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Lüsterner Bösewicht und tugendhaftes Mädchen
Mainfranken Theater in Würzburg präsentiert n der Inszenierung von Andreas Beuermann
Giachino Rossinis Oper „Die diebische Elster“ als ein Märchen voller liebenswerter Details


Von Michaela Schneider

Würzburg Ein fieser, lüsterner Bösewicht, ein tugendhaftes Mädchen und ein frecher Vogel;  Herz, Schmerz, Dramatik, überraschende Wendungen und ein Happy End: Giachino Rossinis Oper „Die diebische Elster“ (La gazza ladra) bietet alles, was es für ein Märchen braucht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts  wirkte der Stoff aufs Publikum noch überaus real, sorgte für Schauder, Grusel und Mitgefühl. Heute, in Zeiten von Kino, Actionfilmen und 3D-Effekten hat sich die emotionale Belastungsgrenze der Zuschauer verlagert.  Hier setzt Andreas Beuermann bei seiner Inszenierung am Mainfranken Theater in Würzburg an. Aus einer Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit basiert, wird ein Märchen, das mit einer bewusst naiven Szenerie, wunderschönen Kostümen, starken Charakteren und einer Fülle an liebevollen Details verzaubert. Klar, eigentlich geht es bei einer Oper in erster Linie um die Musik. Aber bei der „Diebischen Elster“ am Mainfranken Theater machte bei der Premiere am Samstag allein schon das Zuschauen viel Spaß.


Trotzdem zunächst ein Blick in den Orchestergraben.  Mit Dirigent Giovanni Battista Rigon hat das Theater einen international geschätzten Rossini-Spezialisten in die Bischofsstadt geholt.  Das zahlt sich aus. Das Philharmonische Orchester Würzburg ist mit den ersten Trommelwirbeln der markanten Ouvertüre voll da.  „Von einem „Klangfeuerwerk“ ist gerne die Rede, wenn es um Rossinis seinerzeit so erfolgreiches Werk geht. Mal turbulent, mal ergreifend, schwankende Stimmungen und größtmögliche Kontraste kennzeichnen „La gazza ladra“. Das Orchester ist dabei präsent und präzise und drängt sich dennoch nicht auf.


Worum aber geht es in der Oper? Das Dienstmädchen Ninetta (Giulia Bolcato) wartet auf ihren Verlobten Giannetto (Joshua Whitener). Er kehrt als Kriegsheld heim. Kurz darauf taucht Ninettas Vater Fernando (Daniel Fiolka) auf, ein steckbrieflich gesuchter Deserteur. Und: Der selbstherrliche Bürgermeister Gottardo (Johan F. Kirsten)stellt dem tugendhaften Mädchen nach. Plötzlich gerät Ninetta unter Verdacht, ein silbernes Besteck gestohlen zu haben. Der Bürgermeister lässt sie verhaften, das Gericht verurteilt Ninetta zum Tode. Da findet plötzlich der Bauernbursche Pippo (Sonja Koppelhuber) im Nest einer diebischen Elster (Ivan Alboresi) das vermisste Besteck, die Exekution kann in letzter Minute verhindert werden. Der Vater wird begnadigt, der Bürgermeister aus dem Dorf geworfen. Ein Happy End auf allen Ebenen.

Gesanglich dominiert Gastsängerin Giulia Bolcato mit lyrischem, wunderbar anrührendem Sopran die Bühne.  Mädchenhaft und stolz, liebreizend und dann wieder verzweifelt singt sie sich ins Herz des Publikums.  Sehr gut – schauspielerisch wie gesanglich - am Premierenabend unter anderem auch Bariton Daniel Fiolka als Ninettas Vater.  Allerdings ist es wie so oft bei Theater und Film: Als dankbarste Rolle erweist sich die des Bösewichts. Herrlich lüstern stöhnt  Johan F. Kirsten mitten im Gesang. In arroganter Selbstherrlichkeit stolziert er über die Bühne und zieht die überschminkte Augenbraue in die Höhe. Kurzum: ein ganz großartiges Opernekel. Und auch Chordirektor Michael Clark hat gute Arbeit geleistet, die Wucht der dramatischen Chorpassagen sorgt für Gänsehaut. In weiteren Rollen unter anderem: Barbara Schöller, Ji-Su Park, Fabian Christen, Kenneth Beal, Paul Henrik Schulte und Hyeong-Joon Ha. Sehr ästhetisch ist zudem die Idee, Ivan Alboresi die diebische Elster im Federgewand tanzen zu lassen.


Das Gesamtbild einer gelungenen Premiere runden die wunderbaren Kostüme von Götz Lanzelot Fischer, das schöne Bühnenbild von Herbert Buckmiller und die vielen liebenswerten Details ab. Da muss zum Beispiel eine Plüschgans Federn lassen für den Dorfschreiber, eine strickende Oma sitzt unterm Baum und Kinder tollen über die Bühne. In der Nähe von Paris sollen sich die Ereignisse um die diebische Elster einst abgespielt haben, doch Herbert Buckmiller verlagert sie ins Fränkische. Weinberge erheben sich hinter dem Dorfplatz mit Wirtshaus, Bäckerei, Kirche, Linde und gestutzter Hecke.


Der Zuschauer fühlt sich spätestens versetzt in die tschechischen Märchenfilme der  70er Jahre, wenn das Ensemble die Bühne bevölkert: Der Jäger im grünen Rock, der Bäcker mit übergroßer weißer Mütze, der mächtige, Dorfpfarrer im schwarzen Talar, der Trödelhändler im purpurnen Samtmantel mit Zylinder und Bauchladen, die Damen in Seide, Rüschen und mit riesigen Hauben. Viele Darsteller tragen künstliche Nasen – mal knollig, mal spitz. Die Charaktere wirken dadurch fast wie im Zeichentrickmärchen.


Einzelnen Zuschauern mag das Ambiente vielleicht zu liebreizend daherkommen. Doch Andreas Beuermanns erste Regiearbeit am Mainfranken Theater ist in sich stimmig und  seine „Diebische Elster“ besticht nun einmal gerade durch ihre Naivität. Die Rollen von Gut und Böse sind klar, der Zuschauer braucht nicht nach Komplexem, Hintergründigem zu suchen. Auch das tut im Theater gelegentlich gut. Das Publikum darf sich zurücklehnen, stimmungsvolle Musik und Bühnenästhetik genießen, mitfühlen und sich über das glückliche Ende freuen. Herrlich zauberhaft, wie im Märchen.  


Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

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