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Vom Sammlerglück eines Kunsthändlers
Mainfränkisches Museum in Würzburg zeigt in einer
Sonderausstellung bis in den Oktober Fayencen aus der Sammlung Wolf-D. Amelung


Von Michaela Schneider

Würzburg Nein, so richtig schön sieht er nicht aus. Mit aufgerissenen Augen und kantigem Mund blickt der Fassreiter aus der Fayencemanufaktur Hannoversch Münden den Betrachter an.  Mit einem Weinbecher in der Hand sitzt er auf einem rebenumrankten Fass, getragen von vier Delfinen. Allemal aber ist er in der Sonderausstellung „Sammlerglück. Fayencen der Sammlung Wolf-D. Amelung“ im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg ein Hingucker. Und: Er passt schlichtweg zu seinem einstigen Besitzer, dem im Jahr 2012 verstorbenen, unterfränkischen Kunsthändler Wolf-D. Amlung,  der Wein liebte und stets Ausschau nach Außergewöhnlichem hielt. Tatsächlich dreht sich die Sonderausstellung „Sammlerglück“ nicht nur um die deutschlandweit einzigartige Fayencesammlung des Mainfränkischen Museums, sondern auch um Amelung selbst als bedeutenden Mäzen.


Bereits seit Jahren hatte der leidenschaftliche Sammler und international anerkannte Fayencekenner dem Mainfränkischen Museum verschiedene Objekte als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt. Kurz vor seinem Tod entschloss er sich, diese und weitere Stücke den „Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte“ zu schenken. Daran knüpfte er unter anderem deren ständige Ausstellung im Mainfränkischen Museum als Bedingung. Wie Ausstellungskuratorin Dr. Frauke van der Wall betont, werden deshalb in Anschluss an die Sonderausstellung sämtliche Objekte – insgesamt sind dies 33 plus vier Dauerleihgaben – ins Museum integriert werden. Wer aber war dieser Kunsthändler aus Fahr bei Volkach? Freunde und Familie beschreiben ihn laut van der Wall als einen Genießer, der gute Speisen und Wein liebte, es jedoch ebenso genoss, seine Sammlungsstücke ausgiebig zu betrachten; und sie erlebten ihn als einen Mann, der sowohl als Kunsthändler wie auch als Privatsammler stets Ausschau hielt nach Außergewöhnlichem.


Dass Amelung seine wertvolle Fayencen gerade dem Mainfränkischen Museum überließ, kommt dabei nicht von ungefähr, denn: Von jeher kommt dessen Fayencen eine zentrale Bedeutung zu – schlichtweg auch, weil der erste Museumsdirektor August Stoehr ausgewiesener Fayenceexperte war. Bis heute  ist sein Buch „Deutsche Fayencen und deutsches Steingut“ aus dem Jahr 1920 Standardwerk im deutschen Raum. Stoehr legte die Grundlage für ein museales Sammlungskonzept mit regionaler Ausrichtung und für eine einzigartige Fayencesammlung. Über Jahrzehnt bis heute wurde diese immer wieder durch großzügige Spenden angereichert mit Amelungs Erbe als jüngstem Beispiel für außergewöhnliches Mäzenatentum.


Während Fayencen in Kennerkreisen reiche Wertschätzung erfahren, tun sich Museen allerdings schwer, deren Wert dem breiten Publikum zu vermitteln. Auch hier setzt nun die Sonderausstellung im Mainfränkischen Museum an: Geschult werden soll laut Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte der Blick der Besucher für die Einzigartigkeit der Originale. Dafür ist vor allem auch ein Blick auf den aufwändigen Herstellungsprozess nötig: Grundmaterial ist laut Frauke van der Wall Ton, die Grundformen entstanden auf Töpferscheiben oder mithilfe von Gipsformen. Nach Trocknung und dem ersten Brand – dem Schrühbrand – wurden die Stücke mit einer Glasur versehen, für die spätere undurchsichtige, weiße Farbe zeichnete dabei Zinnasche aus geschmolzenem Zinn und Blei verantwortlich.  Je nach – von den Manufakturen einst streng gehütetem – Rezept, erhielt die Glasur nach dem Brand unterschiedliche Farbnuancen.  Bemalt wurden Fayencen allesamt per Hand, entweder noch vor dem Brand (Inglasur) oder aber – dies war häufiger der Fall – danach (Aufglasur). Dabei entstanden - neben schlichten Mustern – komplette, künstlerisch hochwertvolle Gemälde auf Krügen, Aufsätzen, Platten, Schüsseln oder Terrinen. Neben fest angestellten Malern in den Manufakturen waren etliche freiberufliche Hausmaler auf Fayencemalerei spezialisiert. In Deutschland produziert wurden Fayencen belegbar ab dem Jahr 1631, im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts erlebte die Handwerkskunst ihre Hochblüte, rund 80 Fayencemanufakturen wurden in dieser Zeit gegründet.


Auf die wohl wertvollsten Objekte aus der Sammlung Amelung trifft der Besucher im Mainfränkischen Museum gleich am Anfang der Sonderausstellung: In einer der Vitrinen sind hier sage und schreibe 14 Teile aus der berühmten Serie der Ansbacher „Grünen Familie“ zu sehen mit einer großen Deckelterrine mit Karpfenteich-Dekor als edelstem Stück.  Tatsächlich zählen die Ansbacher Fayencen zu den Höhepunkten der deutschen Fayencekunst, ihr Name geht zurück auf einen leuchtenden Kupfergrünton. Auf Krügen aus verschiedenen Manufakturen können Ausstellungsbesucher erleben, mit welcher Präzision mancher Fayencemaler ans Werk gingen – etwa auf dem Birnkrug mit der hochfein gestrichelten Szene „Orpheus spielt für die Tiere“. Und weitere, neben dem Fassreiter außergewöhnliche Objekte warten in Vitrinen: Tintenzeug mit extrem zartem, chinesischen Dekor in sehr seltener Form, zwei gut 90 Zentimeter große Bildtafeln mit Motiven des Malers Johann Andreas Bechdolff oder auch zierliche Pantoffeln, die seinerzeit als Wanddekor zur Verlobung oder Hochzeit verschenkt wurden.

Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.

Fayencen aus der Sammlung Wolf-D. Amelung sind bis in den Oktober in einer Sonderausstellung zu sehen.


Fotos: Michaela Schneider

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Infokasten: Über die Ausstellung „Sammlerglück“


Die Ausstellung „Sammlerglück – Fayencen der Sammlung Wolf-D. Amelung“ ist im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg bis zum 26. Oktober zu sehen.  Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.  Die nächste Sonderführung mit Dr. Frauke van der Wall durch die Ausstellung findet am Sonntag, 29. Juni, um 11 Uhr statt.   www.mainfraenkisches-museum.de