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Der Raub der Sabinerinnen“ von Würzburgs letztem Hofmaler Johann Christoph Fesel.

Foto: Universität Würzburg

„Ein Fesel gehört nach Würzburg“
Kunstgeschichte
Mit Gemäldeerwerb ist nun die gesamte Riege der Würzburger
 Hofmaler im Martin-von-Wagner-Museum mit mindestens einem Werk vertreten


Von Michaela Schneider

Würzburg Ein bisschen eigentümlich mutet es auf den ersten Blick an: Johann Christoph Fesels (1737 – 1805) Gemälde „Der Raub der Sabinerinnen“. „Man erschrickt erst einmal ein bisschen, weil alle Personen gleich, fast marionettenhaft aussehen“, sagt Kunsthistoriker Damian Dombrowski. Trotzdem ist er sehr froh, dass die Sammlung des Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg um das Werk erweitert werden konnte. Und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht: Mit dem Fesel-Gemälde sind nun sämtliche elf Würzburger Hofmaler in der bedeutenden Kunstsammlung im Seitenflügel der Residenz vertreten. Und: Das Werk nehme aus kunstgeschichtlicher Sicht durchaus seinen Platz ein am Umbruch zweier Epochen und sei hervorragend geeignet, um den Übergang zwischen Barock und Klassizismus für angehende Kunsthistoriker exemplarisch greifbar zu machen.


Ein Bamberger Kunsthändler hatte dem Museum das Werk zum Kauf angeboten. Ein Fesel gehöre nach Würzburg fand auch Dombrowski, der übrigens nicht nur Inhaber des Lehrstuhls für mittlere und neuere Kunstgeschichte an der Würzburger Universität ist, sondern im kommenden Jahr auch das Amt des Direktors der Neueren Abteilung des universitären Kunstmuseums antreten wird. Außer Frage steht, dass es sich um einen echten Fesel handelt: Das Werk ist zweifach signiert und datiert und stammt aus dem direkten Nachlass des Künstlers. Wie aber den Ankauf finanzieren? 2000 Euro wurden aus Mitteln der Gemäldegalerie aufgebracht, 4000 Euro steuerten die „Freunde der Würzburger Residenz“ bei. Die verbleibenden 2000 Euro will Dombrowski über kleine Spenden der Bürger decken, dazu lud er jetzt zu dem Abend „Ein Abend für ein Bild – ein Bild für immer“ mit Kurzvorträgen, Wein und Musik aus der Zeit um 1800 ein.   

Ein Blick auf den Künstler selbst: Johann Christoph Fesel war Würzburgs letzter Hofmalinspektor.  Hofmaler zahlten keine Steuern, hatten ein festes Jahreseinkommen, wurden gebrödet – das heißt am Hof verköstigt – und genossen weitere Privilegien. Allerdings reichten ihre Aufgaben weit über rein künstlerische Aufträge hinaus: Zum Beispiel gestalteten Hofmaler Kutschen oder stellten Festdekorationen her; sie staubten Gemälde ab, hielten die Galerie in Schuss und kümmerten sich um die Restaurierung der Kunstobjekte am fürstbischöflichen Hof.


Dass von Fesel heute nur um die 50 Katalognummern bekannt sind, mag auch daran liegen, dass die Residenz zu jener Zeit schon gut ausgestattet war. Größere Arbeiten wurden kaum noch in Auftrag gegeben, als der gebürtige Ochsenfurter 1768 die Stelle als Kabinettsmaler und Hofmalinspektor antrat.  Bereits mit zwölf Jahren hatte er eine Lehre bei dem Würzburger Hofmaler Franz Ignatz Roth absolviert – in einer Zeit, als Giovanni Battista Tiepolos berühmtes Deckengemälde in der Residenz entstand. Würzburgs Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim unterstützte spätere mehrere, teils mehrjährige Studienaufenthalte in Wien und Rom. Im Auftrag eines englischen Lords reiste Fesel zudem nach Griechenland, um Altertümer zu zeichnen.


Einen tragischen Verlauf sollte Fesels Werdegang am Ende seines Lebens nehmen: Mit der Säkularisation wurde im Jahr 1803 das Ende des fürstbischöflichen Hofs in Würzburg besiegelt, Fesel wechselte die Seiten: Im Dienste des bayerischen Staates organisierte er den Abtransport des Säkularisationsgutes nach München, das heißt auch jener Werke, um die er sich zuvor im Auftrag des Fürstbischofs gekümmert hatte…  


Wie aber ist nun das Werk „Der Raub der Sabinerinnen“ kunsthistorisch einzuordnen? „Fesel wurde ausgebildet in barocker Tradition“, sagt Dombrowski. Allerdings lebte er zugleich in der Zeit eines revolutionären Wandels, der Schwenk zum Klassizismus als dem eigentlichen Beginn der Moderne war eingeläutet. Eine Hintergrundkulisse, die von Raphael beeinflusst sein könnte, französischer Klassizismus im Stile eines Jacques-Louis David, die Barockmalerei eines Nicolas Poussin und zahlreiche weitere Elemente verschiedener Epochen stehen in dem Gemälde nebeneinander. Dombrowski spricht von einem „Mixtum Kompositum“, betont: „Ein ganz großer Sehhorizont ist in das Gemälde eingeflossen.“ Das mache es auch für die Lehrsammlung der Universität interessant. Und so wird wohl in Zukunft mancher Kunsthistorik-Student jenes Fesel-Werk studieren, das den Epochenbruch zwischen Barock und Klassizismus exemplarisch so greifbar macht.

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Infokasten: Der Mythos vom „Raub der Sabinerinnen“


Johann Christoph Fesels „Raub der Sabinerinnen“ behandelt ein Motiv aus der römischen Mythologie. Romulus hatte demnach Bewohner aus benachbarten Städten nach Rom zu einem großen Kampfspiel eingeladen, Mitten im Spiel stürzten sich die römischen Krieger auf die Gäste, sprengten sie auseinander und raubten die unverheirateten Mädchen. Als die Sabiner später mit einem Heer nach Rom zum Gegenschlag zurückkehrten, waren die Mädchen längst mit Römern verheiratet. Sie drängten aufs Schlachtfeld und baten ihre Brüder und Väter, nicht mit ihren Männern und Kindern zu kämpfen. Die Kämpfer verbrüderten sich, Römer und Sabiner verschmolzen ihre Staaten unter der Doppelherrschaft von Romulus und Titus Tatius.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.