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Ebola: „Folgen werden uns erst jetzt klar“
Seuche steht nicht mehr im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit – Experte blickt zurück,
wo es beim Einsatz vor Ort hakte, räumt mit Mythen auf und blickt auf künftige Herausforderungen  


Von Michaela Schneider
Würzburg
Über Monate beherrschte die Ebola-Epidemie in Westafrika auch die hiesigen Medien. Inzwischen steht Ebola nicht mehr im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. Jetzt gab die Bundesregierung bekannt, dass sie den Krisenstab auflöst, der seit Herbst 2014 die deutsche Hilfe koordiniert hatte. Laut Weltgesundheitsorganisation lag die Zahl an Neuinfektionen Anfang Mai bei nur noch etwa 30 pro Woche in den drei Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia. Einer, der die Ereignisse der vergangenen Monate immer wieder auch vor Ort miterlebt hatte, ist Professor Dr. August Stich, Chefarzt der Tropenmedizin am Missionsärztlichen Institut in Würzburg. Zudem hatte die Klinik medizinisches Personal in Kursen für den Einsatz vor Ort in Westafrika geschult. Beim Tropenmedizinischen Kolloquium des Instituts war es Stich ein Anliegen, mit Mythen rund um Ebola aufzuräumen. Zudem sprach er über die erschwerten Arbeitsbedingungen für die Teams vor Ort.


„In Talkshows fielen Sätze wie: Die Menschen essen Affen, die sind selber schuld“, kritisiert Stich. Dass der Auslöser für die Epidemie der Verzehr von Buschwild gewesen sei, benennt der Tropenmediziner jedoch als Mythos. Zwar starben bei früheren Ebola-Epidemien unter Menschen in der Vergangenheit oft auch parallel Buschtierbestände. Diesmal aber war dies nicht der Fall. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Krankheit von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde. Als erstes erkrankt war ein kleiner Junge aus einem Dorf in Guinea. Er hatte zuvor eine Fledermaus in einem Baum gefunden und mit dem Tier gespielt. Die Regierung von Guinea hatte nach Ausbruch der Epidemie dennoch den Verzehr von Buschwild wie Antilopen, Affen, Ratten und Fledermäusen verboten. Problematisch laut Stich: Damit fiel eine wesentliche Eiweißquelle für die Menschen weg.


Wie hoch also ist die Epidemie-Gefahr, die generell vom Buschwild ausgeht? Zu unterschätzen ist sie nicht, tatsächlich steigt laut Stich das Risiko, dass Menschen mit Buschwild in Kontakt kommen. Der Grund aber liege nicht im Fleischverzehr, sondern daran, dass Regenwald und Siedlungen näher aneinander rücken. „Und weil wir alle den Regenwald zu uns holen in Form von Rohstoffen“, ergänzt der Tropenmediziner. „Jeder trägt zum Beispiel ein Stück Kongo mit sich herum“, verweist er auf  das aus dem Erz Coltan gewonnene Metall Tantal als wichtigen Bestandteil in Handys oder Laptops. Ein heikles Thema, denn der Bergbau im Kongo wird inzwischen weitgehend von Rebellen kontrolliert,  diese finanzieren den seit zwei Jahrzehnten tobenden Krieg heute über den Verkauf des lukrativen Metalls.


Und auch in Sierra Leone, einem der Ebola-Zentren, spricht man mit Blick auf die dortigen Rohstoffvorkommen von „Blutdiamanten“, denn bis ins Jahr 2002 erschütterte mehr als ein Jahrzehnt ein grausamer Bürgerkrieg das Land. Die Nachwirkungen machten sich laut Stich auch im Kampf gegen die Ebola-Epidemie bemerkbar. Die Schulen im Land waren über viele Jahre geschlossen, 80 Prozent der Menschen sind Analphabeten. Konsequenz für die Helferteams: Flugblätter zur Aufklärung funktionierten nicht. Hinzu kommt: Militärische Kräfte sollten im Kampf gegen Ebola unterstützen. „Doch Militär ist für die Bevölkerung mit einem Trauma verbunden“, so der Mediziner. Und so schlug Helfern oftmals ein allzu verständliches Misstrauen entgegen. Mütter fürchteten, man nehme ihnen die Kinder weg. Als sehr schwierig erwies sich auch zu vermitteln, dass die für die Menschen sehr bedeutsamen rituellen Bestattungen nicht mehr möglich sind. „Aus Misstrauen zogen Menschen in die Städte in Slums. Hier war Ebola aber erst recht nicht in den Griff zu bekommen“, sagt Stich.


Harsche Kritik übt der Tropenmediziner vor allem an der Internationalen Gemeinschaft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei in den vergangenen Jahren durch Mittelkürzungen systematisch geschwächt worden, Experten reagierten letztlich viel zu spät auf den Ausbruch der Epidemie. Dass sich Ebola gerade im Länderdreieck Guinea, Sierra Leone und Liberia so rasch verbreiten konnte, führt Stich übrigens vor allem auch darauf zurück, dass die drei Länder durch einen Volksstamm verbunden sind. Hinzu kommt: Durch Buschtaxis sind die Menschen heute sehr mobil geworden.


Wie aber steht es inzwischen um die Epidemie, die bis Anfang Mai laut WHO fast 11000 Menschenleben gefordert hatte? „Ebola ist noch nicht vorbei, auch wenn es in den Medien ruhig geworden ist“, sagt Stich. Aber das Zentrum habe sich zum Ausgangspunkt zurückbewegt. Allerdings sieht Stich neue Aufgaben auf die Internationale Gemeinschaft zukommen: „Ebola hat ungeheuer viel angerichtet, die Folgen werden uns jetzt erst klar“, sagt er. Überlebende werden stigmatisiert. Waisenkinder werden nicht mehr die die Dorfgemeinschaft aufgenommen. In etlichen Gebieten ist das Gesundheitssystem aus Angst vor Ansteckung völlig zusammengebrochen. „Keiner lässt sich mehr auf einen Kaiserschnitt ein, es gibt keine Massenimpfungen mehr“, sagt der Arzt und ergänzt: „Wir brauchen Geld und wir brauchen neue Methoden, um das Gesundheitssystem in Afrika zu stärken.“


Neue Bedrohungen können indes letztendlich aus allen Ecken der Welt kommen. SARS brach seinerzeit in Hongkong aus, forderte rund 1000 Tote, konnte aber durch Hygienemaßnahmen besiegt werden. Seit 2012  beobachten Mediziner laut Stich vereinzelte Fälle von Kamelseuche, im laufenden Jahr nahmen diese auf der Arabischen Halbinsel mit einer Todesrate von 50 Prozent zu – und damit in einer Region, in der viele Geschäftsreisende aus aller Welt unterwegs sind.  Klare Kritik übt der Tropenmediziner an der bagatellisierenden Aussage, Infektionskrankheiten habe es immer schon gegeben. Das stimme zwar, sagt Stich, fügt hinzu: „Heute aber geschieht deren Ausbreitung mit der Geschwindigkeit von Düsenfliegern.“

Der Artikel  ist unter anderem  im  Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

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Infokasten: Wie Ebola übertragen wird


Das Ebolavirus kann von Mensch zu Mensch sowie Tier zu Mensch übertragen werden. Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Blut, Speichel, Stuhl, Urin oder Erbrochenem – oder eben auch über Gegenstände wie Kleidung, Bettwäsche, Operationsbesteck oder zum Beispiel ein Jagdmesser, die mit infektiösen Flüssigkeiten in Kontakt standen.  Erst wenn Symptome auftreten, sind mit dem Ebolavirus infizierte Menschen ansteckend.