfranken Theater Würzburg - Regisseur Stephan Suschke
verzichtet bewusst auf Politisierung, die Ereignisse an sich und die Musik stehen im Vordergrund


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Ja, natürlich fragt man sich: Warum sitzt Florestan unschuldig im Gefängnis? Und welche Ziele verfolgt der hinterhältige Bösewicht Don Pizarro? Als Beethoven seine Oper „Fidelio“ schrieb, ließ er diese Fragen offen. Und auch Regisseur Stephan Suschke  verzichtet jetzt am Mainfranken Theater ganz bewusst auf Antworten, auf eine Politisierung. Kein verkehrter Ansatz – bedenkt man, dass einst selbst Nationalsozialisten und Kommunisten den Stoff für ihre Zwecke missbrauchten. Es geht in Würzburg um die Ereignisse an sich - um Rache, Mut und Liebe. Dem Gros des Premierenpublikums gefällt der Ansatz.


Die Handlung in Kürze: Florestan (Hans-Georg Priese) sitzt zu Unrecht im Gefängnis, weil er die Machenschaften des fiesen Gouverneurs Don Pizarro (Bryan Boyce) anprangerte. Seine Gemahlin Leonore (Karen Leiber) verkleidet sich als Mann und lässt sich unter dem Namen Fidelio als Gehilfe des Kerkermeisters Rocco Lukasz Konieczny)  anstellen. Roccos Tochter Marzelline (Silke Evers) verliebt sich in Fidelio und weist ihren Verehrer Jaquino (Joshua Whitener) zurück. Fidelio überredet Rocco, ihm die Zellen der Staatsgefangenen zu zeigen. Gleichzeitig erfährt Don Pizzaro, dass Minister Don Fernando (Daniel Fiolka) ermittelt, weil er zu Unrecht Inhaftierte im Gefängnis vermutet. Don Pizzaro plant, Florestan zu ermorden. Rocco und Fidelio sollen gemeinsam das Grab für Florestan schaufeln. Als Don Pizzaro den Gefangenen ermorden will, stellt sich ihm Leonore mit einer Pistole in den Weg. In dem Moment erscheint der Minister. Florestan wird befreit, Don Pizzario bestraft.


Tatsächlich irritiert das Rundum-Happyend der Beethoven-Oper – Stephan Suschke und sein Regie-Assistenz-Team greifen hier  auf eine clevere Idee zurück: Den Abend über erlebt das Publikum ein sehr reales, düsteres Szenario: Ein Gefängnis aus Gittern und Gängen auf zwei Etagen, Nebeldunst und kalte Lichteffekte dominieren Momme Röhrbeins Bühnenbild. Trotzdem spricht dieses übrigens an: Dasa Gefängnis ist auf der Drehbühne platziert. Dadurch entsteht Bewegung, entwickeln sich aus Licht und Schattenspielen ästhetische Bilder. Als dann die gute Nachricht des Ministers eintrifft, verwandelt sich die zeitlose Realität für die letzten Opernminuten  in eine bunte Theaterwelt alla Commedia dell`arte.  Opernchor und Extrachor tragen nun keine tristen Uniformen mehr, sondern aufwändige Barockkleider (Kostüme: Angelika Rieck). Die weißgeschminkten Gesichter  wirken puppenhaft. Die  Akteure bewegen sich in Zeitlupe wie durch eine verkehrte Welt.  Die einen Theaterbesucher genießen gerade diesen Kontrast, andere halten ihn für überflüssig. Wie immer im Theater, ist Suschkes Regie-Ansatz hier Geschmackssache.


Durch die weitgehend schlichte Aufmachung   rückt im „Fidelio“ am Mainfranken Theater die Musik in den Vordergrund. Sehr überzeugend spielt an diesem Abend das Philharmonische Orchester Würzburg unter dem Dirigat des ersten Kapellmeisters Sebastian Beckedorf – beherzt und angenehm akzentuiert arbeitet er ein Spektrum an Klangfarben heraus: dramatisch und süß, fast marschartig, dann wieder tänzerisch leicht. Und auch der Chor und der Extrachor unter Leitung von Michael Clark überzeugen mit Dynamik, präsentieren ein sehr motiviertes „Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde!“ im Finale.

Auch mit Blick auf die Solisten darf das Publikum manchen klanglichen Höhepunkt erleben: Silke Evers als Marzelline begeistert in der Arie „O wär’ ich schon mit dir vereint!“ mit zarten, weichen Tönen. Lukasz Koniecznys sonorer, durchdringender Bass  als Kerkermeister Rocco fasziniert - selbst wenn er spricht. Den meisten Applaus zollt das Publikum Karen Leiber als stolzer, zielstrebiger Leonore. Nur vereinzelt in den Höhen klingt sie zu Beginn ein bisschen schrill. Umso schöner dann Leibers warme, tiefe Töne, die dem Charakter der Leonore eine gewisse Abgeklärtheit  geben. Und nicht zu vergessen als premierenabendlicher Hörgenuss:  Hans-Georg Prieses kraftvolle  Vision „Gott! Welch Dunkel hier!“  als verzweifelter und trotzdem ungebrochener Florestan.


Kurzum: Das Publikum darf  am Würzburger Mainfranken Theater eine schnörkellose Fidelio-Premiere erleben, die sich auf die Musik konzentriert.  Verdiente Bravorufe am Ende, vor allem für Karen Leiber, Silke Evers und Lukasz Konieczny.


Dauer: 140 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 19.30 Uhr:  05.04./ 14.04./ 18.04./ 29.04./ 06.05./ 29.05./ 31.05./ 05.06./ 13.06./ 27.06./ 09.07.; 15.00 Uhr:  12.04.; 16.00 Uhr:  17.05.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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