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Astronautentraining im Meteoritenkrater

Ein 14,5 Millionen Jahre altes Himmelsgeschoss prägt den Landkreis Donau-Ries bis in die Gegenwart


Von Michaela Schneider


Mit 70000 Stundenkilometern raste das Himmelsgeschoss auf die Erde zu. Der Meteorit mit einem Durchmesser von rund einem Kilometer prallte auf die Erdoberfläche, durchschlug diese und bohrte sich 600 Meter in sie hinein. Gesteinsschichten zerbarsten bis in eine Tiefe von sechs Kilometern. Das so genannte Ries-Ereignis geschah rund 14,5 Millionen Jahre vor unserer Zeit - und prägt die Landschaft im Landkreis Donau-Ries bis heute. Doch zu bieten hat dieser weit mehr als seinen über die Landkreisgrenzen reichenden Rieskrater – zum Beispiel mit 61 Prozent die höchste Beschäftigungsquote in Bayern mit Airbus Helicopters in Donauwörth als größtem Arbeitgeber.  Beim Regionen-Check des Magazins „Focus“ – schaffte er es unter 402 Regionen auf den dritten Platz und zählt damit zu den lebenswertesten Gegenden Deutschlands.   


Der nördlichste unter den Landkreisen im Regierungsbezirk Schwaben erstreckt sich über eine Fläche von knapp 1300 Quadratkilometern und liegt direkt an der Landesgrenze zu Baden-Württemberg. Gut 130000 Einwohner leben hier. Geologisch prägte den Nordwesten der Meteoriteneinschlag und formte das Nördlinger Ries. Im Osten schließt sich noch innerhalb des Landkreises die Fränkische Alb mit Wacholderheiden und Wäldern und im Süden das Donau-Lech-Gebiet an. Erkunden können Besucher den Riesenkrater auf verschiedenen Rundwegen im „Geopark Ries“, die mit zahlreichen Ereignistafeln den Wanderern ein „Fenster zur Erdgeschichte“ öffnen sollen. Die vielleicht schönste Tour bildet dabei das Erlebnis-Geotop Lindle, etwa 1,5 Kilometer südlich von Nördlingen mit einer Aussicht über das gesamte Nördlinger Ries. Spannend übrigens ist: Lange Zeit vermutete man hier einen Vulkankrater. Amerikanische Wissenschaftler fanden erst im Jahr 1961 heraus, dass einst ein Meteoriteneinschlag die Landschaft geformt hatte. So erklärt sich auch, dass das Rieskratermuseum in Nördlingen bis heute wissenschaftlich mit der NASA zusammenarbeitet: Unter anderem trainierten die Besatzungen der Apolloflüge 14 und 17 vor Ort Gesteinsentnahmen, ehe sie Richtung Mond starteten.


Doch nicht allein der Blick auf die Geologie lohnt im Landkreis Donau-Ries. Gerade auch kulturell und historisch kann die Region mit spannenden Ereignissen und Orten punkten. So geht die neuere Forschung davon aus, dass die menschliche Besiedelung Bayerns vom Ries ausging. Unter anderem Funde von Faustkeilen belegen die immerhin sporadische Anwesenheit von Jägern und Sammlern schon ab zirka 700000 vor Christus – wohl, weil das Ries eine sehr furchtbare Region ist und der Krater natürlichen Schutz bot. In den so genannten Offnethöhlen, einem unterirdischen Karstsystem am Kraterrand, findet der Tübinger Forscher Robert Rudolf Schmidt im Jahr 1908 33 Menschenschädel in zwei Nestern, Archäologen gehen davon aus, dass sie aus der Zeit der Neandertaler um 200000 vor Christus stammen. Das Spektakuläre: Schädelverletzungen deuten auf einen gewaltsamen Tod hin, im Ries ereignete sich wohl einer der frühen, nachweisbaren Kriminalfälle der Geschichte. Zeitsprung ins Jahr 90 vor Christus, jetzt stehen die Römer am Kraterrand. Das Ries und sein nördliches Vorland werden in die Provinz „Raetien“ eingegliedert – und das spielt eine Rolle bis in die Gegenwart, denn der Begriff „Ries“ leitet sich von Raetia ab.


Wer in etwas jüngere Geschichte eintauchen möchte, dem sei ein besonderer Wanderweg empfohlen – der „Schwedenweg“. Auf verschiedenen Tafeln können historisch Interessierte in die Zeit des 30-jährigen Krieges eintauchen, denn hier ereignete sich die denkwürdige Schlacht auf dem Albuch am 6. September 1634. Mit ihr verloren die Schweden den gesamten süddeutschen Raum. Und nicht zu vergessen: Zwei Jahre zuvor war Graf Tilly bei der Schlacht bei Rain am Lech schwer verwundet worden und starb wenig später am Wundstarrkrampf.


