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Wettlauf gen Himmel

von Michaela Schneider

 

Schneller, größer, weiter. Die Welt schien für Paula ins Wanken zu geraten, ihr Blick wanderte in schwindelerregende Höhe. In unfassbaren 828 Metern stupste die Spitze des Burj Khalifa den abendlichen Himmel. Die riesigen Wolkenkratzer daneben wirkten wie putzige Zwerge.  Dubai: Stadt der Extreme. Eine funkelnde Fantasiewelt, die doch so greifbar real war. Ein riesiger Vergnügungspark, in dem Rekorde den Alltag prägten.

 

Zwei Tage erkundete Paula das Wüsten-Emirat inzwischen. Sie war durch den größten Gold-Bazar der Welt gebummelt und hatte sich blenden lassen von Bergen an Goldarmreifen, Kettchen und blinkenden Diamanten. Die Dubai Mall, weltgrößtes Shopping-Center mit unzähligen Luxusläden, hatte die junge Frau kopfschüttelnd staunen lassen. Völlig skurril hatten anschließend die dick eingepackten Winterwanderer in Ski Dubai, dem größten Indoor-Skigebiet im Nahen Osten, gewirkt bei 36 Grad Außentemperatur.  Dort, wo Mutter Natur einst eigentlich Wüste geschaffen hatte.

 

Weiter mit dem Skytrain auf Palm Jumeirah, ein riesiges, künstlich geschaffenes Wohngebiet im Meer in Form einer Palme. Eine Fahrt inklusive Blick auf den Burj al Arab – das erste 7-Sterne-Hotel der Welt. Dann weiter mit Dubais Metro, schließlich ist sogar diese gut für einen Rekord: Längstes fahrerloses Gleisnetzwerk hatte Paula unterwegs im Reiseführer nachgelesen. Da stand übrigens auch: Bis 2030 soll Dubai Waterfront fertiggestellt sein – längstes von Menschen erschaffenes Ufer der Erde.

 

Die künstlich geschaffene Millionen-Metropole erschien Paula wie ein riesiges Disneyland – funkelnd, leuchtend, unwirklich. Die junge Frau war beeindruckt – doch so richtig wohl fühlte sie sich nicht. Die Stadt wirkte auf sie wie das Babel der Gegenwart mit dem 828 Meter hohem Burj Khalifa als greifbarem Sinnbild.  Eine Stadt mit beschleunigtem Pulsschlag im Rekorderennen. Den Bankrott hatte man wohl gerade noch umschiffen können, trotzdem kamen in Paula Zweifel auf. Irgendwann musste der hochmütige Wettlauf gen Himmel an menschliche Grenzen stoßen.   

 

Einem Impuls folgend winkte Paula ein Taxi heran. Gut 50 Kilometer seien es bis zum Wüstenrand, erklärte ihr Fahrer Achmed. Ja sicher werde er auf sie warten und sie später zurück in die Stadt bringen, wenn sie’s wünsche und zahle. Paula kletterte auf die Rücksitzbank des Fahrzeugs. Als Wolkenkratzerriesen, blinkende Reklamen und ständiger Straßenlärm langsam verblassten, spürte Paula nach zweieinhalb Tagen erhöhtem Pulsschlag  Ruhe.

 

„Ich warte hier, Du kannst ein paar Schritte gehen“, sagte Achmed. Paula atmete tief durch, lauschte in die Stille und lief los. Dann wanderte ihr Blick wie schon am frühen Abend erneut in die Höhe. Abertausend Sterne ließen ein atemberaubendes Weltendach leuchten. Die junge Frau dachte an die vielen allzu menschlichen Versuche, in den Himmel zu streben, und schmunzelte.

 

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen.