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Wohltäter und Geizkragen
Gästeführerin zeichnet ein sehr differenziertes Bild des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn


Von Michaela Schneider

Würzburg Im Unterfränkischen wird er von den einen gern als großer Wohltäter und „Landesvater“ gesehen: Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1545  1617), Begründer der Juliusspitalstiftung und der Würzburger Universität. Andere indes betiteln ihn als Geizkragen und bezeichnen ihn als machthungrig und gar als unmenschlich, denn: Er sparte an allen Ecken und Enden, um das Land aus der Verschuldung zu führen und ging als einer der großen Gegenreformatoren in die Geschichte ein. Unter seiner Herrschaft nahm die Hexenverfolgung neue Ausmaße an. Als eine entsprechend zwiespältige Person betrachtet auch Gästeführerin Monika Kania-Doerck den Fürstbischof. Am kommenden Sonntag, 8. Juni, wird sie sich unter dem Motto „Julius Echter – Wohltäter, Gegenreformator und Hexenjäger“ im Rahmen der StadtVERführungen der Würzburger Gästeführer in der Bischofsstadt auf seine Spur begeben.Treffpunkt: 15 Uhr am Hauptportal des Würzburger Doms.  


Befasst man sich mit Julius Echter, kommt man nicht umhin, zunächst auf seine zwei großen Gründungen zu schauen. „Das Juliusspital war seinerzeit eine gute, einmalige Institution, das muss man dem Fürstbischof lassen“, sagt Kania-Doerck. Datiert ist der Stiftungsbrief auf den 12. März 1579, die hölzerne Stiftungsurkunde kann bis heute in einem Durchgang des Juliusspitals betrachtet werden und zeigt, für wen die Einrichtung seinerzeit ins Leben gerufen wurde: für Arme und Kranke, um die sich kein Krankenhaus kümmerte; für Waisen, die sonst auf der Straße gelebt hätten.


Eine Stiftung also aus reiner Nächstenliebe? Monika Kania-Doerck verneint und betont: Bei allem, was Julius Echter Zeit seines Lebens tat, sei es ihm um den - aus seiner Sicht – einzig wahren Glauben gegangen. So war das Juliusspital als strikt katholische Anstalt konzipiert. Patienten etwa, die mehrfach den Krankenhausgottesdienst versäumten, wurden des Spitals verwiesen. Errichten ließ Julius Echter das Juliusspital – gegen alle Widerstände und mit aller Härte auf dem ersten jüdischen Friedhof der Stadt. Für Arme, Kranke und die Waisen trotzdem ein Segen – zumal Echter neben dem Juliusspital auch auf dem Land zahlreiche kleine Stifte errichten ließ.


Und auch die Universitätsgründung war laut Monika Kania-Doerck religiös motiviert. „Das Domkapitel wollte die Universität nicht“, sagt die Gästeführerin, fügt an: „Die Domherren wussten, dass diese viel Geld kosten wird. Julius Echter jedoch wollte die Studenten in der Nähe der glaubensstarken Jesuiten wissen.“ Studenten, die seinerzeit nicht älter als 14, 15 Jahre und noch leicht beeinflussbar waren.  Und so war es ihnen - statt wie an manch anderer Universität über humanistisches Gedankengut zu diskutieren - beispielsweise strikt verboten, bei Tisch religiöse Fragen zu erörtern.


Auf dem Land ließ der Fürstbischof Schulen errichten und die Kinder lernten neben Lesen und Schreiben auch den „rechten Glauben“. Untertanen, die diesen nicht annehmen wollten, mussten hohe Steuern zahlen oder aber das Land verlassen. Für den Fürstbischof ein einträgliches Geschäft: Zwar nahm der Landadel sein Geld mit über die Grenze, Ländereien und Weinberge aber wurden Teil des Stiftungsvermögens. Am Ende von Echters Regierungszeit sollten sich unter seiner Herrschaft zudem die Hexenverfolgungen intensivieren.


Auch scheut sich Gästeführerin Monika Kania-Doerck nicht, einen – wie sie betont persönlichen – Blick auf Julius Echters Charakter zu werfen. Auf jeden Fall sei er demnach geizig gewesen, sagt sie, und verweist unter anderem auf seine Bautätigkeit. So habe der Fürstbischof zwar 300 Kirchen umbauen oder komplett neu errichten lassen, jedoch alle „nach dem Schema F“. „Heute noch sieht man in fast jedem katholischen Ort, den gleichen Kirchturm“, so die studierte Kunsthistorikerin. Durch die einheitlichen Umbauten sei dadurch viel Romanik im Bistum zerstört worden.


Kania-Doerck sagt: „Geld was das Einzige, was Julius Echter tatsächlich liebte.“ Täglich sei er auf der Festung zu seinem Türmchen mit der Schatzkammer gegangen. Protestanten, Juden und Frauen indes habe er gehasst. So war es unter anderem selbst seiner Mutter und seiner Schwester verboten, den Marienberg zu betreten. Und die Gästeführerin geht noch einen Schritt weiter: „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Echter sich sogar selbst hasste. Lachen bezeichnete der Fürstbischof als Verschwendung und lebte als absoluter Asket.“


Einmal, im Alter von 73 Jahren, habe sich der Fürstbischof überliefert dem Feiern und dem Genuss hingegeben. Dies allerdings sei ihn teuer zu stehen gekommen. Im September 1617 richtete er demnach eine Doppelhochzeit für eine Nichte und einen Neffen aus. Ob er sich nun an einem Kürbiskern verschluckte, beim Verzehr einer Melone verkühlte, oder bereits krank war, sei dahingestellt. Julius Echter musste die Feier verlassen und sich ins Bett legen. Zehn Tage später starb er.

Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.

Gästeführerin Monika Kania-Doerck im Hof des Juliusspitals.


Fotos: Michaela Schneider

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