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Vom Abenteuer Weltcup und echtem Familienunternehmertum

 

Von Michaela Schneider

Ofterschwang Anfang der 1970er Jahre fand sich eine Hand voll Hoteliers, Touristiker und Bergbahnchefs zusammen, die erkannt hatte: Die Zeiten der Einzelkämpfer sind vorbei. Will das Allgäu langfristig auf dem Tourismusmarkt bestehen, geht dies nur gemeinsam. Und so gründeten jene Männer den „Arbeitskreis Oberallgäuer Fremdenverkehr“. Kurze Zeit später benannten sie ihn um in „Arbeitskreis Oberallgäu Tourismus“. Rutschte einem Mitglied versehentlich der Begriff „Fremdenverkehr“ heraus, waren zwei Mark in die Arbeitskreiskasse zu zahlen. Denn Urlauber wurden nicht länger als Fremde, sondern als Gäste gesehen. Einer, der in der Gründungsrunde dabei saß, ist der Unternehmer Karlheinz Fäßler. Viele Jahre lang war er Chef des Hotels Sonnenalp. Doch sein Engagement reichte weit über die Hotelgrenzen hinaus: Ohne Fäßler gäbe es heute wohl weder das Skigebiet Ofterschwang in seiner heutigen Form, noch das örtliche Golf-Ressort. Auch wäre ohne den heute 79-jährigen Unternehmer Ofterschwang weit weniger bekannt in Deutschland und der Welt: Fäßler gelang es einst, den ersten alpinen Weltcup in das Oberallgäuer Bergdorf zu holen.  

 

Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als leicht, als Karlheinz Fäßler 1968 in dritter Generation zusammen mit seiner Frau Gretl die Leitung des Hotels Sonnenalp übernahm: Ein Jahr zuvor war das gesamte Haupthaus einem Großbrand zum Opfer gefallen. Trotzdem hatte der junge Hotelchef Visionen, für die er sich von Beginn an einsetzte. Als große Herausforderung betrachtete er dabei die Lage der Hörnerdörfer im westlichen Illertal – landschaftlich traumhaft, doch in Sachen Infrastruktur mangelhaft. „Für mich hieß das: Die Sonnenalp musste zunächst selbst für eine bessere Infrastruktur sorgen.“ Die Chance sah Fäßler dabei direkt vor der Haustür. Denn während aus dem Gunzesrieder Tal bereits ein Skilift zum Allgäuer Berghof führte, fehlte von Ofterschwang aus die winterliche Anbindung aufs Ofterschwanger Horn. Fäßlers Liebe zum Skifahren kam dabei nicht von ungefähr: Als aktiver FIS-Skirennläufer hatte er zuvor selbst etliche Skigebiete kennenlernen dürfen. Der Hotelier nahm nicht nur selbst Geld in die Hand und motivierte weitere Partner, auch setzte er sich 18 Jahre lang als Gemeinde- und Kreisrat immer wieder politisch für den Ausbau der Tourismusregion Allgäu ein. Und tatsächlich sollte 1968 der erste Schlepplift aufs Ofterschwanger Horn fahren. Heute umfasst der Skigebietsverbund der Allgäuer Hörnerbahnen in Ofterschwang und Bolsterlang 13 Liftanlagen und 35 Pistenkilometer – und ist noch dazu nahezu schneesicher, denn auch für den Aufbau einer Beschneiung machten sich Fäßler und seine Mitstreiter später stark: 1995/96 entstand die erste Anlage, inzwischen sind 25 Pistenkilometer beschneit.

 

Trotzdem war es nicht das Skigebiet allein, das dem kleinen Bergdorf Ofterschwang zu weltweiter Bekanntheit verhelfen sollte. 1997 machte erstmals der Internationale Skiverband Station in Ofterschwang. Fäßler lernte bei dem Europacup-Rennen der Damen den aktiven Vorsitzenden des Skiclubs Ofterschwang, Hans-Peter Schratt, näher kennen, die beiden kamen mit der jetzigen FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis ins Gespräch. „Sie sagte, Ofterschwang wäre wunderbar für einen Weltcup geeignet und so stürzten wir uns plötzlich ins Abenteuer der Bewerbung und ins Abenteuer Weltcup“, erinnert sich Fäßler. Gegen Wintersportort-Größen wie St. Moritz ging das kleine Bergdorf Ofterschwang dabei ins Rennen – und bekam den Zuschlag. Auf die Frage nach dem Warum zögert Fäßler einen Moment, sagt dann: „Ausschlaggebend waren wohl vor allem das Engagement und die Leidenschaft aller Beteiligten.“ Der Herren-Weltcup 1999 wurde ein voller Erfolg, innerhalb weniger Jahre konnte sich das kleine Hörnerdorf einen festen Platz im Reigen der Weltcuporte sichern. Die ersten Jahre fungierte Karlheinz Fäßler selbst als Präsident des Organisationskomitees, 2008 gab er den Posten ab an seinen Sohn Michael. Zum siebten Mal kehrt der Weltcupzirkus nun vom 9. bis 10. März mit den weltbesten Damen des alpinen Skisport nach Ofterschwang zurück. „Der Charme der Ofterschwanger Weltcups liegt dabei vor allem darin, dass der Ort so klein und die Atmosphäre so heimelig ist“, ist Fäßler überzeugt – auch wenn die Herausforderung für die gut 450  ehrenamtlichen Helfer dadurch umso größer ist.

