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„Puls der Geschichte muss spürbar werden“
 Mainfrankentheater lädt drei Jungautoren zu einem Workshop mit dem Schriftsteller John von
Düffel ein, um eine Bühnenfassung des Leonhard-Frank-Werks „Die Jünger Jesu“ zu erarbeiten


Von Michaela Schneider

Würzburg Mit Thomas Manns „Buddenbrooks“ erleben Würzburger derzeit eines der großen literarischen Epen auf der Bühne des Mainfranken Theaters. Verfasst hat die Romanadaption der Dramaturg, Essayist und Romancier John von Düffel.  Um eine Romanadaption und John von Düffel wird es in der Bischofsstadt nun auch noch in anderer Hinsicht gehen: Ende Mai lädt das Mainfranken Theater im Zuge des Leonhard-Frank-Preises drei Jungautoren zu einem Workshop mit dem 47-jährigen Schriftsteller ein. Erarbeitet werden dabei Bühnenfassungen des Leonhard-Frank-Romans „Die Jünger Jesu“. Die beste Romanadaption wird im Folgejahr in den Kammerspielen uraufgeführt. Erste Einblicke in die Arbeiten erhält das Publikum am 31. Mai im Rahmen einer szenischen Lesung.


Wie bringt man einen so epischen Stoff wie die Buddenbrooks auf die Bühne?

John von Düffel:  Die handwerkliche Seite ist natürlich das eine.  Wichtig ist aber vor allem, einen inhaltlichen Punkt zu finden, warum man gerade diesen Stoff auf der Bühne erzählen möchte. Es reicht nicht zu sagen: Das ist ein großer Roman und die Leute werden schon ins Theater kommen…  Bei den Buddenbrooks geht es um Werte und Werteverfall, um eine Umbruchszeit und die großen Ängste und Hoffnungen der Menschen. Hat man die zentrale Fragestellung für sich erarbeitet, geht es als nächstes darum, die wesentlichen Inhalte herauszufinden. Was will man dem Publikum erzählen, wo liegt das primäre Interesse? Eine Romanbearbeitung ist keine Nacherzählung eines Romans, dann könnte man diesen auch einfach lesen…


Was unterscheidet eine Romanadaption für die Bühne von einer reinen Nacherzählung?

von Düffel: Es geht bei der Bühnenfassung darum, die Berührungspunkte zwischen dem Publikum und dem Stoff zu finden. Was an der Geschichte geht uns etwas an? Was löst Furcht, Mitleid, Interesse, Emotion oder Nachdenken aus? Im Theater muss der Puls der Geschichte, der brennende Punkt spürbar werden. Natürlich sagen manche Kritiker, die Werke der großen Autoren seien heilig und dürften nicht angefasst werden. Ich indes denke: Es schadet keinem, wenn ein Besucher aus dem Theater geht und sagt: Den Roman will ich lesen! Ganz wichtig ist: Eine Bühnenfassung ist kein Leseersatz und auch keine reine Aktualisierung der Thematik.


Wenn Sie die zentrale Fragestellung herausgearbeitet haben: Wie geht es weiter?

von Düffel: Als nächstes hinterfrage ich: Wer sind die entscheidenden Figuren, wer hat Mehrdimensionalität, Widersprüche und durchläuft eine Entwicklung? Ein guter Gradmesser für die Auswahl ist die schlichte Frage: An welche Figuren aus dem Roman erinnere ich mich? Als nächstes arbeite ich die dynamischen, dramatischen Situationen heraus, in denen sich die Figuren zeigen, die sie unter Stress setzen oder die zum Beispiel Beziehungen durcheinander bringen. Diese Situationen sorgen auf der Bühne für Veränderungen. Zuletzt werden die Situationen miteinander verbunden.


Wie kam es eigentlich zur Kooperation mit dem Mainfranken Theater mit Blick auf die Autorenwerkstatt?

von Düffel: Das Mainfranken Theater hat die „Buddenbrooks“ auf den Spielplan genommen, deshalb waren mein Name und das Thema Romanadaption wohl präsent. Als man mich gefragt hat, ob ich im Zuge des Leonhard-Frank-Preises eine Autorenwerkstatt leiten möchte, habe ich mir gesagt: Das interessiert mich. Ich bin gespannt, mit welchen unterschiedlichen Lesarten die Jungautoren an die Bühnenfassung des Leonhard-Frank-Romans „Die Jünger Jesu“ herangehen.


Wo liegt für Sie der Reiz des Romans „Die Jünger Jesu“?

von Düffel:  „Die Jünger Jesu“ spielt im Frühjahr 1945 in Würzburg und dokumentiert die Zeit und das Lebensgefühl der Stadt. Das Theater hat mit einer Bühnenfassung die Möglichkeit, Stadtgespräch zu erzeugen und dem Zuschauer die Geschichte seiner Stadt, seiner Vergangenheit zu erzählen. Er kann und wird vieles wiedererkennen. Natürlich könnte man so ein Thema als Lokalroman abtun. Aber auch die Buddenbrooks sind im Prinzip ein Lokalroman, es geht um Lübeck und seine Geschichte. Beim Blick aufs Detail merkt man aber: Lübeck kann überall sein und der Stoff ist selbst auf Bühnen in Japan zu sehen. Das kann auch in Würzburg funktionieren!


Wie wird die Autorenwerkstatt  ablaufen?

von Düffel: Die angehenden Dramatiker reichen Arbeitsproben ein, drei Kandidaten werden von einer Fachjury für den Workshop ausgewählt. Ich selbst bin nicht in dieser Jury. Da die Teilnehmer Wettbewerbskandidaten sind, werde ich nicht mit ihnen gemeinsam, sondern mit jedem einzeln während der drei Workshoptage an der Bühnenfassung der „Jünger Jesu“ arbeiten. Ich will versuchen, jeden Kandidaten so weit wie möglich voran zu bringen. Wer dann am Ende den Leonhard-Frank-Preis gewinnt und wessen Stück im Sommer 2015 in den Kammerspielen des Mainfranken Theater uraufgeführt wird, entscheide nicht ich, das entscheidet die Fachjury.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Szenische Lesung


Die Autorenwerkstatt des Mainfranken Theaters findet vom 29. bis 31. Mai statt. Erste Einblicke in die Arbeiten erhält das Publikum am 31. Mai in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters im Rahmen einer szenischen Lesung mit Mitgliedern des Schauspielensembles. „Die Jünger Jesu – Lesung aus der Autorenwerkstatt“ beginnt um 20 Uhr.