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Ägyptischer Frauenkopf braucht neue Nase
Rund 230 Empiremöbel aus der Würzburger Residenz lagen Jahrzehnte in den Depots – Edelste
Stücke wurden und werden für die Sonderausstellung „So wohnte der Großherzog“ restauriert


Von Michaela Schneider

Würzburg Wir schreiben das Jahr 1806. Ferdinand III. wird Großherzog von Würzburg und bezieht die Würzburger Residenz. Wo bist dato fürstbischöfliche Regenten wohnten, zieht nun ein weltlicher Herrscher ein. Drei große Appartements mit insgesamt rund 400 Möbeln lässt er einrichten, sie erstrecken sich über mehr als ein Drittel des Hauptstocks der Residenz. Blende ins Jahr 1945. Als Würzburg bombardiert wird, greifen die Flammen auf die Residenz über. Von den 400 Möbeln aus den so genannten Toskana-Appartements können immerhin rund 230 Objekte zuvor in Sicherheit gebracht werden. Jahrzehnte lagern sie im Depot. Ab 12. April werden die edelsten Stücke nun erstmals in einer Sonderausstellung zu sehen sein. Dem allerdings gingen zunächst über Jahre umfangreiche Restaurierungsarbeiten voraus.


Restauriert wird Ensemble für Ensemble. Fünf Möbelgarnituren sind inzwischen fertig, in der Ausstellung in der Residenz werden rund 90 Objekte zu besichtigen sein. Die Möbel seien durchweg in schlechtem Zustand gewesen, sagt Dieter Endrich, zuständiger Projektrestaurator.  Manche auch in sehr schlechtem - so zum Beispiel ein Sessel mit einem Schwanenmotiv, der einst zur Möbelgarnitur im Damensalon gehörte. Ein Damensalon übrigens, obwohl Ferdinand III. im Jahr 1806 als alleinstehender Witwer in die Residenz zog. Den Salon aber ließ er mit Blick in die Zukunft einrichten für seine künftige Gattin. Und Schwäne waren gerade in Damensalons im beginnenden 19. Jahrhundert ein beliebtes Motiv.


Von den  Schwänen auf dem Sessel war allerdings nichts mehr zu sehen, als die Restauratoren das Objekt aus dem Depot holten. Doch gab es zum einen noch Fotos in Schwarz-Weiß, zum anderen Original-Bordüre. Und so konnten sowohl die Sesselfarbe – ein kräftiger Fliederton – als auch das Schwanenmotiv in Gold exakt rekonstruiert werden, indem der Stoff in entsprechender Farbe nachgewebt wurde.


Ein Vorgehen, das allerdings nicht die Regel ist. Gearbeitet wird im Restaurierungszentrum der Bayerischen Verwaltung der Schlösser, Gärten und Seen in München laut Endrich in den meisten Fällen sehr konservatorisch. Das heißt: Objekte werden nicht „auf neu“ hergerichtet, sondern: Was erhalten werden kann, bleibt erhalten. Ist noch Originalstoff vorhanden wie zum Beispiel bei einem roten Hocker aus Ferdinands Wohnzimmer, werden nur die beschädigten Stellen neu bewebt.  


So oder so: Die Restaurierungsarbeiten sind kein günstiges Unterfangen, deshalb wird parallel zur Sonderausstellung „So wohnte der Großherzog“ eine Spendenaktion zum Erhalt der Empiremöbel in der Würzburger Residenz laufen. Das Geld soll vor allem in die Restaurierung einer recht markanten Garnitur fließen, verziert mit ägyptischen Frauenköpfen. Sie besteht aus einem Kanapee, zwei Armlehnsesseln, zwei Stühlen und einem Kaminschirm. Die Gesamtkosten für die Restaurierung der Garnitur schätzt Endrich auf 35000 Euro. Das Ausmaß der Schäden zeigt der Restaurator anhand eines Armlehnsessels. Sichtbar blättert das Gold ab, der Seidendamast ist zerschlissen. Einem Frauenkopf fehlt ein Stück Nase. Untersucht werden muss bei den edlen Möbelstücken laut Endrich auch, ob die Statik des Gestells, die Fassung und die Polsterung noch intakt sind. Holz-, Metall- und Stoffrestauratoren arbeiten dabei Hand in Hand. Kein leichtes Unterfangen ist gerade bei Textilien auch die Reinigung. Der Stoff des ägyptischen Armlehnsessels besteht vermutlich aus Vollseide, die Fäden sind extrem fragil.


In wesentlich besserem Zustand als die Möbel war indes ein weiteres Objekt, das in der Ausstellung zu sehen sein wird: Ein Karussell, das Großherzog Ferdinand III. für seine Kinder anfertigen ließ. Hier waren laut Endrich lediglich Reinigungsarbeiten nötig, zudem ließ man eine neue Drehachse konstruieren. Mit einer eisernen Spinne als Unterbau lässt sich das Karussell nun wieder drehen wie zu Ferdinands Zeit. Spannend ist vor allem auch: Bei dem Karussell handelte es sich um alles andere als um ein pazifistisches Spielzeug. Von den beiden Pferden und Kutschen aus konnten die adeligen Buben und Mädchen durch eine gewundene Schlange Lanzenstechen üben, einem Kopf die Nase abschlagen und eine Büste mit Sollbruchstelle „köpfen“.  

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Das Museum am Dom in Würzburg zeigt bis Anfang Juni in der Sonderausstellung „Wegzeichen“ Werke des Künstlers Benedikt Traut.Der Bezug dieses Sessels aus dem einstigen Damensalon war völlig zerstört. Anhand alter Fotos und Bordüre-Resten, konnte er exakt rekonstruiert werden.

Fotos: Michaela Schneider


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