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Ein Huhn, das fürs Eierlegen und die Mast taugt
Wissenschaftler in Kitzingen untersuchen so genannte Zweinutzungshühner
- Alternative zur Tötung von 40 Millionen männlichen Eintagsküken pro Jahr in Deutschland


Von Michaela Schneider
Würzburg
40 Millionen männliche Küken  werden in Deutschland Jahr für Jahr an ihrem ersten Lebenstag getötet und zu Tierfutter verarbeitet. Eier legen können sie nicht. Und der Hähnchenmäster will sie nicht, denn: Der männliche Nachwuchs der Legehennen bräuchte mehr Futter und würde langsamer heranwachsen als Masttiere. Und Fakt ist: Die meisten Verbraucher schauen gerade beim Lebensmitteleinkauf auf jeden Cent. Schon seit einigen Jahren sucht das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügelhaltung im unterfränkischen Kitzingen nach Alternativen zum ethisch kritischen Kükentöten. Das so genannte Stubenkükenprojekt scheiterte letztendlich am Verbraucherinteresse. Jetzt testen die unterfränkischen Wissenschaftler als erste weltweit, das Zweinutzungshuhn, das sowohl zur Eier- als auch Fleischproduktion taugt, unter kommerziellen Gesichtspunkten. Zum Welt-Ei-Tag am 10. Oktober ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand.


Doch zunächst ein Blick in die Geschichte: Auch früher gab es laut Klaus Damme, Leiter des Kitzinger Fachzentrums, fleisch- oder legeleistungsbetonte Tiere. Allerdings ließ sich bis in die 60er Jahre das Geschlecht der Tiere am ersten Lebenstag nur von Spezialisten anhand der Kloake bestimmen. Anhand sekundärer Geschlechtsmerkmale wie Kamm und Kehllappen gelang dies erst nach vier bis sechs Wochen. Die Hahnenküken wurden dann mit acht bis zehn Wochen geschlachtet und das Fleisch verzehrt. Darauf habe auch das Stubenkükenprojekt des Fachzentrums für Geflügelzucht von 2008 bis 2011 abgezielt: „Wir versuchten, männliche Legeküken in sechs bis acht Wochen aufzuziehen und als Ein-Mann-Portionen zu verkaufen“, sagt Damme. Mit ernüchterndem Ergebnis: Es fanden sich so gut wie keine Käufer, die meisten Stubenküken verzehrten die Mitarbeiter des Fachzentrums selbst.


Zurück in die Historie: Mit der Hybridzucht ab Ende der 60er Jahre – also der Kreuzung bestimmter Linien – wollte die industrielle Tierzucht die Geflügelproduktion optimieren, man merkte: Entweder taugt ein Tier für die Mast oder aber fürs Eier legen. Die Neuzüchtungen zeigten Erfolge. Während eine Durchschnittshenne in den 60er Jahren noch um die 250 Eier im Jahr produzierte, sind es heute bis zu 320. Doch brachte die strikte Trennung von Mast- und Legegeflügel eine unschöne Nebenwirkung mit sich: Seit das Geschlecht nach dem Schlüpfen bestimmt werden kann, werden hierzulande jährlich 40 Millionen männliche Küken der Legehybriden am ersten Lebenstag getötet.


Vermeiden ließe sich dies, wenn eine Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei erfolgen könnte und die Küken gar nicht erst ausgebrütet würden. Entsprechende Tests führt seit geraumer Zeit ein Forschungsteam an der Klinik für Vögel und Reptilien der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität  Leipzig durch, die Geschlechtsbestimmung am neunten oder zehnten Tag klappt inzwischen recht gut. Doch auch hier machen die Finanzen einen Strich durch die Rechnung: Die Kosten pro Test liegen bis dato über 50 Cent pro Ei – ein viel zu hoher Preis, um als Brüterei ökonomisch zu arbeiten.   


Ein weiterer Lösungsansatz: das Zweinutzungshuhn. Dafür kreuzen Züchter Lege- und Mastlinien mit der Zielsetzung: Hennen die viele Eier legen und Hähne, die dennoch genug Fleisch ansetzen. Hier dockt das Zweinutzungshuhn-Projekt in Kitzingen an. Über zwei Jahre untersuchen die Forscher seit 2013 am Fachzentrum für Geflügelzucht die Linien Lohmann Dual, Walesby Specials und Dominant Red Barred. Gefördert wird das Projekt über das Programm „Runder Tisch Tierwohl“ des Freistaates Bayern. Verschiedene konventionelle Aufzuchtverfahren wurden an den Tieren getestet, denn neben der Genetik beeinflussen auch Umweltfaktoren wie Licht und Futter den Mastverlauf.


Dass sich das Zweinutzungshuhn allgemein durchsetzen wird, bezweifelt Klaus Damme gerade mit Blick auf die höheren Produktionskosten. Vor allem die Fleischvermarktung hält er für schwierig – aus der Erfahrung mit den Stubenküken heraus und mit Blick auf die Nachfrage nach Ökofleisch: Die nämlich bewegt sich seit Jahren bei niedrigen 0,5 Prozent.  Trotzdem spricht er von einer „Marktnische, die möglicherweise primär für Ökobetriebe interessant werden könnte“. Die Nachfrage nach Ökoeiern steigt, aktuell liegt sie bei acht Prozent. Und so wird weitergeforscht werden in Sachen Zweinutzungshühner: An der Hochschule in Weihenstephan wird  seit Februar diesen Jahres – im Vergleich zur konventionellen  Aufzucht von „Dual Purpose Breeds“ in Kitzingen –die Ökoaufzucht getestet werden.

Klaus Damme, Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügelhaltung im unterfränkischen Kitzingen, zeigt: Die Eier von Zweinutzungshühnern sind kleiner als die Eier von Legehennen.


Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Pro und Contra in Sachen Zweinutzungshuhn – die Versuchsergebnisse aus Kitzingen


Diese Punkte sprechen gegen das Zweinutzungshuhn: Zweinutzungshennen legen laut Klaus Damme, Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügelhaltung, im Jahr 30 bis 40 Eier weniger, auch sind die Eier kleiner (viele S-Eier unter 53 Gramm) und dadurch schwieriger zu vermarkten.  Auch ist die Nestgängigkeit der Tiere nicht optimal, das führt zu einem recht hohen Anteil von Schmutzeiern. Und: Die Tiere sind schwerer, und brauchen daher möglicherweise mehr Platz im Stall. Hinzu kommt mit Blick auf die Mast: Zweinutzungshühner sind schlechtere Futterverwerter und es dauert mehr als doppelt so lang im Vergleich zum herkömmlichen Hähnchen, bis sie ihr Mastgewicht erreicht haben. Mehrkosten: rund 50 Prozent.


Diese Punkte sprechen für das Zweinutzungshuhn: Zum einen natürlich die ethisch-tierschutzrechtliche Seite, da die Küken nicht am Tag des Schlüpfens getötet werden. Auch hat sich gezeigt, dass die Tiere sehr ruhig und friedlich sind, es droht kein Kannibalismus. Schöne Folge: die Schnäbel der Hühner müssen nicht gekürzt werden. Das könnte in Zukunft eine Rolle spielen, denn ab 2017  soll nach einem Beschluss in Niedersachsen das so genannte Kupieren der Schnäbel bei Legehennen verboten werden. Auch eignen sich Zweinutzungshühner besonders gut für die Freilandhaltung, weil sie nicht hoch fliegen. Und: Weil schön fleischreich, ergeben die weiblichen Tiere, wenn sie ausreichend Eier gelegt haben, auch noch eine hervorragende Suppenhenne.

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