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Wenn die Elektrogitarre zum Gretchen wird
Mit „Faust Short Cuts“ ist in den Kammerspielen am Würzburger Mainfranken Theater
erneut ein „junger Klassiker“ zu sehen – Freche, jugendgerechte Ein-Mann-Show und Liebeserklärung an Goethe


Von Michaela Schneider

Würzburg Armes Gretchen. Die Mutter ist tot; die Liebe ihres Lebens schiebt ihr einen Braten in die Röhre; und der Bruder sagt ihr im Sterben, was für eine Sau sie ist. Ja, man kann Schüler Reclam-Heftchen wälzen lassen. Aber man kann ihnen Goethes Faust auch mit sehr  einfachen, überaus unterhaltsamen Worten erzählen. Bereits in der vorigen Spielsaison hatte sich Theaterpädagogin und Intendantin Nele Neitzke am Würzburger Mainfranken Theater an einen Klassiker der Weltliteratur gewagt und den Ring der Nibelungen frech, spaßig und jugendgerecht auf 75 Minuten gestrafft. Jetzt bringt sie in den Kammerspielen „Faust Short Cuts“ auf die Bühne. Ein großes Ensemble braucht sie nicht, denn Kai Christian Moritz schlüpft in einer fulminanten Ein-Mann-Show gleichzeitig in sämtliche Rollen.  


Wie Kai Christian Moritz kann auch Kurt sie alle: Den Faust und den Mephisto, den kläffenden Pudel und den maunzenden Meerkater, das  reizende Gretchen und die fiese Hexe, das Lieschen und den Kinderchor, Valentin und  Jonas Mayer. Denn immerhin war Kurt nicht irgendein Statist am Schlosstheater Celle, sondern der erste. Und: Kurt bringt es zur Weißglut, dass der Intendant des Mainfranken Theaters das Meisterwerk der Klassik einfach ignoriert. Kurzerhand besetzt der Goethe-Freak mit Zelt, Wäscheleine und „Goethe jetzt!!!“-Banner die Kammerspiel-Bühne und beschließt: „Ich bleib hier solang sitzen, bis der Schneider Goethe auf den Spielplan setzt.“


Doch Kai Christian Moritz wäre nicht Kai Christian Moritz, wenn er als Kurt einfach sitzen bliebe. Das Würzburger Publikum liebt den Schauspieler für seine exzentrischen und skurrilen Rollen. In „Faust Short Cuts“ nutzt er die Möglichkeit sämtliche Register zu ziehen, denn Kurt spielt auf der Bühne allein seine persönlichen Höhepunkte der Faustschen Celle-Inszenierung. Gleichzeitig plaudert er so manche Anekdote aus dem Theateralltag aus.


Das Ensemble fehlt, aber egal – mit ein bisschen Improvisation wird die Elektrogitarre zum Gretchen, schließlich braucht`s für eine heiße Liebesszene zwei. Als Pudel bellt und winselt Moritz, rezitiert Sekunden später den Faust, um dann wieder wild zu kläffen. Beim Besuch in der Hexenküche geht`s noch schwindelerregender zu, denn jetzt macht der Schauspieler abwechselnd die Hexe, den Mephisto, den Faust, den Kinderchor und das Kinderballett. Und nicht zu vergessen, den kleinen Meerkater, den seinerzeit Kurt als Statist spielen durfte.   


Was zwischen diesen Szenen passiert, lässt Intendantin Nele Neitzke Kurt herrlich flapsig und jugendgerecht erzählen. Die Walpurgisnacht? Nun, die ist zum Beispiel ein bisschen wie Wacken. Und auch nach einer Dose Bier auf ex lallt Kurt noch: „Egal wie dicht ich bin, Goethe war ein Dichter!“ Wie bei den „Nibelungen Short Cuts“ arbeitet Neitzke auch diesmal mit Bühnenbildnerin Elvira Ulmer und Kostümbildnerin Veronica Silva-Klug zusammen.


Alles nur Gaudi auf der Kammerspiel-Bühne? Nein, denn Zitatejunkies kommen in der 75-minütigen Inszenierung voll auf Ihre Kosten, das Publikum hört jede Menge Original-Goethe. Und: Die Inszenierung verballhornt den Faust nicht, sondern wird dank des leidenschaftlichen, enthusiastischen Goethefans Kurt zu einer sehr zeitgemäßen Liebeserklärung an ein Stück Weltliteratur. Eine Liebeserklärung, die auch auch jungem Publikum Lust auf Klassik machen dürfte.  


Dauer: 75 Minuten (ohne Pause); nächste Vorstellungen jeweils 11.00 Uhr:  16.10./ 04.11./ 11.11./ 14.11./ 21.11./ 13.01./ 02.02./ 26.03; jeweils 20 Uhr:  15.10./ 22.10./ 29.10./ 02.11./ 13.11./ 20.11./ 26.11./ 29.11./ 09.12./ 11.12./ 18.12./ 21.12./ 28.12./ 09.01./ 22.01./ 28.02./ 05.03./ 13.03./ 04.04./ 12.04.

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

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