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Unter elektrischem Dampf
Alte und neue Rauchtrends: Experte vergleicht herkömmliche Glimmstängel und E-Zigaretten


Von Michaela Schneider

Würzburg „Kein Mensch würde freiwillig ein Lagerfeuer inhalieren“, sagt Dr. Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz an der Innenstadtklinik der Universität München. Weil beim Verbrennen von organischem Material Feinstaub, weil hochkrebserregende Stoffe entstehen. Nicht viel anderes passiert laut Rüther beim Rauchen – und trotzdem machen`s 30 Prozent der Bevölkerung. „Schuld“ sei das Nikotin als biologisch sehr aktiver Suchtstoff. Weniger schädlich als eine normale Zigarette sei die E-Zigarette, nehmen inzwischen viele Experten an. In Würzburg gab der Mediziner bei einer Informationsveranstaltung des Arbeitskreises Suchthilfe der Universität Würzburg Antworten auf die Frage: Wie wirken E-Zigarette und E-Shisha?


Wer sich mit neuen Rauchtrends beschäftigt, sollte über die Alten Bescheid wissen, Rüther liefert entsprechende Fakten. Demnach stirbt fast jeder zweite Raucher an den Folgen seines Suchtkonsums – und das entspräche täglich einem voll besetzten Jumbojet. Hauptursache ist nicht das Nikotin, sondern sind die Verbrennungsprodukte. Das Nikotin dagegen bewirkt eine starke psychische Abhängigkeit. „Der Raucher sieht eine Bushaltestelle – und muss rauchen“, nennt der Mediziner ein klassisches Beispiel für Konditionierung. „Versuchen Sie einmal heim zu gehen ohne Tabakwerbung zu sehen“, verweist er auf einen weiteren Gefährdungsfaktor.


Wie aber steht es um neue Rauchtrends wie die E-Zigarette? „Man weiß noch nicht, ob das was Gutes ist oder nicht“, sagt Rüther – schlichtweg, weil die Langzeiterfahrung fehlt. E-Shishas erwähnt er nur am Rande, diese seien mit E-Zigaretten vom Prinzip her vergleichbar, würden aber ohne Nikotin verkauft. „Gerne auch im rosa Hello-Kitty-Design, um möglichst junge Leute anzusprechen“, ergänzt der Mediziner. In einer Kartusche befindet sich Flüssigkeit, die dann verdampft. Das so genannte Liquid dürfe jeder verkaufen – und es dürfe fast alles hineingemischt werden. Die Hauptbestandteile: Propylenglycol oder auch der Lebensmittelzusatz E 1520 1,2-Propandiol, Wasser, Aromastoffe von Erdbeere bis Pina Colada und teilweise Nikotin.


„Über Probandiol weiß man bislang wenig“, sagt Rüther, Langzeitstudien stehen aus. Verwendet wird die Substanz aber zum Beispiel lange schon in Nebelmaschinen in Diskotheken. Und eben weil Langzeitdaten auch im Allgemeinen fehlen, können Mediziner bis dato nicht sagen, wie schädlich E-Zigaretten-Konsum tatsächlich ist. „Eine leichte Feinstaubbelastung besteht auch bei einer E-Zigarette, sie ist aber deutlich geringer als bei der herkömmlichen Zigarette“, sagt er. Das heißt, ein Großteil der krebserregenden Stoffe entfällt. Allerdings hat eine nikotinhaltige E-Zigarette weiterhin negative Auswirkungen aufs Herzkreislaufsystem – wenn auch in geringerem Maß.


Viele Kritiker befürchten jedoch, die E-Zigarette könne zum Einstieg ins klassische Rauchen verleiten. Mit Zahlen lässt sich dies bis dato nicht belegen. „Nur 0,2 bis zwei Prozent der E-Zigaretten-Raucher rauchen sonst nie“, weiß Rüther, fügt allerdings an: Man müsse beobachten, wie die Tabakindustrie die E-Zigarette künftig bewerbe und welche Auswirkungen dies dann habe.


Angeschaut habe man sich, wer überhaupt E-Zigarette rauche. Zum einen seien dies wenig Nikotinabhängige – und die meisten wollten eigentlich mit dem Rauchen aufhören. Aber gelingt dies  mit der E-Zigarette? Die Datenlage ist hier laut dem Münchner Mediziner mau. In einer Studie bekamen Raucher E-Zigaretten geschenkt – und rauchten im Folgenden tatsächlich weniger, zehn Prozent hörten nach einer gewissen Zeit mit dem Rauchen ganz auf. Offen bleibt, ob sie dies auch sonst getan hätten. Eine zweite Studie in Neuseeland kam zu dem Ergebnis, dass die E-Zigarette in etwa so wirksam sei wie ein Nikotinpflaster. Aber: „Ein Arzt darf und kann eine E-Zigarette nicht zur Raucherentwöhnung empfehlen, weil Langzeitstudien fehlen“, betont der Mediziner.

Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin Gesundheit! Erschienen.

Infokasten: E-Zigaretten und die Tabakindustrie


Mit sehr deutlichen Worten spricht Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz an der Innenstadtklinik der Universität München, über die Aktivitäten der Tabakindustrie: Tabak sei mittlerweile als Killer geoutet, Nikotin als Suchtstoff verunglimpft. Entsprechend liege das Marketing darnieder, der gesamte Markt schwinde. Inzwischen erwerbe die Tabakindustrie deshalb E-Zigaretten-Firmen, die über ein starkes Image verfügten. Dadurch, so Rüthers Annahme, wolle man den Untergang der Tabakindustrie verzögern. Inzwischen gebe es eine Studie, die herausgefunden haben will: Viele E-Produkte der Tabakindustrie seien schlechter als die herkömmlichen Produkte. Der Münchner Mediziner vermutet: Die Tabakindustrie wolle lieber normale Zigaretten verkaufen und die Bevölkerung möglichst lange beim Rauchen halten.