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„Fernsehen macht nicht pauschal dumm!“  
Würzburger Psychologe geht seit vielen Jahren der Frage nach,
ob sich das Medium Fernsehen auf die Sprach- und Lernkompetenz von Kindern auswirkt


Von Michaela Schneider
Würzburg
Fernsehen macht dick und dumm, so die landläufige Meinung. Wer als Kind ständig vor der Flimmerkiste sitzt, wird einen schlechteren Schulabschluss erreichen, als jene, die seltener „glotzen“. Das Thema „Kinder und Fernsehen“ ist sehr vorbelastet, jede Menge pauschale Meinungen kursieren. „Wissenschaftlich fundierte Arbeiten aber gab es lange Zeit kaum“, sagt der Würzburger Psychologieprofessor Wolfgang Schneider (64). Anlass für ihn, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen – seit inzwischen mehr als 15 Jahren. Unter anderem fand er heraus: Besonders gefährdet sind bei hohem Fernsehkonsum sehr intelligente Kinder. Ein Experten-Interview zum Welttag des Fernsehens am 21. November.


Wie lief ihre erste Studie zum Thema Kinder und Fernsehen denn damals ab?

Wolfgang Schneider:  In der Studie wollten wir den Einfluss des Fernsehens auf die Entwicklung der Sprach- und Lernkompetenz von Kindern untersuchen – eben weil das Thema unheimlich vorbelastet ist, es aber kaum wissenschaftlich fundierte Arbeiten gibt. Meist handelte es sich um grobe Schätzungen und soziale Beschönigungen. Wir aber sagten: Wir müssen in die Familien gehen, das Fernsehverhalten vor Ort beobachten und Eltern sowie Kinder unabhängig voneinander befragen. Deshalb haben wir knapp 200 Vorschulkinder und ähnlich viele Zweitklässler sowie ihre Eltern über einen längeren Zeitraum begleitet. Wir haben ihr Freizeitverhalten angeschaut, festgehalten, wie viel Zeit die Kinder vor dem Fernseher verbringen und haben zum Beispiel untersucht, wie sich ihre Konzentrationsfähigkeit oder auch die Lesefertigkeiten verändern.

Und was kam dabei heraus? Wie wirkt sich Fernsehen auf die Sprach- und Lernkompetenz aus?

Schneider: Wir unterschieden zwischen normalem Fernsehkonsum bis zu zwei Stunden und Vielsehern, die mehr als zwei Stunden am Tag vor dem Fernseher saßen. Dazu zählte eine Minderheit von zehn bis 15 Prozent der Kinder. Wir stellten fest, dass diese Kinder Vielseher bleiben, schlichtweg weil sie nichts anderes kennen. Hier kristallisierten sich auch Probleme in Sachen Lesegeschwindigkeit und Leseverständnis heraus. Ein wichtiger Tipp: Ein Fernseher hat im Kinderzimmer nichts verloren, das erzeugt Vielseher. Bei den „Normalseher“ dagegen spielte das Fernsehen keine Rolle. Entscheidend war, dass diese Kinder ausreichend anderen Anregungen ausgesetzt waren, um sich normal zu entwickeln. Heißt: Fernsehen macht nicht pauschal dumm! Heraus kam übrigens auch: Ein hoher Fernsehkonsum wirkt sich vor allem auf besonders intelligente Kinder negativ aus, weil sich ihnen bei anderen Anregungen ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten eröffneten.


Im Speziellen haben Sie auch die „Zapper“ ins Visier genommen. Ihr Ergebnis?

Schneider: Einige der Vielseher waren zugleich Vielzapper und klickten sich zum Teil in 40 verschiedene Programme pro Stunde. Dafür hatten wir die Fernseher in den Familien entsprechend präpariert, so dass jedes Umschalten registriert wurde. Klares Ergebnis: Zappen ist extrem schädlich, diese Kinder schnitten in Konzentrationstests sehr schlecht ab. Drastisch gesagt: Vielzapper waren häufig die künftigen ADHS-Kandidaten.


