Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Dornröschen-Krimi für Erwachsene
Ballettcompagnie des Mainfranken Theaters präsentiert zu Tschaikowski-Klängen einen
fesselnden Entführungskrimi – Choreographin Anna Vita transportiert Märchenstoff in die reale Welt


Von Michaela Schneider

Würzburg Gewalt, Verbrechen, Sex und ein Psychopath, der am Ende weiterwüten darf: Gemeinhin nicht die Hauptelemente, die man mit einem märchenhaften Ballett des 19. Jahrhunderts verbindet. Bei der Dornröschen-Ballettpremiere zur Musik von Peter Tschaikowski im Mainfranken Theater in Würzburg überraschten Choreografin Anna Vita und ihre zwölfköpfige Compagnie das Publikum mit einer Inszenierung, die auf den ersten Blick wenig gemein hat mit dem bekannten Grimmschen Stoff. Denn: Anna Vita entschlüsselt in ihrem Entführungskrimi die Märchenmetapher und erzählt die Geschichte eines zur Frau werdenden Mädchens, dem Jugend und Schönheit zum Verhängnis werden. Erwähnt sein sollte: Kindgerecht ist diese Dornröschen-Variante nicht, aber überaus sehenswert. Am meisten Applaus zollt das Publikum am Ende dem Bösewicht Carabosse, getanzt von Ivan Alboresi.


Als inhaltliche Vorlage diente auch schon dem Autor des Werks, dem Choreografen Marius Petipa, im ausklingenden 19. Jahrhundert nicht die Grimmsche Dornröschen-Version, sondern deren französischer Vorläufer „Die schöne Schlafende im Walde“ von Charles Perrault.  Während Petipa seinerzeit allerdings ganz bewusst das Märchenhafte verherrlichte, macht sich Würzburgs Choreografin auf die Suche nach den Verbindungslinien zwischen Märchen und realer Welt.


Zur Handlung: Aurora (Kaori Morito) feiert mit Freunden ihren 15. Geburtstag. Zu Gast ist auch ihr Rosen sammelnder Nachbar Carabosse (Ivan Alboresi). Aurora betrachtet er als schönste aller Rosen, entführt das Mädchen und sperrt sie in einen Käfig. Ihre Freunde und vorneweg ihr Freund Désiré (Timothy Szczepkowski-Collins)suchen sie verzweifelt, aber erfolglos. Carabosse bedrängt und vergewaltigt Aurora und schottet sie über Jahre hinter einer Dornenhecke von der Außenwelt ab. Der 100-jährige Märchenschlaf verwandelt sich in Würzburg für Aurora in den Alptraum ihrer Entführung. Am Ende erwartet das Publikum immerhin ein halbes Happy End: Désiré gelingt es doch noch, seine Aurora zu befreien. Carabosse allerdings kann entkommen – und entführt das nächste Opfer.


Choreografisch  gelingt Anna Vita – wieder einmal – eine wunderbare Kombination aus klassischem Ballett und vielen modernen Elementen. Das Publikum kann vor allem in den Pas de Deux Originales aus Marius Petipas Choreografie von 1890 entdecken. Zauberhaft etwa der bekannte Tanz des blauen Vogels mit Ran Takahashi und Alksey Zagorulko. Am modernsten und zugleich beeindruckendsten präsentiert sich beim Premierenabend Ivan Alboresi als Psychopath Carabosse auf der Bühne.  Er beeindruckt dabei nicht nur tänzerisch, sondern vor allem auch als Schauspieler. Wahnsinn funkelt in seinen Augen, er lacht fies, bewegt sich lüstern, vergewaltigt brutal. Kurzum gibt er einen Mann, dem eine Frau im schlimmsten Alptraum nicht begegnen möchte und der gerade als Inbegriff des Bösen auf Würzburgs Bühne fasziniert. Zugleich leidet das Publikum mit Kaori Morito in der Rolle der Aurora mit. Verzweifelt und sehnsüchtig, mal apathisch, mal kämpferisch  tanzt sie sich durchs Handlungsballett und verwandelt sich im Laufe des Abends vom unschuldigen, ausgelassenen Mädchen in eine misshandelte Frau.


Anna Vitas besondere Leistung an diesem Abend: Trotz des überaus schweren Stoffs gelingt es ihr und ihrer Kompagnie, die Bühnenästhetik durchweg zu wahren – unter anderem auch durch eine Fülle liebenswerter Details. So tummeln sich in zwei Szenen Kinder der Ballettschulen Nölke und Ratiu auf der Bühne. Bei der Geburtstagsfeier gleich zu Beginn wird den Mitgliedern der Ballettcompagnie die Chance eingeräumt, sich sehr individuell zu präsentieren, wenn sie ihre Geschenke überreichen. In den Gruppenszenen mag es manchmal einen Tick an Exaktheit fehlen, schön und ideenreich sind sie trotzdem – etwa, wenn Aurora und Carabosse auf der Bühne ihren Mehrfach-Spiegelbildern begegnen.


Ein Übriges leisten das eher schlicht gehaltene Bühnenbild von Stefan Morgenstern und Kristopher Kempfs Kostüme.  Hohe Säulen erinnern an ein Märchenschloss, eine steinerne Mauer mit Rosen an überwucherte Schlossmauern. Zum Kerker wird für Aurora ein vergitterter Glaskasten. Farbe bekommt die Szenerie zum Beispiel durch bunte Geschenke, wunderbare Lichteffekte oder einen Rosenblätter-Regen. Die schwerelos wirkenden, zarten, aber herrlich farbenfrohen Kostüme der Tänzer vermitteln Unschuld und Jugend und stehen im ansprechenden Kontrast zum düsteren Kerker-Ambiente. Das Philharmonische Orchester Würzburg unter dem Dirigat von Enrico Calesso lässt das Publikum zusätzlich eintauchen in Bühnendramatik, sehnsuchtsvolle Melodien und die Opulenz eines Tschaikowski-Werks, drängt  sich aber nie auf. Das Handlungsballett und der Tanz stehen, ganz so wie es sein soll, im Vordergrund.


Fazit: Mit Anna Vitas Dornröschen-Variante präsentiert das Mainfranken Theater einen sehenswerten Ballettabend voller ästhetischer Bilder und einen dramatischen, bis zur letzten Minute fesselnden Krimi. Verdienter, lang anhaltender Applaus am Ende der Premiere.


Dauer: 135 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 15 Uhr:  08.06./ 22.06.; 19.30 Uhr:  14.06./ 17.06./ 25.06./ 06.07./ 16.07./ 18.07.

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this