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Wo waren in der Reichspogromnacht die Feuerwehren?

Zeitgeschichte Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums recherchiert  Hintergründe
zum Brand der Synagoge im  Würzburger Ortsteil Heidingsfeld – Vortrag am Donnerstabend

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Als im November 1938 in Deutschland mehr als 1400 jüdische Synagogen brannten, war dies Signal zum schlimmsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit. Auch im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld brannte die Synagoge bis auf die Grundmauern nieder. Am Freitag wird sich die Reichspogromnacht jähren, der Arbeitskreis Würzburger Stolpersteine wird dann zwölf weitere Steine gegen das Vergessen für Opfer des Nationalsozialismus verlegen. Darunter befindet sich auch ein Stolperstein für den jüdischen Feuerwehrmann Jakob Sichel. Am 23. Januar 1943 kam er im Ghetto Theresienstadt ums Leben, seine Ehefrau Ella starb knapp sechs Wochen später. Für Rolf Schamberger, Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums Fulda, ist dies Anlass, zu hinterfragen: Wo waren in der Reichspogromnacht die Feuerwehren?

 

Einschneidende Bedeutung für die deutschen Feuerwehren sollte Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 haben. Denn: Mit dem Ermächtigungsgesetz im März folgte die Gleichschaltung aller politisch-gesellschaftlicher Bereiche inklusive der Feuerwehren. „Sie wurden mit ihren Hilfeleistungspotentialen von den nationalsozialistischen Machthabern mit eiskaltem Kalkül zu einer straff geführten technischen Hilfspolizeitruppe umgeformt“, sagt Schamberger.

 

Sprung ins Jahr 1938. Bekannt ist laut dem Museumsleiter: Vielerorts wurde den Feuerwehren in der Reichspogromnacht per Dienstweg befohlen, Synagogenbrände nicht abzulöschen und nur die umgreifenden Gebäude zu schützen. Die Hauptsynagoge in der Würzburger Innenstadt entging damals wohl aufgrund der dichten Umbauung der Brandstiftung, wurde jedoch vollständig demoliert. Die massiv gemauerte Synagoge in Heidingsfeld brannte bis auf die Mauern nieder.  

 

Verhörprotokolle aus dem Jahr 1948 liefern Hinweise auf die Rolle der Würzburg Feuerwehr während der schrecklichen Ereignisse in Heidingsfeld. Einer der beiden damaligen Schutzpolizisten gibt später an: „Ich sah, dass die Synagoge brannte und eine größere Menschenmenge anwesend war. Auffallend war mir, dass nicht gelöscht wurde. Auf Befragen der Umstehenden, warum nicht gelöscht werde, wurde ich ausgelacht.“ Und ein Gastwirt sagt: „Ich machte einen Schutzmann auf die Notwendigkeit des Alarmierens der Feuerwehr aufmerksam, worauf dieser erwiderte, dass das Feuer auch ohne Feuerwehr brenne.“ Weitere Angaben eines Polizeibeamten bei den Vernehmungen 1948 deuten laut Schamberger darauf hin, dass der Führer der zuständigen 9. Kompanie, Feuerwehrkommandant Lang, wohl von dritter Seite verständigt worden sei, denn auf der Polizeiwache sei er nicht vorbeigekommen. Der Polizist erklärte, Lang habe offensichtlich erregt konstatiert, „dass das Feuer schon länger brenne“. Er habe Lang darauf mit der Aussage beruhigt, dass das Feuer „doch auch brennen“ solle.

 

Als die 9. Kompanie schließlich vor Ort eintraf, brannte die Synagoge lichterloh. Die Wehr beschränkte sich bei den Löscharbeiten allein auf den Schutz der umliegenden Gebäude. „Das war nach dem Selbstverständnis eines Feuerwehrmanns nicht in Ordnung“, sagt Schamberger. Allerdings fügt er an: Als Familienvater von zwei Töchtern wisse er nicht, ob er selbst unter den damaligen Umständen die persönliche Courage gehabt hätte, sich mit dem NS-Regime anzulegen und gegen einen polizeilichen Befehl zuwiderzuhandeln.

