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Happy Birthday, Facebook!
  Soziales Netzwerk feiert heute seinen zehnten Geburtstag – Expertin für Medienpsychologie
spricht über die Erfolgsgeschichte,  Chancen und Risiken des digitalen Kommunikationsmediums


Von Michaela Schneider

Würzburg Die Idee war simpel: Harvard-Student Mark Zuckerberg wollte seinen Kommilitonen ermöglichen, digital Fotos der Studentinnen zu bewerten. Ein kleines, uni-internes Projekt, basierend auf dem Prinzip studentischer Jahrbücher. Erst einmal nichts weiter. Doch das Programm entwickelte sich rasch zum Gesprächsthema Nummer eins unter den Harvard-Studenten. Zuckerberg erkannte das Potenzial seiner Idee. Am 4. Februar 2004 ging das neue Harvard-Netzwerk „TheFacebook“ online. Heute, exakt zehn Jahre später, nutzen es weltweit mehr als eine Milliarde Mitglieder. Dr. Astrid Carolus arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienpsychologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die 31-Jährige spricht über die Erfolgsgeschichte Facebook, über Risiken und Chancen.


Wie erklären Sie sich die Erfolgsgeschichte von Facebook?

Astrid Carolus: Jahrbücher waren an Universitäten in den USA sowieso schon beliebt. Mark Zuckerberg hat es geschafft, diese ins Internet zu bringen. Tatsächlich gab es etwas Ähnliches bereits in Harvard. Aber nur Zuckerberg ermöglichte es den Nutzern, Informationen auszutauschen, die auf den ersten Blick nicht wirklich wichtig erscheinen.. Aber auf den zweiten Blick sind sie es sehr wohl: Wir Menschen interessieren uns eben vor allem für soziale Informationen, für Klatsch und Tratsch. Aus psychologischer Sicht war  Zuckerbergs Idee genial: Mit seinem Netzwerk bediente er grundlegende menschliche Bedürfnisse. Hinzu kommt: Facebook lässt sich einfach und intuitiv bedienen. Jeder kann schnell und unkompliziert aktiv werden.


In Deutschland wurde mit studiVZ 2005 ein ähnliches, zunächst sehr erfolgreiches  Netzwerk gegründet, inzwischen ist es aber so gut wie tot.  Wo lagen im Vergleich zu Facebook die Fehler?

Carolus: Beide Netzwerke bedienten anfänglich als klare Zielgruppe Studenten. Aber: studiVZ endete schon durch den Namen bei diesen, Facebook indes sprach rasch auch andere Schichten und Gruppen an. Zweiter Fehler: studiVZ war rein deutschsprachig. Gerade Studenten als junge, gebildete Zielgruppe sind jedoch  global vernetzt.


Geht es heute – gerade als junger Mensch – überhaupt noch ohne Facebook?

Carolus: Es gibt Studien, die besagen: Fast 100 Prozent der zwischen 13- und 30-Jährigen sind in sozialen Netzwerken organisiert.  Facebook hat sich zu einem alltäglichen Kommunikationsmittel entwickelt. Studenten zum Beispiel organisieren ihr Leben heute über das soziale Netzwerk. Referatsgruppen tauschen sich aus, Freunde laden zu Partys ein. Wer nicht bei Facebook ist, könnte etwas verpassen, ein gewisser Druck ist auf jeden Fall da.


Wie viel Zeit verbringt ein Teenager im Durchschnitt online?

Carolus: Laut der aktuellen JIM-Studie des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest ist ein Teenager im Schnitt täglich rund vier Stunden online. Das scheint auf den ersten Blick viel. Aber diese Zeit haben die Jugendlichen früher vor dem Fernseher verbracht und wenn wir ehrlich sind: Da wurden nicht Arte und 3sat verdrängt…, Das Internet hat das Fernsehen als Leitmedium abgelöst und wird zudem vielfach als „Nebenbei-Medium“ genutzt: Während Kinder Hausaufgaben machen, sind sie schon parallel bei Facebook angemeldet oder es läuft YouTube. Zählt man auch noch das Anwendungsprogramm „WhatsApp“ dazu - eine Möglichkeit, kostengünstig Kurznachrichten und Bilder per Handy auszutauschen -, sind Teenager sogar quasi 24 Stunden online.


Sie sagen, Facebook bedient grundlegende menschliche Bedürfnisse – nur in neuer medialer Form….