Sie sagen: Ein hoher Fernsehkonsum wirkt sich auf sehr intelligente Kinder negativ aus. Wie sieht`s umgekehrt aus? Profitieren schwache Schüler von pädagogisch wertvollen Programmen?

Schneider: Nein, das war nicht der Fall, das hat uns auch erstaunt. Tatsächlich gibt es im deutschen Fernsehen aber auch im Vergleich zu den USA wenig pädagogische Programme. Hierzu zählen zum Beispiel Kindernachrichten, Löwenzahn, „Die Sendung mit der Maus“ oder auch die Sesamstraße. In anderen Ländern haben Forscher aber Folgendes herausgefunden: Ein positiver Effekt stellt sich ein, wenn Kinder Programme in fremder Sprache mit Untertitel schauen. Dadurch lernen sie zum einen nebenher eine Fremdsprache, zum anderen verbessert sich ihre Lesegeschwindigkeit.  


Woran liegt`s, dass selbst pädagogische Programme sich nicht förderlich auf die Sprache auswirken?

Schneider: Fernsehen ist zu passiv. Will ich mein Kind fördern, empfehle ich dialogisches Vorlesen. Der Schlüssel ist, das Kind einzubeziehen, es Dinge wiederholen zu lassen und Fragen zu stellen.


Wie sieht denn nun ein sinnvoller Fernsehkonsum im Kindesalter aus?

Schneider: Zunächst einmal: Zu früh sollte man sein Kind auf keinen Fall fernsehen lassen. Es gibt neuere Studien, die belegen: Sitzen Kinder bereits zwischen Null und drei Jahren vor der Flimmerkiste, wirkt sich dies sehr negativ auf die Entwicklung der Sprachkompetenz aus.  Und dann ist‘s letztendlich wie beim dialogischen Vorlesen: Ein Kind darf nicht allein „geparkt“ werden, sondern die Familie sollte gemeinsam fernsehen. So können die Eltern Fragen beantworten, mit dem Kind diskutieren und die Sprache fördern. Erschreckend bei unseren Studien war: An die 20 Prozent der Eltern wussten nicht, was ihre Kinder im Fernsehen anschauen. Das zeigte sich, als wir Kinder und Eltern unabhängig voneinander befragten.


Der Fernseher wird heute abgelöst durch Computer, Internet und Smartphones. Ihre Prognosen?

Schneider: Weil Multimedia eine immer größere Rolle spielt, ist in den letzten Jahren auch die Fernsehforschung zurückgegangen. Was wir heute bereits wissen und auf den ersten Blick erstaunt: Kinder, die häufig am Computer spielen, lesen viel. Zum Einfluss des Smartphones auf die Sprache gibt es meines Wissens nach bis dato keine Studien über mehrere Jahre.

Der Würzburger Psychologe Professor Wolfgang Schneider hat untersucht, inwieweit Fernsehen die Sprach- und Lesekompetenz von Kindern beeinflusst.



Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Welttag des Fernsehens am 21. November


dem Internationalen Tag des Fernsehens will die UNO seit Mitte der 90er Jahre auf verständnisfördernde und bildungsrelevante Themen aufmerksam machen, die erst durchs Fernsehen Menschen weltweit erreichen. Sendeanstalten der UN-Mitgliedstaaten, so die eigentliche Idee, sollen den Tag nutzen, um über „globale Themen wie Frieden, Sicherheit, Sozialentwicklung und die Erweiterung des kulturellen Austausches zu berichten, zu informieren und den Menschen diese Themen bewusst zu machen“. In Deutschland besitzen heute 95 Prozent der Haushalte mindestens ein Fernsehgerät. Während der Fernsehkonsum lange Zeit stetig stieg, ist mittlerweile eine Trendwende zu beobachten: 2007 ging der Gesamtkonsum erstmals zurück – allerdings hat sich die tägliche Internet-Nutzung stetig erhöht. Vor allem Jugendliche verbringen mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher, junge TV-Zuschauer weichen auf Videoplattformen aus.