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Verehrt, verflucht, verkannt?
Öffentliche Tagung beschäftigt sich mit Fürstbischof Julius Echter- Immer noch historisch umstrittene  
Persönlichkeit der Regionalgeschichte – Diskussion als Vorbereitung auf Ausstellung im Jahr 2017  


Von Michaela Schneider
Würzburg
„Fürstbischof Julius Echter - Verehrt, verflucht, verkannt?“: Unter diesem Motto steht eine öffentliche Tagung der Julius-Maximilians-Universität und des Würzburger Diözesangeschichtsvereins am 7. und 8. April. Tatsächlich zählt Echter bis heute zu den umstrittenen historischen Persönlichkeiten der hiesigen Regionalgeschichte. 2017 wird sich sein Todestag zum 400. Mal jähren, geplant ist dann ab Sommer 2017 eine Ausstellung im Museum am Dom. Die Tagung diene nun ein Stück weit auch als Vorbereitung, um die Diskussionen um Echter im Vorfeld zu reflektieren und die Ergebnisse in das Projekt einfließen zu lassen, sagt Dr. Wolfgang Weiß, Professor für Fränkische Kirchengeschichte an der Universität Würzburg und Vorsitzender des Diözesangeschichtsvereins.  


Viele Historiker, gerade auch Kirchenvertreter, scheinen sich an eine kritisch-sachliche Auseinandersetzung mit Julius Echter nicht so recht heranzutrauen. Woher kommt das?

Wolfgang Weiß: In der katholischen Bistumsgeschichtsschreibung und diözesanen Selbstwahrnehmung wurde Julius Echter über die Jahrhunderte sehr positiv gezeichnet. Heute dagegen hat man tatsächlich eine gewisse Angst, den Fürstbischof zu positiv darzustellen. Das Problem ist aber: Es handelt sich um eine Person aus dem 16. Jahrhundert, die wie ein Herrscher dieser Zeit agierte. Damit verbunden war zum Beispiel, dass ein konfessionell einheitlicher Staat für unabdingbar gehalten wurde und so in Würzburg die Protestanten ausgegrenzt wurden. Auch Juden hatten kaum Platz in diesen Gebilden. Hinzu kommt in jener Zeit im Hochstift Würzburg wie in anderen Territorien die irritierende Angelegenheit der Hexenprozesse. Kurzum: Zwischen Echter und uns steht der „Graben“ der Aufklärung. Es wäre aber verkehrt, ihn vornehmlich aus heutiger Sicht zu beurteilen.


Ins Wanken geraten ist das Echterbild aber eigentlich erst weit nach der Aufklärung…

Weiß: Echter war bis weit in die 1960er Jahre eine katholische Identifikationsfigur, das stimmt. Dann aber hat ein kollektiver Ablöseprozess vom lange prägenden traditionellen Katholizismus stattgefunden – von einer Kirche, die sich schwer tat in der Gegenwart anzukommen, gerade mit Blick auf Glaubensoffenheit. In der Zwischenzeit hat sich auch das Echterbild stark gewandelt. Inzwischen hat man regelrechte Hemmungen mit einer positiven Darstellung. Warum aber haben wir diese Berührungsängste? Die Frage beschäftigt mich selbst sehr. Vielleicht, weil Echter ein Stück weit in die Gegenwart hineinragt, in Straßennamen, in Gebäuden omnipräsent ist, gleichzeitig aber der Repräsentant eines alten Katholizismus ist, von dem man sich heute lieber distanziert.  


Trotzdem findet sich im Tagungstitel neben dem „Verflucht“ auch der Begriff „verehrt“. Warum?

Weiß: Fürstbischof Echter war mit Sicherheit ein bedeutender Herrscher und Kirchenreformer: Er gründete in der Stadt die Universität und das Juliusspital. Die Universität war so entwicklungsfähig, dass die Aufklärung hier tatsächlich greifen konnte. Auch eine moderne staatliche Fürsorge war nicht selbstverständlich. Und auf dem Land ließ er zahlreiche Spitäler errichten, Volksschulen aufbauen und gestaltete die Verwaltung effizient. Damit schuf er moderne Strukturen und prägte unter allen Würzburger Bischöfen Bistum und Hochstift am nachhaltigsten.  Er ist eine jener frühneuzeitlichen Herrscherfiguren, die sehr straff und hart regierten, aber auch etwas bewirkten.  


Das heikelste Kapitel in seiner Amtszeit dürfte die Hexenverfolgung gewesen sein. Welche Rolle spielte Julius Echter dabei?

Weiß: Das ist eine schwierige Frage, denn 40 Jahre lang war Würzburg unter Julius Echters Herrschaft eine regelrecht glückliche Insel, Hexenverfolgung gab es hier kaum. Dann plötzlich, am Ende seiner Regierungszeit, ändert sich dies. Das erstaunt umso mehr, weil er vorher vor Denunziationen warnte und faire Prozesse anmahnte. Vor allem im Gerolzhöfer Raum laufen die Dinge plötzlich aus dem Ruder, nicht unschuldig an der Entwicklung war wohl vor allem auch der dortige Zentgraf. Das soll Julius Echters Verantwortung nicht schmälern, denn er unterschrieb die Urteile. Zu jener Zeit war er allerdings gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe, vielleicht spielte dies eine Rolle, vielleicht nahmen andere nun stärker auf ihn Einfluss, zumal die jüngere Generation seiner Berater wohl hier rigoroser war. Die jüngere Forschung geht davon aus, dass Julius Echter eher vorsichtig agierte und auf eine rechtmäßige Behandlung der Dinge drängte, was aber bei dem damaligen reichsweiten Strafgesetzbuch ebenfalls nicht unproblematisch war. Sehr deutlich zeigen die Quellen, dass der Druck von unten aus der Bevölkerung sich verstärkte. Vor allem in dem Zusammenhang kann man davon ausgehen, dass Echter wohl etwas verkannt wurde – ein Grund für den Tagungstitel.


Am Ende des Tagungstitels steht ein Fragezeichen. Warum?

Weiß: Der Historiker neigt immer zur Vorsicht. Die Geschichte ist kein so offenes Buch, wie man landläufig glaubt. Daher das Fragezeichen.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Kirchenhistoriker Professor Wolfgang Weiß – und im Hintergrund Fürstbischof Julius Echter.

Foto: Michaela Schneider


Infokasten: Über die Julius-Echter-Tagung


Die Tagung „Fürstbischof Julius Echter – verehrt, verflucht, verkannt?“ findet am Donnerstag und Freitag, 7. und 8. April im Archiv und der Bibliothek des Bistums Würzburg (Domerschulstraße 13) statt. Eine Anmeldung ist noch bis zum 31. März möglich. Am 7. April um 19 Uhr steht zudem ein Festvortrag in der Neubaukirche zum Thema „Geistlicher Auftrag und politischer Nutzen. (Neu)Gründung und institutioneller Ausbau der Universität Würzburg durch Julius Echter“ auf dem Programm. Details und Anmeldung www.echter2017.de.