Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Wenn ein Gehirngewitter tobt
Knapp ein Prozent der Bevölkerung leidet unter Epilepsie – Unterfränkische Beratungsstelle

informiert über die Krankheit, hilft bei rechtlichen oder beruflichen Fragen und unterstützt bei Alltagsproblemen


Von Michaela Schneider
Würzburg/Unterfranken  
Die epileptischen Anfälle kommen meist sehr überraschend. Und auch wenn sie nach wenigen Minuten vorüber sind, erleben Betroffene, aber auch Augenzeugen sie als dramatisches Ereignis. Ein zusätzliches Problem für Patienten und ihr enges Umfeld: Die Krankheit ist immer noch mit Vorurteilen belastet. Auch ist die Arbeitslosenquote unter Betroffenen überdimensional hoch. Seit 1996 ruft die Deutsche Epilepsievereinigung e.V. am 5. Oktober den Tag der Epilepsie aus, mit dem Ziel auf die Krankheit aufmerksam zu machen und aufzuklären. Henrike Staab-Kupke, Diplom-Sozialpädagogin bei der Epilepsieberatung Unterfranken am Juliusspital in Würzburg, blickt im Interview auf die Krankheit und die Lebenssituation Betroffener.


Epilepsie – wie lässt sich diese Krankheit beschreiben?

Henrike Staab-Kupke: Epilepsie hat neurologische Ursachen und zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. 0,8 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Ursachen sind meist Veränderung im Gehirn, die dort nicht hingehören.   So erklärt sich, dass erste Anfälle meist entweder im Kindesalter vorkommen oder jenseits des 65. Lebensjahrs. Sichtbar wird die Krankheit nur, wenn Anfälle auftreten.


Was genau passiert bei einem epileptischen Anfall?

Henrike Staab-Kupke: Anfälle werden gerne als „Gewitter im Gehirn“ beschrieben. Es entsteht eine elektrische Überladung, die sich nach kurzer Zeit – in der Regel spätestens nach drei Minuten – wieder normalisiert. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Anfallsformen – nicht nur jene großen Anfälle, die mit Stürzen, Krämpfen und Zuckungen am ganzen Körper verbunden sind.  Es kann auch sein, dass das Bewusstsein aussetzt und der Patient zum Beispiel verwirrt herumläuft oder an seiner Kleidung nestelt.


Wie erlebt der Patient selbst den Anfall?

Staab-Kupke: Es kann sein, dass er nichts, vielleicht aber auch alles mitbekommt. Ein Anfall mit Krämpfen  ist im Anschluss oft mit Kopfweh und stark schmerzendem Muskelkater verbunden. Nach einem Anfall schlafen Patienten häufig ein paar Stunden, um sich von dem Geschehen zu erholen.

Was belastet die Betroffenen am meisten?


Staab-Kupke: Viele Menschen haben Angst, bei einem Anfall in der Öffentlichkeit in peinliche Situationen zu geraten  und sie fürchten sich davor, kurzfristig dem eigenen Körper nicht mehr vertrauen zu können. Häufig befürchten die Betroffenen auch, ihren Arbeitsplatz wegen der Erkrankung zu verlieren. Wichtig ist es, über Ängste zu sprechen und sie genau zu benennen. Unser Ziel ist es, diese Menschen Schritt für Schritt wieder in die Normalität zu begleiten.  Hier ist ein langsames Umdenken wichtig und eine Unterscheidung zwischen Gefahr und Peinlichkeit. Alleine im Wald zu laufen ist bei einem Anfall gefährlicher als durch eine belebte Innenstadt, auch wenn ein Anfall hier peinlicher erscheinen mag. Fakt ist: Ich kann auch mit einer aktiven Epilepsie viel tun mit einigen Einschränkungen. Alleine zu schwimmen ist zum Beispiel sehr gefährlich. Übrigens belasten Anfälle die Angehörigen häufig noch stärker als die Betroffenen selbst. Sie haben Angst, nicht das Richtige zu tun oder nicht dabei zu sein.


Wie gut lässt sich Epilepsie therapieren?

Staab-Kupke: Epilepsie wird in der Regel mit Medikamenten behandelt, in Einzelfällen stellt sich die Frage nach einer Operation. Rund 70 Prozent der Betroffenen sind dank einer medikamentösen Therapie dauerhaft anfallsfrei, dann ist ein normales Leben möglich. Eine Faustregel lautet zum Beispiel: Auto fahren geht, wenn ein Betroffener mindestens ein Jahr anfallsfrei war.


Das Thema Beruf ist spannend. Wie helfen Sie hier weiter?

Staab-Kupke: Leider ist die Arbeitslosenquote bei Menschen mit aktiver Epilepsie tatsächlich überdimensional hoch. Wir hinterfragen die berufliche Situation individuell und beraten Betriebe, wenn sie dies wünschen. Es gibt nur wenige Berufe, die kategorisch ausgeschlossen sind. Meist hängt es vielmehr am individuellen Arbeitsplatz. Nehmen wir das Beispiel Schreiner. Arbeitet ein Patient in einer kleinen Schreinerei und zeichnet für sämtliche Arbeiten, auch an gefährlichen Maschinen, verantwortlich, kann das Risiko bei einer aktiven Epilepsie zu hoch sein. Plant ein Schreiner indes in einem großen Betrieb am PC, sieht dies anders aus.


Wie steht es denn ums Thema Haftung, diese dürfte eine Hauptsorge von Arbeitgebern sein?

Staab-Kupke: Ist ein Epilepsie-Patient am Arbeitsplatz keiner größeren Gefahr als daheim ausgesetzt, ist der Arbeitsplatz meist für ihn geeignet und verletzt er sich trotzdem bei einem epileptischen Anfall, haftet der Arbeitgeber nicht. Es empfiehlt sich für Betriebe, vorab den Betriebsarzt und vielleicht auch die Berufsgenossenschaft ins Boot zu holen, um vor Ort mögliche Gefahren zu besprechen.  


Wie sollte ich reagieren, wenn ich einen epileptischen Anfall beobachte?

Staab-Kupke: Wichtig ist, Ruhe zu bewahren, dafür zu sorgen, dass die betroffene Person keinen Gefahren ausgesetzt ist und sie so früh  wie möglich in die stabile Seitenlage zu bringen. Und dann bleibe ich bei dem Betroffenen, bis er wieder vollständig orientiert ist. Übrigens: Auf keinen Fall sollte ich einem Menschen bei einem epileptischen Anfall etwas zwischen die Zähne klemmen. Verkehrt wäre es auch, die Person zu schütteln oder anzuschreien.


Henrike Staab-Kupke, Diplom-Sozialpädagogin bei der Epilepsieberatung Unterfranken.


Foto: Michaela Schneider


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.