Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
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Die letzte SMS

 

Mia drückte auf Senden. 269 kleine, digitale Briefchen segelten im Eiltempo durch den virtuellen Raum.  Anschließend drückte Mia die „Aus-Taste“, einen Moment leuchtete das Display auf, als wolle es sich verabschieden, dann war es schwarz. Mia war nun doch ein bisschen mulmig zumute, als sie ihren ständigen Begleiter für die nächsten 40 Tage im Safe einsperrte. Aber sie hatte sich selbst ein Versprechen gegeben.

 

Auslöser war Heike Paul gewesen. Als Kinder hatten Mia und Heike sich fast jeden Tag getroffen, kleine und große Sorgen geteilt und waren dickste Freundinnen gewesen. Nach dem Schulabschluss waren sie eigene Wege gegangen und hatten sich doch nie aus den Augen verloren. Das zumindest hatte Mia geglaubt – und plauderte bis heute gern „von ihrer besten Freundin Heike“. Regelmäßige SMSe waren von Handy zu Handy, von Stadt zu Stadt geschwirrt.

 

Dann, letzte Woche, wollte Mias Mutter beim Kaffeetrinken plötzlich wissen, wie es Heike geht. Gut, warum?“, hatte die junge Frau geantwortet – und in verblüffte blaue Augen geblickt. „Mia, wann hast Du das letzte Mal mit Heike geredet?“ – „Ich hab ihr vorgestern eine SMS geschickt.“ – „Nein Schatz, geredet.“ Mia musste sich still eingestehen, dass dies Monate her war. Es ging so schnell und unkompliziert, auf ein paar Tasten zu drücken, um das Gewissen zu beruhigen. Freundespflege leichtgemacht.

 

Wie die junge Frau dann erfuhr, hatte ihre Mutter Herrn Paul getroffen, er hatte erzählt: Seine Tochter Heike habe sich vor einem Vierteljahr von ihrem Partner Klaus getrennt, vor zwei Monaten war ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert worden. Seit zwei Wochen war sie in psychologischer Behandlung, weil sie mit dem Gefühl, versagt zu haben, alleine nicht mehr fertig wurde. Mia hatte den Kopf ungläubig geschüttelt, ihr Handy gezogen und die SMSe der letzten Wochen durchgeklickt. Es gehe ihr gut, das Wetter sei nicht so toll und ob sie den „Tatort“ auch gesehen habe, las Mia, während ihr plötzlich Tränen über die Wangen liefen. „Mia, Schatz, Du solltest Heike einmal besuchen, Freundschaft braucht echte Pflege“, hatte ihre Mutter gesagt und sie in den Arm genommen.

 

In dem Moment hatte Mia den Entschluss gefasst, das Handy in den Safe  zu legen, die Fastenzeit war ein guter Anlass. Anschließend hatte sie sich ins Auto gesetzt und war direkt zu Heike gefahren. Stundenlang hatten die jungen Frauen miteinander geredet. Sie habe Mia nicht stören wollen, weil sie doch beruflich so viel zu tun habe, hatte Heike gesagt. Bitte verzeih mir, hatte Mia in echter Ehrlichkeit geantwortet.

 

Als 269 kleine digitale Briefchen ihre Adressaten erreichten, wunderten sich die einen oder schmunzelten, die anderen schauten verständnislos. Und zwei von Heikes Bekannten verstauten ihr Handy ebenfalls während der nächsten 40 Tage im Safe, nachdem sie Heikes SMS im eigenen Freundeskreis weitergeleitet hatten. „Ich bin in der Fastenzeit digital weg. Wer wissen will, wie‘s mir geht, darf mich nach 17 Uhr und an den Wochenenden jederzeit auf Festnetz anrufen oder unangemeldet besuchen.  Nichtssagenden Smalltalk überspringen wir. Ich will wissen, wie es Euch geht. Freue mich auf viele, ehrliche, lange Gespräche.“

Der Artikel ist unter anderem im KulturGut erschienen.

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen.