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Blauer Eumel bringt Kultur aufs Dorf

Klassik Musiker tourten 2012 mit THW-Laster von Deutschland bis nach Frankreich –
Ladefläche mit Konzertflügel verwandelt sich auf Marktplätzen und Wiesen in eine Bühne

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Eigentlich, meint man, sie sind vorbei: Die Tage, in denen Schauspieltruppen wie zu Molieres Zeit durch die Lande zogen und Kultur auch in entlegene Regionen transportierten. Doch nicht so für einen kleinen Künstlertrupp um die Pianistin Katia Bouscarrut. Zwar schauspielern die jungen Leute nicht, sondern sind allesamt klassische Musiker aus dem Raum Würzburg, die sonst in Konzertsälen und Theatern konzertieren. Doch machen sie nichts anderes als einstmals Moliere und seine Kollegen: Sie bringen Kultur in die Provinz. „Der Blaue Eumel“ nennt sich die kleine Truppe und tourte im Sommer 2012 im alten Laster von Deutschland durch die Schweiz bis nach Frankreich.

 

Um Klassik zu genießen, ist kein bestimmter Bildungsgrad nötig - Musik erleben Menschen über Emotionen. Das wurde Bouscarrut klar, als sie eines Tages in ihrer einstigen Heimat Sauviac konzertierte - einem kleinen, sehr ländlichen, französisches Dorf bei Bordeaux. Nach dem Konzert war vor allem die Fischverkäuferin ganz begeistert, die sonst keine Möglichkeit hat, Klassikkonzerte zu besuchen. „Ich habe gemerkt: Menschen auf dem Land kommen nicht so selbstverständlich in Kontakt mit Kultur wie in Großstädten. Hier herrschen Scheu und Berührungsangst vor klassischen Konzerten.“  Hinzu kam: Als Künstler fühlte sich die 37-Jährige zunehmend fremd bestimmt. Die Konzertatmosphäre wirkte auf die Pianistin oft museal und konserviert: „Als Solist kann man mehr selbst gestalten, aber gerade die Kollegen im Orchestergraben haben hierzu wenig Möglichkeit.“  

 

Und so ließen die begeisterte Fischverkäuferin aus Sauviac und Bouscarruts Wunsch nach mehr Entfaltungsmöglichkeit die Idee reifen, mit Musikern durch die Lande zu touren. Bouscarrut kaufte einen ausrangierten Kleinlaster des Technischen Hilfswerks. Das Mainfrankentheater Würzburg stellte als Leihgabe einen alten Flügel zur Verfügung. Der Laster wurde leicht umgerüstet, der Flügel erhielt auf der Ladefläche stählerne „Stiefel“ und wurde ausreichend gedämmt – fertig war die Konzertbühne. Gleichzeitig gründete sich Anfang Mai der Verein „Der Blaue Eumel. Mobile Kunst e.V.“ Immer noch ist Bouscarrut verblüfft, wie viel Unterstützung die Musiker in dieser Zeit erfuhren: Angefangen bei den Eltern, die bei der Finanzierung unter die Arme griffen; über den Bühnenmeister des Mainfrankentheaters, der, wo immer möglich, mitanpackte; bis hin zur Autowerkstatt, die den THW-Laster zum Selbstkostenpreis herrichtete. Zum ersten Konzert des Blauen Eumels im Klanggarten in der Zellerau im Juli sollten mehr als 200 Zuhörer kommen. „Die Resonanz war toll, wir schafften es, die Konzertausgaben durch Spenden komplett zu decken – und hatten ein kleines Startkapital für die eigentliche Tour“, sagt Bouscarrut.

 

Wichtig ist ihr: Die Qualität muss bei jedem Konzert stimmen. „Wir wollen nicht einfach Straßenkünstler sein“, sagt sie. Stücke und Musiker werden vorgestellt, das Programm ist rein klassisch mit Werken von Mozart, Mendelssohn oder Dvorak.  Die Besetzung: zwei Geigen, zwei Bratschen, ein Cello, der Flügel und – als modernes Klangelement – ein Schlagzeug. Berührungsängste wollten die Künstler den ungeübten Zuhörern vor allem auch durch ihre Kleidungswahl nehmen: Statt in Abendkleidern und Anzug konzertierten sie auf dem THW-Laster in Jeans und manchmal sogar barfuß.

 

Die eigentliche Tour führte dann durch den Schwarzwald in die Schweiz bis nach Frankreich – unzählige schöne Begegnungen machten die zwei Wochen für die Musiker zum unvergesslichen Erlebnis. In einem Musikcamp in der Schweiz spielte der Blaue Eumel mit 70 Kindern im Orchester, immer wieder wurden die Musiker zum Essen oder kostenlosen Übernachtungen eingeladen. Fixe Konzerttermine standen vorab nicht fest, im Oldtimer-Mercedes „Carmen“ suchte eine „Vorhut“ geeignete Spielorte – meist Dorfplätze oder Wiesen am Ortsrand -, regelte die behördlichen Angelegenheiten und warb per Megaphon fürs nächste Konzert.

 

Letzte Station der Tour: Katia Bouscarruts Heimatdorf Sauviac. Schönster Lohn für ihr Engagement sollte für sie im Anschluss ein Gespräch mit der Rathaus-Sekretärin sein. „Sie meinte, das Konzert sei so schön, so angenehm gewesen. Dann wollte sie wissen, was das für Stücke gewesen seien“, erzählt die Pianistin. Als die Sekretärin erfuhr, dass Katia und die übrigen Musiker die gleichen Werke auch in Konzertsälen spielen, meinte sei: Dann sei ein Konzertbesuch ja vielleicht doch nicht so unangenehm, wie sie immer gedacht habe.

 

Auch in diesem Jahr wollen die Musiker im Sommer wieder zur Tour mit dem „Blauen Eumel“ starten – dann vielleicht Richtung Osten nach Tschechien und Polen. Für Katia Bouscarrut hat dies auch ganz persönliche Gründe: „Auf der Tour 2012 ist für mich die Freude am Spielen zurückgekehrt. Ich hatte endlich wieder das Gefühl, auf der Bühne frei zu sein.“

 

Nähere Infos: www.der-blaue-eumel.de

Der Artikel ist unter anderem im KulturGut erschienen.

Die Pianistin Katia Bouscarrut hatte die Idee zu einem einzigartigen Kulturprojekt: zum „Blauen Eumel“.

 

Foto: Michaela Schneider