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Neue Wege der Erinnerung

Zeitgeschichte Würzburg arbeitet in  Initiativen und Projekten seine Vergangenheit auf

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Die Akten der Vergangenheit nicht schließen und zeitgemäße Wege der Erinnerung finden: Darum geht es in Würzburg rund 40 verschiedenen Initiativen, Einrichtungen und Organisationen. Einige von ihnen präsentierten ihre Arbeit nun beim „Forum Dialog Erinnerungskultur“ im Museum im Kulturspeicher.

 

Tatsächlich begann die Aufarbeitung des schweren historischen Erbes der NS-Zeit in der Bezirkshauptstadt vergleichsweise spät, erst Anfang der 80er Jahre setzten sich Wissenschaftler ernsthaft mit Würzburg im Dritten Reich auseinander. Daneben sollten verschiedenste Initiativen entstehen – privat wie öffentlich – die verschiedene Wege der Aufarbeitung einschlugen und nebeneinander agierten. Exemplarisch zu nennen: „Stolpersteine gegen das Vergessen“, die - auf öffentlichen Boden verlegt - an das Schicksal ermordeter Juden aus Würzburg erinnern; das Nagelkreuzzentrum Würzburg, das mit einem Wandernagelkreuz und Versöhnungsgebeten Zeichen der Versöhnung und des Friedens setzt; oder das jüdische Gemeindezentrum „Shalom Europa“ mit Museum, das den Kanon jüdischer Grundwerte vorstellt und die 900-jährige Geschichte der Juden in Würzburg aufarbeitet. Erst seit 2010 wird eine Vernetzung und Aufarbeitung der Vergangenheit auch von der Stadt gezielt forciert, damals fiel der Startschuss zu dem Projekt „Dialog Würzburger Erinnerungskultur“.

 

In zwei Bürgerwerkstätten wurden 2010 und 2011 Ideen und Anregungen gesammelt, Bürger und Initiativen diskutierten verschiedene Wege der Erinnerung, das Thema fand Einzug in manches städtische Gremium. 2012 wählte die Stadt nun eine neue Form des Austauschs: Beim „Forum Erinnerungskultur“ stellten sich in Vorträgen und an Ständen Initiativen und Projekte zur Stadtgeschichte und Erinnerungskultur vor. Vorrangiges Ziel laut Dialog-Projektleiterin Bettina Keß: eine noch intensivere Vernetzung all derer, die sich für eine zeitgemäße Erinnerungskultur einsetzen. Basisarbeit sei inzwischen geleistet, im nächsten Schritt gehe es nun daran, ein tragfähiges Konzept zur gemeinsamen Aufbereitung der Stadtgeschichte zu erarbeiten. Im Folgenden eine Auswahl einiger anstehender, kultureller Projekte.

 

Oper „Refidim Junction“: Am 10. November wird die zeitgenössische Oper „Refidim Junction“ im Theater in der Bibrastraße uraufgeführt werden – eine Koproduktion des Mainfrankentheaters und der Hochschule für Musik in Würzburg. Komponiert hat die Kammeroper die deutsch-israelische Musikerin Magret Wolf. Inhaltlich dreht sie sich um das Schicksal zweier jüdischer Frauen aus Würzburg im Kontext des NS-Regimes. Marianne Dora Rein hatte einst vergeblich versucht, vor den Nationalsozialisten zu fliehen, davon erzählt sie in zahlreichen Briefen. Sie stirbt im Konzentrationslager in Riga. Per Margulies indes soll die Ausreise nach London nach dramatischer Flucht gelingen. Ihre Tochter wird selbst zur Uraufführung der Oper nach Würzburg reisen.

