Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

„Man lernt, bescheiden und dankbar zu sein“
Das  Ehrenamt gewinnt in Kliniken zunehmend an Bedeutung – Zwei „Grüne Damen“
aus Würzburg und eine 35-jährige Hospizhelferin aus Aschaffenburg erzählen von ihrem freiwilligen Engagement


Von Michaela Schneider

Unterfranken Tage im Krankenbett können unsagbar lang sein. Manchem Patienten bleibt in der Klinik zu viel Zeit, um über die eigenen Sorgen nachzudenken. Und zu viel Zeit, um sich einsam zu fühlen. Der Tag von Ärzten und Pflegern ist indes durchgetaktet, im Akkord wird medizinisch versorgt, gepflegt und verpflegt. Zeit für intensive Gespräche bleibt kaum. Immer wichtiger wird für Kliniken daher das ehrenamtliche Engagement guter Seelen – angefangen bei Besuchsdiensten über mobile Bibliotheken bis hin zu Hospizhelfern, die Patienten während ihrer letzten Lebenstage begleiten.


Seit zwei Jahren unterstützt zum Beispiel Anja Schmitt aus Aschaffenburg Patienten während ihrer letzten Lebenstage. Die 35-Jährige ist ausgebildete Arzthelferin, diese Arbeit war für sie letztlich auch der Auslöser, sich mit der Hospizarbeit auseinanderzusetzen. „Im Empfang wollten Patienten mit mir immer wieder über Krankheiten wie Krebs und das Sterben sprechen, damit konnte ich nicht umgehen“, erinnert sie sich. Sie sei völlig überfordert gewesen, als sich eine Patientin von ihr verabschiedete, weil sie sterben werde. „Ich wollte nicht mehr in so eine Situation gerate. Ich wollte wissen, was man einem sterbenden Menschen sagt“, erzählt Schmitt. So wurde sie zu einer der derzeit 22 ausgebildeten Hospizhelfer, die an der Klinik Aschaffenburg Schwerstkranken und Sterbenden zur Seite stehen.


Wie wichtig das Engagement der Ehrenamtlichen ist, wissen auch die Mitarbeiter der Kliniken. „Der gesetzliche Auftrag eines Krankenhauses richtet sich auf Medizin und Pflege, auf Unterkunft und Verpflegung. Doch ein Mensch hat darüber hinaus gehende Bedürfnisse, um sich gut aufgehoben zu fühlen“, sagt Ulrike Strobel, Pflegedienstleiterin im Klinikum Aschaffenburg, ergänzt: „Er sucht jemandem zum Reden. Jemanden, der ihm die vergessene Pflegelotion von zuhause holt, ihm Briefmarken und die Zeitung vom Kiosk besorgt oder etwas vorliest.“


Am Universitätsklinikum in Würzburg kümmern sich um solche und ähnliche Dinge die so genannten „Grünen Damen“, ein Besuchsdienst der heuer sein 25-jähriges Bestehen feiert. 1989 von vier italienischen Frauen gegründet, besuchten diese zunächst vor allem italienische Landsleute im Krankenhaus. Schon bald wurde der Besuchsdienst auf Patienten aller Nationalitäten ausgeweitet, die Ehrenamtlichen erledigen kleine Einkäufe und kümmern sich um Organisatorisches. Sie nehmen sich Zeit für Gespräche und Zwischenmenschliches, lenken ab von Leid und Schmerzen und machen Mut, nach vorn zu blicken. Mitbegründerin der Grünen Damen war einst Maria Apel – bis heute ist die inzwischen 65-Jährige alle 14 Tage einen Nachmittag lang auf den Stationen unterwegs. Mit ihr sprechen müsse niemand, der Besuchsdienst  sei ein rundum freiwilliges Angebot.


Doch sehr oft werde die Möglichkeit dankbar angenommen, sich die Sorgen von der Seele zu reden.  „Man kann mit Fremden oft offener sprechen. Viele Patienten wollen die Angehörigen nicht noch mehr belasten oder sind dankbar, über familiäre Probleme reden zu können“, so Apels Erfahrung aus unzähligen, oft sehr tiefgehenden Unterhaltungen mit Patienten. Einblicke in fremde Leben und Sorgen, die zur eigenen Belastung werden können. „Es gibt Fälle, die mir sehr nahe gehen“, sagt die 68-jährige Ehrenamtliche Magda Strauß, etwa, wenn Ärzte bei jungen Patienten keine Heilungschancen mehr sähen. Doch sind sich die beiden Frauen einig, dass der langjährige Einsatz das eigene Leben trotzdem massiv bereichere: Man werde sehr bescheiden und dankbar, nehme Manches gelassener, lebe bewusster und bekomme von Patienten sehr viel zurückgeschenkt.


