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Das Pulver im Blut

Silvester Der Pyrotechniker Friedrich Woesch aus Würzburg  spricht über Feuerwerkstrend,
gibt Tipps fürs sichere Silvestervergnügen und plaudert über seinen Beruf im Wandel

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Das Feuerwerk gehört zu Silvester für viele dazu, wie der Christbaum zum Heiligabend. Einer, der sich bestens mit dem explosiven Augenschmaus auskennt, ist Friedrich Woesch aus Würzburg. Er habe Pulver im Blut, sein Großvater gründete vor 142 Jahren die Kunstfeuerwerkerei Woesch. Der 64-jährige Pyrotechniker spricht über Trends, scheut den kritischen Blick aufs Silvesterfeuerwerk nicht und plaudert über seinen Beruf im Wandel.

 

Wohin geht der Trend beim Silvesterfeuerwerk?

Friedrich Woesch: Der Trend geht klar zu Batteriefeuerwerken. Früher musste jede Feuerwerksrakete einzeln gezündet werden. Bei Batteriefeuerwerken indes habe ich eine einzige Zündschnur, die zwischen 10 und 200 Schuss auslöst. Die Steigerung zum Batteriefeuerwerk ist das Verbundfeuerwerk, hier sind einzelne Batterien noch miteinander verbunden. Auf ein Anzünden folgen zwei bis drei Minuten Feuerwerksgenuss. Das ist nicht nur sehr einfach, sondern auch ungefährlicher. Feuerwerksraketen werden nur noch vereinzelt von älterer Kundschaft gekauft - für sie gehört die klassische Rakete seit Jahrzehnten zu Silvester dazu.

 

Worauf sollte man beim Silvesterfeuerwerk achten, um niemanden zu gefährden?

Woesch: Ganz wichtig ist, dass die Produkte mit dem CE-Zeichen versehen sind. Im regulären Handel darf nichts anderes verkauft werden, trotzdem tauchen immer wieder Produkte ohne Zertifikat auf, Stichwort „Polenböller“. Finger weg, die können lebensgefährlich sein! Beim Abfeuern ist wichtig: Das Publikum sollte mindestens zehn Meter Abstand halten, der Feuerwerkskörper muss gerade und auf sicherem Boden stehen und man sollte auf die Windverhältnisse achten. Jedem Produkt liegt eine Gebrauchsanweisung bei - diese ist einzuhalten. Ein absolutes Tabu ist es, selbst an Böllern herumzubasteln. Schwarzpulver ist einer der explosivsten Stoffe überhaupt! Wenn etwas passiert, sind meist Leichtsinn, Alkohol und Übermut im Spiel.

 

Was sagen Sie zur Diskussion um Pyrotechnik in Fußballstadien? Ist das Verbot richtig?

Woesch: Unbedingt. Ich bin selbst großer Fußballfan, aber Feuerwerk, bengalische Feuer und Co. lehne ich in Stadien rigoros ab. Wo, bitte, sollen diese inmitten der Menge kontrolliert abgebrannt werden? Fankultur darf nicht über der Sicherheit stehen. Das Problem ist: Die meisten Menschen wissen nicht, mit was für gefährlichen Dingen sie hantieren. Gleiches gilt für Feuerwerk in der Innenstadt inmitten von Menschenmassen. Die Städte tun gut daran, an Silvester feuerwerksfreie Zonen auszuweisen.

 

Was sagen Sie jenen, die das Silvesterfeuerwerk für Geldverschwendung halten?

Woesch: Was spricht dagegen, sich mit einem Feuerwerk etwas Schönes zu gönnen? Sie könnten an Silvester ja auch Wasser statt Sekt oder Champagner trinken. Die schöne Kunst der Verschwendung muss meiner Ansicht nach nichts Schlechtes sein!

 

Wie hat sich der Beruf des Pyrotechnikers verändert?

Woesch: Mein Großvater hat Feuerwerkskörper noch selbst hergestellt, das machen wir heute nicht mehr. Auch war der Aufbau eines Großfeuerwerks eine unheimliche Arbeit. Die Vorbereitung dauerte mehrere Tage, mein Großvater hat Abschusskästen aus Eisenrohren in die Erde eingegraben und riesige Abschussgeräte antransportiert. Das Schöne war: Ein Feuerwerk hat automatisch begeistert, weil es etwas Besonderes war. Heute ist das Publikum viel anspruchsvoller und alles muss unheimlich schnell gehen. Beim Feuerwerk zum Aschaffenburger Volksfest oder auch beim Kilianifeuerwerk in Würzburg schießen wir in zehn Minuten mehr als 1000 Raketen in den Himmel. Ich arbeite für jedes Feuerwerk eine spezielle Choreographie aus. Meine Frau nennt das gerne auch „Bilder am Himmel zaubern“. Mir gefällt es gut, wenn ein Feuerwerk nicht kunterbunt ist, sondern farblich in sich stimmig.

 

Können Sie Ihre eigenen Feuerwerke als Pyrotechniker überhaupt genießen?

Woesch: Den Genuss bringt mir der Applaus des Publikums.

 

 

 

Nur für Profis wie Pyrotechniker Friedrich Woesch geeignet: diese Kugelbomben.

 

 

Foto: Michaela Schneider

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über die Friedrich Woesch GmbH

 

Gegründet wurde die Kunstfeuerwerkerei Woesch im Jahr 1870, heute betreibt Friedrich Woesch das Familienunternehmen in dritter Generation. Ehefrau Gisela und Sohn Julian arbeiten im Betrieb mit. Im Sommer arbeitet die Friedrich Woesch GmbH mit Saisonkräften zusammen. Pro Jahr choreografiert der Firmenchef gut 100 Feuerwerke, um die 80 davon zündet er selbst. Auch auf Kreta, in Kuwait oder im Oman hat er bereits Bilder an den Himmel gezaubert. Jährliche Höhepunkte in der Region sind die Feuerwerke beim Aschaffenburger Volksfest, beim Rakoczy-Fest in Bad Kissingen und beim Kilianifest in Würzburg. Etwas Spezielles: die Barockfeuerwerke beim Würzburger Mozartfest. Hobbyfeuerwerker können zudem das ganze Jahr über pyrotechnische Artikel bei den Woeschs erwerben.