 

„Würzburger Erinnerungszeichen“: In einem groß angelegten Projekt erfasst die Kunsthistorikerin Petra Maidt derzeit im Auftrag des Kulturreferats der Stadt Würzburg sämtliche Denkmäler und Mahnmale des 19. bis 21. Jahrhunderts. Dafür läuft sie alle Straßen in Würzburg ab, verzeichnet, dokumentiert und erfasst sämtliche Objekte, die sie unterwegs entdeckt und recherchiert Fakten wie etwa den Erinnerungsgrund, den Anlass der Errichtung, das Aufstellungsjahr, Stifter oder Initiator und Künstler oder Bildhauer. Zielsetzungen: ein Überblick, eine Publikation sowie eine weitere wissenschaftliche Auswertung. In dem Rahmen sollen auch kritische Fragen erörtert werden, etwa ob manches Denkmal noch in jetziger Form und Nutzung angebracht ist -  zum Beispiel das Kriegerdenkmal am Husarenwäldchen, das offensichtlich das Soldatentum verherrlicht.

 

Ausstellung „Tradition und Propaganda“: „Tradition und Propaganda. Eine Bestandaufnahme der Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus in der Städtischen Sammlung“ ist eine Sonderausstellung betitelt, die  vom 28. Februar bis zum 20. Mai 2013 im Museum im Kulturspeicher zu sehen sein wird. Dabei wird es sich um keine gewöhnliche Kunstausstellung handeln. Grundlage der Ausstellung bildet eine Bestandsaufnahme aller Werke, die zwischen 1933 und 1945 in die Städtische Sammlung gelangten. Manche von ihnen seien unzweifelhaft der NS-Propaganda-Maschinerie zuzuordnen, andere wirkten auf den ersten Blick völlig harmlos, sagt Bettina Keß. Kritisch beleuchtet werden sollen sie jedoch allesamt im Kontext des Nationalsozialismus.

 

Sonderausstellung „Jüdische Kindheit in Würzburg“: Im April 2012 hatte die Bezirkshauptstadt jüdische Bürger aus aller Welt in ihre alte Heimat eingeladen, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Würzburg verlassen mussten. Zusammen mit dem Lehrstuhl für europäische Ethnologie und Völkerkunde der Universität Würzburg hatte das „Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“ während der Veranstaltung jüdische Zeitzeugen zu ihrer Kindheit in Würzburg befragt. Die Interviews sollen die Grundlage bilden für eine Ausstellung, die im Frühjahr 2013 im Johanna-Stahl-Zentrum von jüdischer Kindheit in Würzburg erzählt.

 

 

 

 

Infokasten: Der Bau der MAGIC-Teleskope

 

Um die 150 Astronomen und Physiker waren am Bau des ersten Magic-Teleskops beteiligt, 2003 wurde es fertiggestellt. „Fast alles ist in Eigenarbeit geschehen“, betont der Würzburger Astronomieprofessor Karl Mannheim, veranschaulicht: „Studenten haben die Teleskope selbst mitaufgebaut, Kabel gezogen und die Software zum Laufen gebracht.“ Aus Würzburg stammte dabei unter anderem die komplette Antriebstechnik – und die hat es in sich, denn: Um die 60 Tonnen wiegt ein einzelnes Teleskop, das sich innerhalb von 20 Sekunden auf jeden beliebigen Punkt ausrichten lässt. Auch viele der Fotosensoren und die Software für die Analyse und die Bildgebung kommen aus Unterfranken. 2009 folgte das Zwillingsteleskop, Ende 2011 ein kleineres, drittes Teleskop mit neuer Technik. Zwölf Teams sind derzeit am Projekt MAGIC auf La Palma beteiligt. Um die 13 Publikationen pro Jahr resultieren aus deren Beobachtung des Universums. Rund fünf Millionen Euro sind in Bau und Weiterentwicklung der Magic-Teleskope bislang geflossen, gefördert wird die Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.

Letzte Handarbeiten am optischen Teleskop in Hettstadt. Im Bild (von links) Christian Lorey (Friedrich-Koenig-Gymnasium), Dominik Elsässer, Ralf Mündlein.  Das Bild ist kurz vor der Einweihung dieses Jahr im Januar entstanden.       

 Archiv-Foto: Elsässer

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Eine Form der Erinnerung: die Würzburger Stolpersteine.

Foto: Michaela Schneider