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Beschäftigt sich im Zuge seiner Dissertation intensiv mit Kardinal Julius Döpfner: Christoph Weißmann, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für neueste Geschichte an der Würzburger Universität.

 

Foto: Michaela Schneider

 

Volksnaher Hirte und harter Kleriker
Jubiläum
Am 26. August wäre Kardinal Julius Döpfner 100 Jahre
alt geworden – Ein Blick auf seine Amtszeit als Bischof von Würzburg

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Er saß an manchem Sonntag in den hinteren Bänken der ein oder anderen kleinen Pfarrkirche und er machte Krankenbesuche in Bauersfamilien: Kardinal Julius Döpfner ist den  Würzburgern bis heute als ein sehr volksnaher Oberhirte in Erinnerung, der auch einmal für einen Scherz gut war. Innerhalb des Klerus indes galt er zumindest in den ersten Jahren als eher autoritär und aufbrausend. Am 26. August würde der Geistliche seinen 100. Geburtstag feiern. Anlass für den Historiker Christoph Weißmann, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für neueste Geschichte an der Würzburger Universität, einmal zu hinterfragen, wer der Mann hinter den Anekdoten tatsächlich war und wie er Würzburg als Bischof prägte.

 

„Julius Döpfner war ein Mann klarer Worte und Prinzipien. Er war konservativ, aber kein Hardliner. Gleichzeitig war er pragmatisch genug, um sich neuen Entwicklungen gegenüber offen zu zeigen. Er versuchte die Dinge so anzupacken, wie sie waren und nach bester Möglichkeit weiter zu gestalten. Mit 34 Jahren wird Döpfner jüngster Bischof Europas und wird schon bald von allen Seiten sehr geschätzt als Gesprächs-, Diskussions- und Vermittlungspartner“, charakterisiert Weißmann den Geistlichen, der 1913 im Bad Kissinger Ortsteil Hausen zur Welt kommt. Intensiv hat sich der Historiker in jüngster Zeit mit dem Kardinal beschäftigt, denn in seiner Dissertation beleuchtet er die gesellschaftliche und politische Rolle der katholischen Kirche in der Ära Adenauer. „Da spielte Döpfner eine ganz zentrale Rolle“, sagt der 36-Jährige.

 

Als Julius Döpfner 1948 zum Bischof von Würzburg ernannt wird, ist die materielle Not der Menschen zentrales Thema – der Geistliche reagiert darauf mit der Gründung der kirchlichen Baugenossenschaft Sankt-Bruno-Werk und prägt den Satz „Wohnungsbau ist Dombau“. Interessant ist: Die Zeitungen überschlagen sich laut Weißmann seinerzeit mit Lob, Michael Kardinal von Faulhaber indes mahnt den Kollegen von München aus, derartige Aktionen künftig abzusprechen -  andere Bischöfe könnten sonst untätig aussehen.

 

Überraschend war für Weißmann während seiner Recherchen, dass der junge Bischof zu Beginn seiner Amtszeit auch politisch intensiv agiert, hier jedoch mehrfach Lehrgeld zahlt. „Es geht damals darum, die Kirche zu positionieren“, erklärt der Historiker. Die Zentrumspartei gab es nicht mehr, Döpfner unterstützt die „C“-Parteien. In Aschaffenburg etwa spricht er sich klar für CSU-Bürgermeisterkandidat Alfons Goppel aus. Auch fordert er die Gläubigen 1952 offen auf, CSU zu wählen. Dafür wird der Bischof in der Presse scharf angegriffen – und lernt dazu. In späteren Jahren nimmt er weiter gesellschaftlichen Einfluss, aber nun über persönliche Gespräche und Kontakte statt über die Öffentlichkeit.

 

Volksnähe demonstriert der Bischof von Beginn an. 1949 im Jahr der Frankenapostel lässt er die Gebeine Kilians, Kolonats und Totnans zurück nach Würzburg bringen. „Das war fast wie ein Triumphzug. Die Bevölkerung stand in den Dörfern an den Straßenrändern und jubelte“, sagt Weißmann.

