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„Beim Fasten sollst Du nicht übertreiben“

Heilkunde Der Leiter der Forschergruppe Klostermedizin erzählt, wie in den
Klöstern des Mittelalters gefastet wurde - Auf dieser Grundlage will er eine neue Kur entwickeln

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Wer heute heilfastet, nimmt in der Regel mehrere Tage lang keine feste Nahrung zu sich, um den Körper zu entgiften und zu regenerieren. Doch wer glaubt, Grundlage seien jahrhundertealte Klostertraditionen, liegt falsch. Tatsächlich ging das heutige Fasten aus der Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts hervor. Wie aber fasteten die Mönche des Mittelalters tatsächlich? Eine der wichtigsten Regeln, wie sie etwa auch die Klosterfrau Hildegard von Bingen hervorhob, lautete: „Beim Fasten sollst Du nicht übertreiben.“ Heißt in der Praxis: Tatsächlich nahmen Mönche auch in der Fastenzeit feste Nahrung zu sich – aber nach strengen Regeln. Wie dies in der Praxis aussah, will in den kommenden Wochen Dr. Johannes Gottfried Mayer,  Leiter der Forschergruppe Klostermedizin, im Selbstversuch testen.

 

Dabei ist die Tradition des Fastens wohl beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Schon in der Steinzeit, so nimmt man heute an, wurde vor großen Jagden gefastet. Andere Kulturen, zum Beispiel am Amazonas, nutzten den Energieschub laut Mayer vor Kriegszügen aus. Auch kannte man Rituale, die vor Festtagen einen Verzicht auf Sexualität  vorsahen, etwa im Alten Ägypten. Dabei spielte der gesundheitliche Aspekt beim Fasten schon früh eine Rolle. Der griechische Mediziner Hippokrates von Kos (gestorben um 370 vor Christus) soll gesagt haben: „Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübungen… und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.“  Doch entwickelten sich gerade auch im antiken Griechenland zudem extreme Formen der Enthaltsamkeit, die Pythagoreer etwa traten für eine Beherrschung der Begierden als Dauerzustand ein.

 

Im Urchristentum kristallisierten sich dann zwei recht gegensätzliche Linien heraus: Die eine Seite orientierte sich am strengen Lebensstil der altbiblischen Wüstenväter, die teilweise sehr extreme Fastenmethoden lebten. „Das reicht soweit, dass nur jeden zweiten Tag gegessen und sogar getrunken werden durfte“, sagt Mayer. Die andere Seite verstand das Christentum als Befreiungsreligion und distanzierte sich bewusst von den starren Regeln der jüdischen Tradition.

 

Diesen Weg sollte auch die Bischofskirche einschlagen – sie betrachtete das ganze Mittelalter lang radikales Fasten laut Mayer mit Skepsis. Benedikt von Nursia (um 480 bis 547 n.Chr.), Begründer des benediktinischen Mönchtums, machte dann in seiner Regel – der Regula Benedicti – nicht nur klare Angaben zur Fastenzeit, sondern auch zum allgemeinen Maß der Speisen und Getränke.

 

Dabei wurde einst nicht nur in der Zeit vor Ostern, sondern auch vor Weihnachten bis zum Abend des 24. Dezembers gefastet – und das ganze Jahr über legte man pro Woche zwei bis drei Fastentage ein. An diesen Tagen aßen die Mönche nur eine Mahlzeit am Tag – und zwar immer vor Sonnenuntergang. Wer extremer fasten wollte, musste dies mit seinem Abt absprechen, denn er war für die Gesundheit im Konvent verantwortlich. Dabei hieß Fasten nicht allein, weniger zu essen. Auch sollten die Klosterbrüder die Alltagsgeschäfte herunterfahren und laut der Regel des Heiligen Benedikt in der Fastenzeit mindestens ein Buch lesen. „Die spirituelle Seite war ganz wichtig. So ging auch die normale Bevölkerung an jedem Fastentag in die Kirche“, sagt Mayer.

 

 

Fleischverzicht war dabei übrigens kein Spezifikum der Fastenzeit. Die Benediktinerregel erlaubt zwar den Verzehr von Fisch und Geflügel, anderes Fleisch indes empfiehlt sie allein im Krankheitsfall zur Stärkung.  

 

Heilfasten, wie es heute häufig praktiziert wird, geht indes auf die Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts zurück. Jetzt spielten allein die gesundheitlichen Aspekte eine Rolle. Erst seit wenigen Jahrzehnten besinnt man sich zurück auf einen ganzheitlicheren Ansatz – auf die Reinigung von Körper und Geist. Trotzdem hat das moderne Fasten – sprich der komplette Verzicht auf feste Nahrung für einen bestimmten Zeitraum – laut Mayer wenig gemein mit dem klösterlichen Fasten im Mittelalter.

 

„Wir überlegen in der Forschergruppe Klostermedizin, eine Kur wie früher in den Klöstern zu entwickeln“, sagt Mayer. Diese würde dann einmal am Tag eine sehr leichte Mahlzeit vorsehen – ergänzt durch verschiedene Tees und Mineralwasser. Das hat für Mayer auch konkrete gesundheitliche Gründe, denn: Heilfasten an sich eignet sich nicht zum Abnehmen, sondern dient der Entgiftung und Reinigung des Körpers. Die neuen Fastenkurse aber könnten gleichzeitig als eine Art Anleitung dienen, um die Ernährung nachhaltig umzustellen. Testen will der Medizinhistoriker das neue, und doch sehr alte Konzept aber nun zunächst einmal im Selbstversuch.

 

Der Artikel ist in der Tauberzeitung erschienen.

Dr. Johannes G. Mayer will fasten, wie es einst in den Klöstern des Mittelalters üblich war.

 

Foto: Michaela Schneider

Infokasten: Über die Forschergruppe Klostermedizin

 

Die Forschergruppe Klostermedizin wurde als ein gemeinsames Projekt des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg und des Arzneimittelherstellers Abtei gegründet. Ihr Ziel ist es, die Bedeutung der Heilpflanzen im Kontext verschiedener Epochen zu analysieren. Neben der kulturhistorischen Bedeutung soll die Arbeit auch der Grundlagenforschung nach medizinisch wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen dienen. Zudem bietet die Forschergruppe Vorträge und Seminare für die Öffentlichkeit an. Die nächsten Termine:

 

- 27. Februar, 19 Uhr : Vortrag über Hildegard von Bingen im Matthias-Ehrenfried-Haus in Würzburg

- 19. Juni, 18 Uhr: Workshop Klostermedizin im Kloster Bronnbach

- 28. bis 30. Juni und 1. bis 3. Juli: Erlebnis Klostermedizin im Kloster Oberzell

 

Details im Internet unter www.klostermedizin.de

 

„Doch muss vor allem Unmäßigkeit vermieden werden; und nie darf sich bei einem Mönch Übersättigung einschleichen“

 

(Aus der Regel des Heiligen Benedikt von Nursia)