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Foto: Michaela Schneider

Kostbarkeiten aus dem Hause Dürrnagel
Der  Würzburger Hobbyhistoriker und leidenschaftliche Sammler zeigt im Spitäle
eine Auswahl an Gemälden, Kuriositäten, Objekten und Schriftstücken aus seiner riesigen, privaten Sammlung

 

Von Michaela Schneider

Würzburg/Mainfranken Man wird schier erschlagen, betritt man das Spitäle in Würzburg. Wie viel Gemälde hier an den Wänden hängen, wie viele Bücher, Schriftstücke, Objekte und kuriose Kostbarkeiten aus mehr als 150 Jahren in den Vitrinen liegen, habe er noch nicht nachgezählt, sagt Willi Dürrnagel. Nur so viel ist klar: In seiner Ausstellung zeigen würde der Stadtrat und leidenschaftliche Sammler den Würzburgern am liebsten noch viel, viel mehr. Es geht im Spitäle bis einschließlich 20. Oktober  um Kunst aus der Heimat und um Stadt- und um Sozialgeschichte, gerade auch die Nachkriegszeit lebt hier auf. Und vor allem geht es um den Organisator selbst, der zu fast jedem Ausstellungsstück eine eigene Geschichte erzählen kann. Nicht umsonst ist die Ausstellung ganz schlicht „Sammlung Willi Dürrnagel“ betitelt.


Etwa ein Drittel seiner Fundstücke sei im Spitäle zu sehen, sagt Dürrnagel. Dann aber schränkt er gleich ein: Natürlich spreche er nur von den etwa 500 Bildern – und nicht von den rund 5000 Würzburg-Postkarten, auch nicht von seinen 50000 Büchern mit Bezug zu Würzburg und Mainfranken, die sich bei ihm daheim auf drei Stockwerken angesammelt haben. Und erst recht nicht von den ungezählten kleinen Fundstücken, Zeitschriften und Kuriositäten, die Willi Dürrnagel in mehr als 20 Jahren zusammengetragen hat. Zum Beispiel Tanzkärtchen, ein Plakat des ersten Vorläufers des Mozartfests von 1921, Objektentwürfe aus Gips – unter anderem vom umstrittenen Kriegerdenkmal im Husarenwäldchen, hübsch bemalte, private Briefe der Illustratorin Elisabeth Scheuring oder auch die mächtigen vier Bände „Alte Sammlungen der hochfürstlich-würzburgischen Landesverordnungen“ aus dem Jahr 1776. Willi Dürrnagels Sammelleidenschaft kostet dabei nicht nur Geld, sondern vor allem auch sehr viel Zeit: Viele Dinge spüre er im Internet auf, 40 bis 50 Tage im Jahr  stöbere auf Flohmärkten in Unterfranken, erzählt der 66-Jährige.


Nun aber ein Blick auf die Objekte selbst. Dürrnagel zeigt Bilder regionaler Künstler, die meisten von ihnen sind oder waren Mitglied in der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU). Da fallen beim Rundgang unter anderem Namen wie Gertraud Rostosky, Josef Versl, Curd Lessig, Michael und Willi Greiner. Auch ein Werk von Heiner Dikreiter, Gründer der Städtischen Galerie Würzburg, ist zu sehen.  Eine eigene Wand widmet Dürrnagel dem deutschen Maler und Holzschneider Albert Banska – der gehöre nun mal zu seinen persönlichen Lieblingskünstlern, verrät der 66-Jährige.


Dass sich Kunst mit Historie in der Ausstellung vermischt, ist für Dürrnagel fast schon selbstverständlich: Künstler aus der Region hätten auch Firmenplakate gestaltet oder zum Beispiel Meisterbriefe. Ein besonders schönes Exempel hängt an der Wand:  Der Meisterbrief eines Schneiders aus dem Jahr 1937, im Hintergrund ist die Würzburger Festung zu sehen. Und so ermöglicht der Fokus auf die Kunst des 20. Jahrhunderts zugleich überaus spannende Einblicke in Würzburgs Firmengeschichte, wie sie so geballt in einer einzigen Vitrine vielleicht noch nie zu erleben waren. Ein alter fränkischer Lese- und Rechenkasten, ein Briefbeschwerer der Münzschule aus dem Jahr 1914, die Zeitung „Königlich-Bayerisches Intelligenzblatt“, eine Mainglanz-Kernseife, eine Bierflasche der Weißbierbrauerei und etliche weitere Objekte, Firmenbroschüren und Heftchen tummeln sich dicht auf dicht auf zwei Vitrinenetagen.


Um auch nur ansatzweise zu erfassen, wie viele Kostbarkeiten die Ausstellung birgt, ist es fast unabdingbar, mit Willi Dürrnagel selbst von Wand zu Wand und Vitrine zu Vitrine zu gehen und jede Menge Zeit mitzubringen. Er wolle, wenn möglich, laufend da sein und Führungen machen, verspricht der 66-Jährige.


Ziemlich lange hält er inne vor einer Vitrine, die sich rund um den deutschen Dichter und Schriftsteller Max Dauthendey dreht. Ein Büchlein in der Mitte, das er auf einen Tipp hin auf einem Flohmarkt entdeckt hat, gleicht vermutlich einer kleinen Sensation: Es handelt sich um den erst nach Dauthendeys Tod erschienen Band „Letzte Reise. Aus Tagebüchern, Briefen und Aufzeichnungen“. Das Besondere: Im Buch befinden sich – per Hand eingeheftet – Fotografien, die tatsächlich während Dauthendeys Aufenthalt auf Java aufgenommen wurden, zudem eine Auswahl an handgeschriebenen Briefen.  Diese „Letzte Reise“ könnte in der Tat eines der wertvollsten Stück in der Ausstellung im Spitäle sein. Aber zu entdecken gibt es viel, viel, viel mehr - eine Führung lohnt.


„Es bringt doch nichts, wenn die Sachen nur bei mir rumliegen“, sagt Willi Dürrnagel ganz schlicht über seine Motivation zur Ausstellung. Ein bisschen schwingt zudem die Hoffnung mit, auf den ideellen Wert der Sammlung für Würzburg aufmerksam zu machen. Er überlege sich natürlich, was eines Tages mit den ganzen Objekten geschehe, sagt der 66-Jährige. Und ein klein wenig blickt er dabei auch in Richtung Festung auf die angedachte Neukonzeptionierung des Mainfränkischen Museums.  An Geld sei er nicht interessiert. Aber die neuere Stadtgeschichte sei bis dato von städtischer Seite her kaum aufgearbeitet. Sollte dies eines Tages nachgeholt werden, dürften Historiker an der Sammlung Dürrnagel ihre helle Freude haben.


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über die Ausstellung im Spitäle


Geöffnet ist die Ausstellung mit Willi Dürrnagels Schätzen im Spitäle nahe der Alten Mainbrücke in Würzburg bis einschließlich 20. Oktober Dienstag bis Donnerstag von 11 bis 18 Uhr, Freitag von 11 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 11 und 18 Uhr. Willi Dürrnagel will so oft wie möglich selbst vor Ort sein, doch können Führungen auch im Vorfeld gebucht werden. Terminvereinbarungen unter der Telefonnummer 0931/82920.