Carolus: Fortpflanzung, Partnerschaft, Freundschaft – das alles sind soziale Themen, die den Menschen seit Millionen von Jahren prägen. Facebook deckt das Bedürfnis ab, das Gefühl zu haben, mit Freunden in Kontakt zu sein. Neu ist, dass dies unabhängig von Zeit und Ort geschieht. Damit wird Facebook den Ansprüchen einer globalisierten Welt gerecht. Die Leute wohnen nicht mehr ein Leben lang im selben Umfeld. Das Netzwerk gibt aber das Gefühl, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Eine zweite Motivation bei Facebook ist die Selbstdarstellung. Auch das machen wir schon immer, der Mensch inszeniert sich ständig, zum Beispiel durch seine Kleidung – egal ob im Büro oder abends im Theater.  Der Vorteil bei Facebook ist: Es handelt sich um keine Auge-in-Auge-Situation, wir haben die Möglichkeit zu einer relativ kontrollierten Selbstdarstellung. Aus hundert Fotos wählen wir das einzige gute aus…


Bedeutet das, dass ich mir bei Facebook eine völlig andere digitale Identität aufbauen kann?

Carolus: Nein, anders als in den Chats der 90er Jahr stoßen die Netzwerkbenutzer heute an Grenzen der Beschönigung. Denn: Zum einen bin ich über meine Bilder kontrollierbar. Ist ein Nutzer sehr übergewichtig, wird man ihm extreme Sportlichkeit nicht glauben. Zum anderen bin ich bei Facebook mit Menschen befreundet, die mich in der Regel auch offline kennen. Die Facebook-Identität ist polierter als die Offline-Identität. Aber auch das ist aus psychologischer Sicht nicht neu. Man präsentiert sich ebenso beim ersten Date oder einem Vorstellungsgespräch möglichst nur von seiner besten Seite.  


Können denn Jugendliche zwischen Facebook-Freunden und echten Freunden unterscheiden?

Carolus: Ja, Jugendliche – wie die meisten anderen Menschen auch - unterscheiden durchaus zwischen der echten und der digitalen Welt. Kritisch kann die Situation sein bei Kindern mit wenig Medienkompetenz und bei Personen, die etwa extrem einsam oder schüchtern sind.


Wo sehen Sie die größten Gefahren im Netzwerk Facebook?

Carolus: Datenschutz ist für mich ein großes Thema. Facebook hat bis jetzt nicht wirklich kommuniziert, was mit den Daten von einer Milliarde Nutzern passiert, die AGB sind sehr undurchsichtig. Auch sind die Privatsphäre- Einstellungen schwer zu finden. Stutzig werden lassen sollte uns: Wir nutzen das Angebot eines börsendotierten Unternehmens, das nichts kostet. Möglicherweise sind die Daten, die wir offenlegen, der Preis, den wir zahlen. Vielleicht sind die Daten also mit barem Geld gleichzusetzen. Ich habe aber das Gefühl, dass gerade ein Bewusstseinswandel stattfindet – die Vermittlung von Medienkompetenz wird zum Beispiel zum Thema in den Schulen. Das halte ich für sehr wichtig, denn in der Bedienung von Medien sind Kinder meistens sehr gut. Mehr noch an die Hand nehmen müssen wir sie aber beim Umgang mit den Inhalten. Pornographie zum Beispiel. Mehr Initiative würde ich mir auch auf staatlicher Seite wünschen. Auf gesetzlicher Ebene sind wir ständig drei Schritte hinterher. Wir lassen die Unternehmen machen und reagieren dann. Vorsichtig gesagt: Da ist noch Luft nach oben!


Wie würden Sie die größten Facebook-Errungenschaften beschreiben?

Carolus: Im Alltag sehe ich jede Menge kleine positive Aspekte. Ich selbst beispielsweise stamme nicht aus Franken, hätte aber über Facebook die Möglichkeit, mit meinen Freunde von zuhause in Kontakt zu sein, Fotos von ihnen und ihren Kindern zu sehen. Zudem verbirgt sich in den Netzwerken ein großes demokratisches Potenzial. Das kann sich natürlich auch negativ und gefährlich äußern in einem Shitstorm. Aber schauen Sie sich den Arabischen Frühling an. Hier konnten sich im autokratischen Regime Gleichgesinnte vernetzen und austauschen in einem Tempo, wie es früher nie möglich gewesen wäre.

Infokasten: Zur Person Astrid Carolus


Astrid Carolus (31) studierte Psychologie an der Universität des Saarlandes. Anschließend arbeitete sie für eine Personal- und Unternehmensberatung sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt Medien- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes. 2012 promovierte sie an der Universität Würzburg zum Thema „Mediale Kommunikation in sozialen Netzwerkseiten“. Am Lehrstuhl für Medienpsychologie arbeitet sie an der Julius-Maximilians-Universität inzwischen als wissenschaftliche Mitarbeiterin, zudem ist sie freiberuflich als Trainerin und Beraterin tätig.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Dr. Astrid Carolus arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienpsychologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Kommunikationsverhalten in sozialen Netzwerken.


Foto: Michaela Schneider


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