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Gefecht mit Schwertern oder auch Heugabeln
Geschichte
„Historisches Fechten“ in Theorie und Praxis  im Mainfränkischem Museum in Würzburg


Von Michaela Schneider

Würzburg Die beiden Männer stehen sich gegenüber, konzentrierte Spannung scheint greifbar. Dann ein überlegter Schritt nach vorn, das Schild in Schutzhaltung. Jetzt prallen die langen Schwerter aufeinander. Das kleine Schauduell in historischen Kostümen im Hof der Festung Marienberg in Würzburg lässt ahnen, weshalb das Gefecht mit Schwertern schon früh nicht nur als Verteidigung und Kampf, sondern auch als Kunstform begriffen wurde. „Historisches Fechten“ ist ein Workshop am kommenden Freitag im Mainfränkischen Museum in der neuen Aktionsreihe „Museum im Trend“ betitelt.


Die Teilnehmer werden dabei nicht nur allerlei Wissenswertes über Europäische Kampfkunst in Mittelalter und früher Neuzeit erfahren, sondern dürfen selbst einmal testen, wie sich ein Schwertduell anfühlt und die ein oder andere didaktische Hilfe mittelalterlicher Fechtmeister kennenlernen. Ergänzt wird der praktische Part durch eine Museumsführung – eine Zeitreise von den Speerspitzen der Bronzezeit über mittelalterliche Einhänder und schwere Rüstungen bis hin zu Degen und Säbeln der Renaissance.


Den Praxispart leiten werden der 34-jährige Erlebnispädagoge Thomas Hönle aus Hettstadt sowie der 32-jährige Christian Büdel. Der Geograf arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Würzburger Universität und lebt in Sömmersdorf, ursprünglich stammt er aus Frammersbach im Spessart. Die Männer lernten sich bei einem Fechtseminar kennen, seitdem bieten sie  gemeinsam Kurse an. Regelmäßig treffen Sie sich zudem in Würzburg mit Gleichgesinnten.


Dass es den Beiden um weit mehr als ein bisschen praktische Kampfkunst im Kostüm geht, ist schnell klar, denn: Jedem Gefecht geht umfangreiche Quellenarbeit voraus. Bruchhafte Anleitungen mittelalterlicher Fechtmeister werden übersetzt und interpretiert, Bilder betrachtet. „Will man aber wissen, wie’s wirklich ging, muss man‘s ausprobieren“, sagt Christian Büdel. Gleich stellt er zudem klar: Historisches Fechten bedeutet – anders als das heutige Sportfechten mit Florett, Degen oder Säbel – Gefecht im Allgemeinen. Mit klassischen Waffen wie Schwertern oder Messern, allein mit Körperkraft im Ringkampf oder auch einmal mit den Mitteln des einfachen Mannes wie zum Beispiel einer Heugabel. Obwohl übrigens das Schwert nicht allein dem Adel vorbehalten war. Seit Barbarossa im Jahr 1174 weiß man: Auch Händler durften zur Verteidigung ein Schwert führen.


Ältestes bekanntes Sportfechtbuch des Spätmittelalters ist laut Christian Büdel das „Manuskript 1.33“. Spannend mit Blick auf Unterfranken: Aufgrund sprachlicher Besonderheiten wird ein Priester aus dem Raum Würzburg vermutet. Im Volksmund wird das Werk gern auch „Walpurgisfechtbuch genannt“, denn auf den Zeichnungen ist nicht nur ein kämpfender Mönch mit Tonsur zu sehen, sondern auch eine fechtende Frau. Weniger ungewöhnlich übrigens, als man meinen mag: Selbstverteidigung konnte fürs weibliche Geschlecht überlebenswichtig sein.


Auch eine der zentralen Figuren in der Geschichte des europäischen Schwertkampfes, Johann Liechtenauer, stammt aus Franken. Man nimmt an, dass er Anfang oder Mitte des 14. Jahrhunderts in Lichtenau geboren wurde, seine Merkverse „GNM 3227a“ liegen in der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Er gilt heute als „Gründervater der „Deutschen Fechtschule“. Und noch ein Blick auf eine Quelle aus Mittelfranken: Der Nürnberger Johannes Lecküchner verfasste ein Werk über die „Kunst des Messerfechtens“, datiert auf die Jahre 1478 und 1480.


Wie aber setzen historische Fechter wie Thomas Hönle und Christian Büdel alte Quellen in die Praxis um? Grundlagen des Gefechts seien in historischen Quellen nicht beschrieben, in Sachen Bewegungsmuster und Körpermechanik greifen die Beiden daher auf moderne Texte oder Profitipps zurück. Auf dieser Basis deuten sie dann im praktischen Gefecht das historische Material und probieren ganz einfach aus, ob die beschriebenen und abgebildeten Techniken mit möglichst originalgetreuen Waffen funktionieren. Sie hätten gerungen, aber zum Beispiel auch schon mit Speer, Schwert, Schild, Messer, Dolche, Stangenwaffen oder Axt gekämpft, erzählen die Beiden. Resultat: Viel Spaß, spannende Erkenntnisse und ein paar blaue Flecken – aber verletzt hätten Sie sich bei ihren praktischen historischen Recherchen noch nie.  


 Fotos: Michaela Schneider




Der Artikel ist unter anderem in der Tauberzeitung erschienen.

Infokasten: „Museum im Trend“ im Mainfränkischen Museum

„Museum im Trend“ ist eine neue, frische Art der Geschichtsvermittlung im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg betitelt. Dabei werden in zwei- bis dreistündigen Workshops Theorie und Praxis miteinander verknüpft. Die beiden Themen im Sommer 2013: „Historisches Fechten“ und das „Schlangenritual“. Als Grundlage des Schlangenritual-Workshops dient ein Reisebericht von Aby Warburg über Naturvölker und ihr Verhältnis zur Schlange. Denn anders als in der westlichen Kultur, wird die Schlange andernorts nicht als böses, verführerisches, sondern als gutes Wesen betrachtet und verehrt. Im Praxisteil angedacht sind voraussichtlich eine Begegnung mit echten Schlangen und Tempeltanz. Die Termine, jeweils freitags, ab 18 Uhr:


- 28. Juni: „Historisches Fechten“

- 19. Juli: „Das Schlangenritual“

- 23. August: „Historisches Fechten“

- 20. September: „Das Schlangenritual“


Zudem treffen sich Thomas Hönle und Christian Büdel regelmäßig mit Interessierten zum historischen Fechten auf Grundlage alter Quellen. Details im Internet unter http://hammarskjoeld-fechter.jimdo.com/