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Langohr macht sich vom Acker
Im Ochsenfurter Gau gehen Wissenschaftler dem Feldhasen-Sterben auf den
Grund – Ein Netz aus kleinen Grünstreifen soll Meister Lampe zu neuem Lebensraum verhelfen


Von Michaela Schneider

Ochsenfurt/Unterfranken Der Feldhase macht sich in Unterfranken vom Acker - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Feldhasenstrecken belegen, dass sich der Bestand im Regierungsbezirk in vier Jahrzehnten um Dreiviertel reduziert hat.  Im Ochsenfurter Gau allerdings gehen Jäger und Wissenschaftler dem mysteriösen Hasensterben seit etwa einem Jahr gemeinsam auf den Grund. Und: Gerhard Klingler, Vorsitzender der Ochsenfurter Kreisgruppe des Bayerischen Jägerverbands, hat mit seinen Waidmanns-Kollegen eine Kampagne gestartet, um den Langohren zu neuem Lebensraum zu verhelfen.


Ein Blick zurück ins Frühjahr 2013: Der Bayerische Jagdverband hatte damals zusammen mit der Universität Kiel drei Niederwildgebiete für ein groß angelegtes Forschungsprojekt ausgewählt: neben dem Nördlinger Ries sowie dem Erdinger Moos auch den Ochsenfurter Gau im Südosten von Unterfranken. Selbst vor Ort war der passionierte Jäger Gerhard Klingler. In fünf unterfränkischen Jagdrevieren mit einer Fläche von zusammen 3200 Hektar wurden Feldhasen gefangen, wie er erzählt. Ein gutes Dutzend Tiere wurde mit Sendern versehen, zum Teil mit günstigeren normalen Radiosendern, der Rest mit GPS-Geräte.


Ein Jahr lang wurde dann jede zweite Woche sieben Tage lang 24 Stunden das Verhalten der Tiere beobachtet. Unter anderem interessierte die Wissenschaftler, wann die Tiere aktiv sind, wo sie sich wach und schlafend aufhalten, welche Flächen sie  bevorzugen und wann und warum sie in andere Gebiete abwandern. Inzwischen sind die Batterien der Sender leer und die  Daten werden ausgewertet. Fest steht bereits: Der Bayerische Jagdverband wird das Projekt mit Zuschüssen aus der Jagdabgabe fortführen, unter anderem sollen in nächsten Schritten verendete Hasen auf Parasiten hin untersucht werden.


Endgültige Ergebnisse liegen  zwar bislang nicht vor, trotzdem sind einige Ursachen für den Rückgang der Feldhasenbestände laut Klingler längst bekannt. Die gute Nachricht: An der Potenz der Rammler liegt’s nicht, diese sind fruchtbar wie eh und je, wie in früheren Forschungsprojekten bereits nachgewiesen werden konnte.  Aber: Extrem viele Junghasen sterben. Laut Klingler wirft eine gesunde Häsin drei bis viermal im Jahr je drei bis vier Junge. Aber: Nur eines von zwölf Jungtieren überlebt. Die Problematik: Feldhasen gebären nicht wie Kaninchen in einem Bau unter der Erde, sondern in einer Mulde in einem Feld. Die Jungtiere sind also von Geburt an unzähligen Gefahren ausgesetzt.


Für Gerhard Klingler stehen die beiden Hauptgründe fürs Tiersterben fest: Zum einen ist – parallel zum Rückgang der Feldhasen - die Fuchspopulation gestiegen. Und auch die Bestände an Rabenkrähen und Elstern nehmen zu. „Diese Vögel töten jedes Vogelgelege und viele Junghasen“, so Klingler und fordert eine scharfe Bejagung der Beutegreifer.  Zum zweiten verschlechtern sich die Lebensraumverhältnisse für Feldhasen zunehmend.


Zunächst aber ein detaillierter Blick auf die Füchse. Mit Impfködern zur oralen Immunisierung der Tiere war es gelungen, Tollwut hierzulande nahezu auszurotten. Vereinzelte erkrankte Hunde gab es seit 2006 zwar  - die allerdings waren allesamt aus dem Ausland importiert worden. Die heimischen Füchse indes konnten sich ungebremst vermehren. Und auch weil es zurzeit witterungsbedingt kaum Feldmäuse gibt, jagt Meister Reinecke verstärkt Hasen.  


Die verschlechterten Lebensraumbedingungen indes hängen Experten zufolge mit einer immer intensiver betriebenen Landwirtschaft zusammen, schlichtweg, weil den Tieren die Deckung fehlt. So fehlt es laut Klingler heute an ausreichen Hecken, Grabenböschungen, Weg- und Straßenränder werden häufig  abgemulcht und Trockenrasenflächen überweidet. Wird ein Wurf mit Gülle übersprüht, nimmt die Häsin den Nachwuchs nicht mehr an, weil sie ihn über den Geruchssinn nicht mehr aufspüren kann. Und gerade auch der Einsatz so genannter Cambridgewalzen im Frühjahr zur passiven Bodenbearbeitung tötet unzählige Würfe – die Tierchen werden schlichtweg plattgewalzt. Frühe Mähzeiten tun ihr Übriges.


Gerhard Klingler weiß, dass Landwirte heute wie nie zuvor auf hohe Erträge angewiesen sind, um überleben zu können, immerhin ist der 63-jährige selbst studierter Landwirt. Er betont jedoch auch: „Der Landwirt arbeitet mit der Natur und trägt Verantwortung für deren Zukunft.“  Deshalb hat Klingler nun eine große Aufklärungskampagne gestartet, trifft sich mit Landwirten, hält Vorträge. Ziel der Kampagne: ein Netz aus vielen kleinen Grünstreifen , vergleichbar mit den deutschlandweit angestrebten Grünbrücken, um zumindest einen weiteren Rückgang der Feldhasen-Population in Unterfranken zu stoppen. Klingler betont: Einzelne Grünstreifen reichten nicht, ganz im Gegenteil: Raubwild hat leichtes Spiel und die scheinbare Grünoase wird für den Hasen zur ökologischen Falle. Nötig ist deshalb eine Vernetzung.  Weiter fordert der Jäger und Naturschützer partielle Stoppelbrachen nach der Ernte und empfiehlt, Blühflächen für die Feldhasen über den Winter stehen zu lassen.


Die positive Nachricht für Unterfrankens Feld- und Osterhasen: Gerhard Klingler beobachtet unter Landwirten Kooperationsbereitschaft und den Willen, gemeinsam zu handeln.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Gerhard Klingler fordert ein Netz aus kleinen Grünstreifen und eine scharfe Bejagung der Beutegreifer, um einen weiteren Rückgang der Feldhasen-Population  zu stoppen.

Foto: Michaela Schneider


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