Zugegeben: Ausgedehnte Wanderungen taugen eher im Sommer, trotzdem lohnt ein Landkreisbesuch auch in der frostigen Jahreszeit dank idyllischer Dörfer, romantischer Städte, Museen, gut erhaltenen Schlössern, Kirchen und Klöstern wie etwa dem geschichtsträchtigen Kloster Heilig-Kreuz in Donauwörth. Allen Orten voran fällt hier erneut der Begriff Nördlingen, denn die ehemalige Reichsstadt ist mit knapp 20000 Einwohnern nicht nur die größte Stadt im Landkreis, sondern punktet auch mit Sehenswürdigkeiten wie einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern Deutschlands, dem Rieskratermuseum oder ihrem Wahrzeichen, dem „Daniel“, wie die Einheimischen den 90 Meter hohen Kirchturm der gotischen St.-Georgs-Kirche nennen. Zur Turmstube führen 350 Stufen, als Belohnung lockt eine wunderbare Aussicht. Und vielleicht begegnen Besucher unterwegs „Wendelstein“, der einzigen vierbeinigen Mitarbeiterin der Stadt. Denn vor einigen Jahren lief dem Türmer eine Katze zu, ihr Futter bezahlt seither die Kommune. Im Gegenzug vertreibt sie die Tauben, deren Ausscheidungen für den Daniel schädlich wären.


Und wenn es schon um tierische Angelegenheiten geht: In der Stadt stehen vor zahlreichen Läden Schweine aus Gips in Gedenken an die „Geschichte mit der Sau“. Man erzählt sich, dass Graf Hans von Oettingen im Jahr 1440 die Freie Reichsstadt überfallen wollte. Dafür wurde der Wächter des Löpsinger Tores bestochen, damit er dieses während der Nacht nicht verriegelte. Doch wie es der Zufall wollte, wetzte sich eine Sau an genau diesem Tor, es öffnete sich und die Sau verschwand. Eine Bürgerin schrie dem Tier nach, weckte die Nachbarschaft, diese sahen das offene Tor und schlugen Alarm. Das wurde verriegelt, Graf Hans von Oettingen und seine Truppen mussten wieder abziehen und die Sau hatte die Stadt gerettet.


Das Geschlecht Oettingen ist übrigens nicht uninteressant, da es die Region entscheidend mitgestaltete inklusive eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten – nämlich die Harburg, die zu den größten, ältesten und am besten erhaltenen Burganlagen Süddeutschlands zählt. Auch lohnt ein Besuch der  ehemaligen Residenzstadt Oettingen mit einem historischen Stadtkern, der noch weitgehend vom staufischen Mauerring umgeben ist, mit Fachwerkfassaden, Spätrenaissance-Bauten und beschaulichem Charme. Spannende Anlaufpunkte im Landkreis Donau-Ries, gerade auch bei schlechterem Wetter, bilden auch das Käthe-Kruse-Puppen-Museum in Donauwörth und das Rieser Bauernmuseum Maihingen. Ende der 80er Jahre hatte die Stadt Donauwörth einen Großteil der privaten Sammlung von Hanne Adler-Kruse und Heinz Adler als Schenkung erhalten, allerdings mit der Auflage, ein Museum zu eröffnen. Zu sehen sind mehr als 150 Puppen, Schaufensterfiguren und Puppenstubenfiguren der Künstlerin Käthe Kruse in liebevoll gestalteten Arrangements. Das Rieser Bauernmuseum Maihingen indes liefert mit zahlreichen Medienstationen und Inszenierungen anschauliche Einblicke in 300 Jahre Alltagskultur im Ries sowie ins ländliche Leben.   


Denn lange Zeit war der Landkreis – wie viele Regionen in Bayern – überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Heute indes gilt er als einer der heimlichen Gewinner mit einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten, der höchsten Beschäftigungsquote in Bayern und mehr Ein- als Auspendlern aus den Nachbarlandkreisen. Beim Regionen-Check des Magazins „Focus“ schaffte er es deutschlandweit auf den dritten Platz, unter die Lupe genommen wurden dabei die Kategorien Wohlstand, Jobs, Sicherheit, Preise, Wohnen und Infrastruktur, Alter und Gesundheit. Größter Arbeitgeber in der Region ist Airbus Helicopters in Donauwörth mit mehr als 7000 Mitarbeitern. Auch mittelständische Unternehmen wie die Firma Hama als Hersteller von Fotografie- und Computerzubehör, die Molkerei Zott oder Dehner Garten sind in der Region gewachsen und verwurzelt. Und touristisch ist die Gegend beliebt – neben jenen, die sich für Geologie, Kultur oder Geschichte interessieren, vor allem bei Aktivurlaubern mit allein bis zu 130000 Radfahrern. Trotzdem ruht sich der Landkreis nicht auf seinen wirtschaftlichen Erfolgen aus: Aus der Taufe gehoben werden soll eine Regionsmarke Donau-Ries als eine Art wirtschaftliches Qualitätssiegel, um Fachkräfte zu locken, aber auch um Unternehmen zu halten und neue Firmenansiedlungen anzustoßen.

Der Artikel  ist  unter anderem im Main Echo erschienen.