 

Welche Themen ihm sein Leben lang am Herzen liegen, geht gut aus Döpfners erstem Hirtenbrief nach Amtsantritt hervor. Hier fordert er unter anderem ein entschiedenes Eintreten für ein christliches Europa, eine Stärkung der christlichen Familie und der Sitten, er setzt sich für vereinende Großveranstaltungen wie die Katholikentage ein, für die Pflege des liturgischen und sakralen Lebens und fürs Laienapostolat im Rahmen kirchlicher Strukturen.

 

Auf Würzburger Bistumsebene modernisiert der junge Kirchenhirte die Verwaltungsstruktur und gründet das erste Seelsorgereferat in der Domstadt. Er förderte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In seine Amtszeit fällt die Gründung der Katholischen Akademie Domschule Würzburg, die deutschlandweit eine Vorreiterrolle in Sachen diözesane Bildungsarbeit einnimmt. Und Döpfner stellte die Weichen zum modernen Kirchenbau, zeigte sich gegenüber neuen architektonischen Formen offen.

 

Auch in anderen Bereichen setzt sich der Bischof pragmatisch mit den Herausforderungen seiner Zeit auseinander: „Für ihn ist die gemischte Ehe theologisch ein Problem. Aber er stellt sich der Realität und sucht nach für die Menschen lebbaren Möglichkeiten“, nennt Weißmann ein Beispiel. Kardinal Döpfner also als ein Bischof, der die Domstadt Würzburg in der Nachkriegszeit prägt – und die Weltkirche über Jahrzehnte mitgestaltet.

Der Artikel  ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Stichdaten aus Julius Döpfners Leben

 

· Julius Döpfner wird 1913 als viertes von fünf Kindern geboren und wächst in bescheidenen Verhältnissen im fränkischen Hausen bei Bad Kissingen auf.
 

· 1923 stirbt sein Vater, auf Drängen des örtlichen Kaplans absolviert der Junge die Aufnahmeprüfung fürs Münnerstädter Gymnasium. Ein Jahr später wechselt er aufs Neue Gymnasium in Würzburg.
 

· Ab 1933 studiert Julius Döpfner an der Katholisch-Theologischen Universität in Würzburg, nach einen Semester geht er ans Collegium Germanicum nach Rom. Dort wird er 1939 zum Priester geweiht.
 

· 1941 kehrt er nach Würzburg zurück, Stationen als Kaplan in Großwallstadt, Priester in Schweinfurt, Präfekt des Kilianeums, Assistent am Würzburger Priesterseminar und Subregens folgen.
 

· 1948 ernennt Papst Pius XII. den 34-jährigen Geistlichen zum Bischof von Würzburg.
 

· 1957 geht Julius Döpfner als Bischof nach Berlin, 1958 wird er zum Kardinal erhoben.
 

· 1961 wird Kardinal Julius Döpfner Erzbischof von München und Freising.  Dort stirbt er 13 Jahre später am 24. Juli 1976 völlig unerwartet im Alter von 62 Jahren.

Kardinal Julius Döpfner im Jubiläumsjahr
 

Sonderausstellung: Eine Ausstellung zu Julius Döpfners Würzburger Amtszeit ist im Foyer des Generalvikariats in Würzburg bis Ende September zu sehen. Besichtigt werden kann sie während der Öffnungszeiten des Bischöflichen Ordinariats in der Domerschulstraße 2.

 


Sondermarke:
Zum 100. Geburtstag des Kardinals gibt das Bundesfinanzministerium eine Sonderbriefmarke heraus. Staatssekretär Hartmut Koschyk und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, werden sie am 26. August im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten vorstellen.

 


Festgottesdienst:
In Würzburg wird der 100. Geburtstag Julius Döpfners mit einem Gottesdienst in der Neumünsterkirche gefeiert. Hier war dieser einst vom Bamberger Erzbischof Josef Otto Kolb zum Bischof von Würzburg geweiht worden.

 

 

Döpfner-Museum in Hausen: Zur Erinnerung an den großen Sohn des Bad Kissinger Stadtteils Hausen hat die Pfarrei "Heilig-Kreuz Hausen" eine Dauerausstellung im ehemaligen Prämonstratenserinnenkloster Hausen eingerichtet. Das  "Julius-Kardinal-Döpfner Museum" kann nach Vereinbarung besichtigt werden, Ansprechpartner ist Hans Georg Kessler, Telefon 0971/65880.