 

Wie in Würzburg siegte laut Schamberger in der Reichspogromnacht in der Mehrzahl der Fälle der staatlich verordnete Antisemitismus über den traditionellen Berufsethos der Feuerwehren, meist schauten sie tatenlos zu, während Synagogen niederbrannten. Auch gibt es Belege für aktive Brandstiftung. In Detmold etwa war es die Feuerwehr selbst, die Benzinkanister in die Synagoge schaffte und aus einer Signalpistole den Brand entflammte. Andernorts indes legten sich Feuerwehrleute bewusst mit der Obrigkeit an, um zu löschen. Deshalb ist es dem Leiter des Feuerwehr-Museums wichtig, beim Blick in die Zeitgeschichte nie von „der Feuerwehr“, sondern immer differenziert von „den Feuerwehren“ zu sprechen.

 

 

 

Infokasten: Der Bau der MAGIC-Teleskope

 

Um die 150 Astronomen und Physiker waren am Bau des ersten Magic-Teleskops beteiligt, 2003 wurde es fertiggestellt. „Fast alles ist in Eigenarbeit geschehen“, betont der Würzburger Astronomieprofessor Karl Mannheim, veranschaulicht: „Studenten haben die Teleskope selbst mitaufgebaut, Kabel gezogen und die Software zum Laufen gebracht.“ Aus Würzburg stammte dabei unter anderem die komplette Antriebstechnik – und die hat es in sich, denn: Um die 60 Tonnen wiegt ein einzelnes Teleskop, das sich innerhalb von 20 Sekunden auf jeden beliebigen Punkt ausrichten lässt. Auch viele der Fotosensoren und die Software für die Analyse und die Bildgebung kommen aus Unterfranken. 2009 folgte das Zwillingsteleskop, Ende 2011 ein kleineres, drittes Teleskop mit neuer Technik. Zwölf Teams sind derzeit am Projekt MAGIC auf La Palma beteiligt. Um die 13 Publikationen pro Jahr resultieren aus deren Beobachtung des Universums. Rund fünf Millionen Euro sind in Bau und Weiterentwicklung der Magic-Teleskope bislang geflossen, gefördert wird die Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.

Letzte Handarbeiten am optischen Teleskop in Hettstadt. Im Bild (von links) Christian Lorey (Friedrich-Koenig-Gymnasium), Dominik Elsässer, Ralf Mündlein.  Das Bild ist kurz vor der Einweihung dieses Jahr im Januar entstanden.       

 Archiv-Foto: Elsässer

Infobox

 

Vortrag: In Kooperation mit dem Arbeitskreis Würzburger Stolpersteine wird Rolf Schamberger die Ergebnisse seiner Recherche am Donnerstagabend, 8. November, um 19 Uhr in der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg (Weißenburgstraße 60) in einem Vortrag mit dem Titel „Feuerwehren im Nationalsozialismus“ vorstellen. Dabei wird er nicht nur über die Rolle der Wehren während der Reichspogromnacht sprechen. Im Zentrum seiner Recherchen stand – neben der allgemeinen Historie ab 1933 - zum einen auch Karl Tretter, der mit Unterbrechung von 1934 bis 1959 Oberkommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Würzburg war. Zum anderen der jüdische Feuerwehrmann Jakob Sichel sowie auch der Würzburger Halbjude Anton Birn.

 

Stolpersteinverlegung: Die zwölf Würzburger Stolpersteine werden am Freitag, 9. November, zwischen 13 und 16.30 Uhr verlegt, Beginn ist in der Hofmeierstraße 9. Hier wird der Stolperstein für Jakob, Ella und Sofie Sichel verlegt werden. Details unter www.stolpersteine-wuerzburg.de

 

Feuerwehrmuseum: Wer mehr über das Feuerwehrwesen wie auch über dessen Geschichte erfahren möchte, ist im Deutschen Feuerwehr-Museum in Fulda richtig. Geöffnet ist täglich außer Montag zwischen 10 und 17 Uhr, Details im Internet unter www.dfm-fulda.de

 

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.