Zurück ans Klinikum Aschaffenburg. Die Liste der ehramtlich Engagierten liest sich hier - über die 22 Hospizhelfer hinaus - beachtlich: Rund 15 Personen besuchen im Zuge der ökumenischen Krankenhaushilfe Patienten auf allen Stationen. Sprechen mit ihnen und schweigen auch einmal gemeinsam; erledigen Besorgungen oder unterstützen bei kleinen Alltagsproblemen. Eine ausgebildete Helferin besucht zudem einmal wöchentlich eine der vier Intensivstationen und kümmert sich dort um die Angehörigen der Kranken.


Drei weitere Damen haben zudem eine mobile Bibliothek auf die Beine gestellt, laufen wöchentlich mit einem Bücherwagen über alle Stationen und versorgen Patienten mit Lektüre, Spielen oder Hörbüchern. In zwei Fördervereinen arbeiten Vereinsmitglieder, um Einzelkliniken im Klinikum zu unterstützen. Sie sammeln zum Beispiel Gelder, um Komfort und wünschenswerte Verbesserungen zu ermöglichen, die über die reine Krankenhausfinanzierung nicht abgedeckt wären. Oder sie organisieren kleine Aktionen wie zum Beispiel Vorlesenachmittage in der Kinderklinik.


Reicht das ehrenamtliche Engagement dabei als Ausgleich zum zunehmenden Zeit- und Arbeitsdruck der festangestellten Krankenhausmitarbeiter? „Mehr Ehrenamtliche wären sehr willkommen“, sagt Pflegedienstleiterin Ulrike Strobel. Denn schon allein aus demografischen Gründen verschärft sich die Situation weiter. Mehr und mehr Menschen, zunehmend in höherem Alter, leben alleine. Verwandtschaft wohnt weit entfernt, ein stabiles, soziales Netz aus Familie und Freunden fehlt, das während eines Krankenhausaufenthalts vor Ort unterstützt.


Als wesentlich betrachtet der Koordinator der Hospizgruppe Aschaffenburg, Steffen Naumann, dabei, dass ehrenamtliche Arbeit in funktionierende Strukturen eingebettet wird. Zu Beginn besuchen die angehenden Hospizhelfer deshalb einen Qualifizierungskurs. Und auch in ihrer Arbeit werden sie angeleitet, begleitet und unterstützt, ein Notfalltelefon ist für die Hospizhelfer eingerichtet und rund um die Uhr besetzt. Das weiß auch Hospizhelferin Anja Schmitt zu schätzen. „Wir bekommen klar gesagt: Das Wichtigste ist immer, dass es uns Helfern mit und in den jeweiligen Situationen gut geht.“ Ist dies der Fall, kann ehrenamtliche Arbeit das eigene Leben drastisch bereichern: Man erfährt viel über sich und das Leben. Ich habe gelernt, besser zuzuhören und habe begriffen, dass jeder Moment wichtig ist“, sagt sie.


Sieben Personen hat die 35-Jährige in den vergangenen Jahren begleitet, drei von ihnen bis ans Sterbebett. „Das ist auf jeden Fall ein Geben und Nehmen“, sagt die 35-Jährige. Sie gebe ihre Zeit, bringe vielleicht einmal einen Blumenstrauß mit und nehme dafür die Dankbarkeit von Menschen an, die sie ganz eng in ihr Leben und an ihre Trauer heranließen. Vor allem erinnere sie sich gern an eine 44-jährige Patientin, mit der sie Freizeit gestaltete, ins Theater ging und all das unternahm, was die Sterbenskranke im kurzen verbleibenden Leben noch einmal unternehmen wollte. „Sie ist für mich nicht gestorben, sondern hat mit mir gelebt“, sagt  Anja Schmitt. „Wir hatten eine superschöne, gemeinsame Zeit.“ Die 35-Jährige ist sich dabei der Bedeutung der Hospizarbeit sehr bewusst: „Das Personal hat nicht die Zeit, sich menschlichen Problemen anzunehmen. Dabei ist es extrem wichtig, dass für die Patienten am Ende ihres Lebens jemand da ist. Sie haben schlichtweg keine Zeit mehr, denn ein Morgen oder Übermorgen gibt es für sie nicht.“ Trotzdem bleibt Anja Schmitt selbst sehr bescheiden: „Meine Bekannten sagen manchmal: ‚Boa, dass Du das kannst….‘ Dabei mache ich doch gar nichts, ich bin nur da.“

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Der Artikel ist im  Magazin „Gesundheit“ erschienen,