 

Doch nicht nur in Sachen Winter setzte Karlheinz Fäßler im Oberallgäu seine Akzente. Bereits in den 60er Jahren, als er und seine Frau Gretl die Hotelgeschicke noch zusammen mit seinen Eltern Resi und Ludwig lenkte, wuchs in dem jungen Unternehmer der Traum heran, ein zusätzliches Sommerangebot in der Region zu schaffen. Auf verschiedenen Amerikareisen lernte er Hotelressorts kennen, die umfassende Freizeitangebote unter einem Hoteldach vereinen. Die Idee wuchs heran, auch die Sonnenalp zum 5-Sterne-Ressort auszubauen. Karlheinz Fäßler investierte in ein Sonnenalp-Sportzentrum mit vier Tennisplätzen und 2200-Quadratmeter-Mehrweckhalle. Und Jahrzehnte, ehe in Deutschland Golfressorts in Mode kamen, ergänzte der Hotelier die Sonnenalp um einen hauseigenen 18-Loch-Golfplatz. „Die Genehmigung war damals schwierig“, erinnert er sich – doch darüber redet heute niemand mehr. Von der Anlage profitiert längst nicht mehr nur die Sonnenalp, denn plötzlich war die Region attraktiver für eine neue, exklusive Gästeschicht, die bereit ist, im Urlaub viel Geld auszugeben.   

 

1994 übergab Karlheinz Fäßler die Hotelleitung an seinen ältesten Sohn Michael. Doch auch für den jüngeren Bruder Johannes hatte das Hoteliersehepaar frühzeitig vorgesorgt. „Wir wollten ein zweites Standbein schaffen für den Buben“, sagt der Unternehmer, kaufte deshalb ein Motel in Vail in den Rocky Mountains von Colorado und die Familie baute dieses aus zum 5-Sterne-Hotel der Luxusklasse. Heute hat die „Kleine Sonnenalp“ einen guten Ruf über ganz Amerika und wurde mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Karlheinz Fäßler hat sich aus beiden Hotelleitungen komplett zurückgezogen, jetzt setzen seine Söhne mit ihren Familien ihre eigenen Akzente – so wie es der Seniorchef selbst und die ersten beiden Generationen taten. 1919 hatten Eleonore und Adolf Fäßler auf ihrem Bauernhof eine Ausflugsgaststätte eröffnet, die ersten Sommerfrischler entdeckten damals die Sonnenalp. Schon 1923 bereitete das Hotelierspaar Moorbäder für die Gäste und baute das Anwesen kontinuierlich aus. 1932 übernahmen Resi und Ludwig Fäßler die Sonnenalp, 1939 verfügte das Haus bereits über 60 Zimmer. Ludwig Fäßler ließ sich später in Bad Wörishofen zum Kneipp-Bademeister ausbilden und legte damit den Grundstein zum Gesundheitstourismus in der Sonnenalp. 1956 besaß die Sonnenalp das erste Hotelschwimmbad überhaut in Deutschland – inklusive Sauna und Gesundheitsanwendungen. 1968 traten schließlich Gretl und Karlheinz Fäßler die Hotelleitung an. „Jede Generation hat in ihrer Zeit die Zeichen der Zeit erkannt“, betont der Unternehmer. Die Chance der Sonnenalp sieht er gerade darin, dass sie keiner Kette angehört, sondern seit fast 100 Jahren in Familienhand ist. „Der Gast fühlt sich dadurch ehrlich betreut“, sagt der 79-Jährige. Und: Das Haus sei jederzeit flexibel, Entscheidungswege seien kurz. Allerdings sind, um ein Hotel erfolgreich zu führen, laut dem Unternehmer besonders engagierte, zufriedene Mitarbeiter nötig. Dafür eine wesentliche Voraussetzung: ein gutes Arbeitsklima. So erklärt sich auch, dass sich Karlheinz Fäßler bereits 1960 für den Bau eines hoteleigenen Mitarbeiterhauses stark machte – und auch sein Sohn Michael investierte 2009 ein kleines Vermögen in zwei neue, topmoderne Passivhäuser mit 60 Mitarbeiter-Wohnungen.

 

Karlheinz Fäßler war ein Leben lang Unternehmer und Hotelier aus echter Leidenschaft. Den Grund benennt er in einem einzigen Satz: „Hotelier ist ein wunderschöner Beruf, wenn man sieht, dass Gäste glücklich sind.“   

Der Artikel wurde verfasst für s Hörnerdörfermagazin
im Auftrag der „Presse & Kommunikation Saremba GmbH“