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Feldhamster vom Aussterben bedroht
Zum „Tag des Artenschutzes“ fordert Diplom-Biologe Steffen Jodl
konsequente und nachhaltige Maßnahmen für das „Wildtier des Jahres 2016“


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Er ist Wildtier des Jahres 2016 – und ein Unterfranke: der Feldhamster. Doch der niedliche Nager ist vom Aussterben bedroht. Zum „Tag des Artenschutzes“ macht Diplom-Biologe Steffen Jodl darauf aufmerksam. Denn Umweltschützer warnen: Wenn nicht entgegengesteuert wird, könnte der Feldhamster in Bayern schon in 30 Jahren ausgestorben sein. Der Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg des BUND Naturschutz forderte konsequente und nachhaltige Maßnahmen.


In Mainfranken leben die letzten Feldhamster-Bestände Bayerns. An sich fühlen sich Feldhamster hier also eigentlich wohl?

Steffen Jodl: Ursprünglich ist der Feldhamster ein Steppenbewohner mit weiter Verbreitung in Osteuropa und Zentralasien. Bei uns hier in Mainfranken fühlt er sich in offener Ackerlandschaft mit meterhohen Lössböden wohl. Hier kann er im Löss seine Bauten bis tief in den Untergrund bauen und frisst gerne auch Getreidekörner. Im Sommer wird es früh warm, die Winter sind nicht so kalt. Lössböden – und auch die letzten Feldhamster-Bestände Bayerns - findet man in den Landkreisen Kitzingen, Würzburg und Schweinfurt.  


Trotzdem schrumpfen die Bestände. Warum?

Jodl: Die Intensivierung der Landwirtschaft bereitet dem Feldhamster zunehmend Probleme. Die Monokulturen werden immer größer. Es wird immer schneller mit großen Maschinen gearbeitet, zum Teil sind die Äcker schon im Juni abgeerntet. Dadurch, und auch weil Ackerrandstreifen wegfallen, mangelt es an Deckung und Nahrung. Auch der steigende Einsatz von Gülle und Bioziden wirkt sich negativ aus. Schließlich wird der ursprüngliche Lebensraum des Feldhamsters zunehmend verbaut. Eines der jüngeren Beispiele war das IKEA-Gewerbegebiet, das in Würzburg entstanden ist.


Aber wurden vor dem Bau des IKEAS nicht Feldhamster-Bestände umgesiedelt?

Jodl: Das schon, aber diese Maßnahmen greifen nicht nachhaltig. Es ist nur Augenwischerei, ein paar Hamsterfallen aufzustellen und einzelne Tiere auf kleine Ausgleichsflächen umzusiedeln. Das Problem ist: Die Lebensräume des Feldhamsters werden mehr und mehr durchschnitten und die Flächen für einzelne Populationen dadurch immer kleiner. Das führt zu einer genetischen Verarmung. Biologen gehen davon aus, dass es etwa 600 Hektar hamsterfreundlich bewirtschaftete Fläche am Stück braucht, damit eine Feldhamsterpopulation überleben kann. Das gibt es bei uns inzwischen nirgends mehr, es stehen immer nur ein paar Hektar hier, ein paar Hektar da zur Verfügung. Die Landtagsfraktion der Grünen hatte 2015 eine Anfrage an den Bayerischen Landtag gestellt zu den Feldhamsterbeständen in Bayern. Die Antwort fiel alarmierend aus: Wenn sich nichts Gravierendes ändert, wird der Feldhamster in 20 bis 30 Jahren bei uns ausgestorben sein.


Aber man tut doch bereits etwas, Stichwort Artenhilfsprogramm Feldhamster…

Jodl: Das Artenhilfsprogramm gibt es, das ist richtig. Landwirte, die sich beteiligen, verpflichten sich unter anderem, bestimmte Feldfrüchte anzubauen und auf Bekämpfungsmittel gegen Mäuse zu verzichten, die auch dem Feldhamster schaden würden. Doch wird das Programm schlecht angenommen. Lediglich eine Fläche von 27 Hektar wurde  im Jahr 2015 gemäß dem Programm bewirtschaftet. Das ist nicht genug, um einer genetischen Verarmung entgegenzuwirken. Und diese Programme laufen nur über ein bis fünf Jahre – hier ist keine Nachhaltigkeit gewährleistet.  


Das heißt: Ändert sich nichts, wird es bald tatsächlich keine Feldhamster mehr bei uns geben?

Jodl: Ja, leider. Wenn sich an der Bewirtschaftung und unserem Umgang mit Flächen nichts ändert, hat der Feldhamster keine Chance. Das Traurige ist auch: Wir haben hier die für die Landwirtschaft besten Böden, die man sich wünschen kann – und bauen eine Fläche nach der anderen zu.  


Was macht der BUND, um den Feldhamster zu retten?

Jodl: Wir versuchen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, und wir führen natürlich viele Gespräche mit den Behörden. Derzeit prüfen wir, ob wir eine Beschwerde bei der Europäischen Union einreichen könnten mit dem Ziel, mehr Feldhamsterschutz zu erreichen.


Warum ist es denn eigentlich so wichtig, den Feldhamster zu schützen?

Jodl: Nach deutschem und europäischem Recht ist der Feldhamster streng geschützt. Wir sind damit verpflichtet, uns um seinen Erhalt zu kümmern. Aber es geht ja nicht allein um den Feldhamster. Auch das Rebhuhn, die Feldlerche oder der Feldhase profitieren von einem vernünftigen Umgang mit unseren Ackerflächen. Und jedes Tier ist ein Bausteinchen im ökologischen Kreislauf. Der Feldhamster frisst ab und zu eine Feldmaus – und er selbst ist zum Beispiel ein Beutetier für Greifvögel oder den Fuchs. Wir tendieren gerne dazu, uns zu fragen: Was nützt uns etwas? Doch das ist der falsche Weg. Jede Tier- und Pflanzenart hat ihren Eigenwert und damit ein Recht zu existieren. Das steht übrigens sogar in der Enzyklika unseres Papstes.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: „Tag des Artenschutzes“

Der Tag des Artenschutzes wurde 1973 im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES ins Leben gerufen und wird seitdem jährlich am 3. März begangen. Das Übereinkommen regelt und verbietet den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten. Doch reicht Artenschutz weiter: Er umfasst den Schutz und die Pflege von wild lebenden Tier- und Pflanzenarten, die aufgrund ihrer Gefährdung als schützenswert gelten. Allein 12 Prozent der Vogelarten, 20 Prozent der Säugetierarten und 29 Prozent der Amphibienarten gelten als bedroht. Manche Forscher gehen davon aus, dass jährlich bis zu 58000 Tierarten vom Planeten verschwinden.

Diplombiologe Steffen Jodl.


Foto: Michaela Schneider