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Würzburgs Geisteswissenschaftler präsentieren historisch orientierte Forschungsprojekte in der Ausstellung „Docta Varietas“.


Fotos: Michaela Schneider

„Gelehrte Vielfalt“
Universität In einer gemeinsamen Ausstellung präsentieren Würzburger
Wissenschaftler im Martin-von-Wagner-Museum 47 historisch orientierte Forschungsprojekte


Von Michaela Schneider

Würzburg Bei der Agentur für Arbeit werden sie gern als „schwer vermittelbar“ tituliert: Historiker zum Beispiel und Philosophen, Kunstgeschichtler oder Romanisten. Und auch an den Hochschulen haben Geisteswissenschaftler keinen leichten Stand, wenn es um die Verteilung von Geldern geht. Ebenso fließen Drittmittel zum größten Teil in naturwissenschaftliche Disziplinen. Würzburgs Geisteswissenschaftler lassen sich trotzdem nicht entmutigen: Eindrucksvoll informiert die neue  Ausstellung „docta varietas. Forschung am Kolleg Mittelalter und Frühe Neuzeit“ im Martin-von-Wagner-Museum im Seitenflügel der Residenz, wie breit Würzburgs Denker aufgestellt sind. 47 Wissenschaftler aus fünf Fakultäten stellen laufende Projekte und Forschungsschwerpunkte vor. Übrigens: Übersetzt bedeutet der Ausstellungstitel so viel wie „gelehrte Vielfalt“.


Erwähnt werden natürlich die zwei großen, geförderten Prestige-Objekte der Würzburger Geisteswissenschaften: Professor Dr. Dag Nikolaus Hasse vom Institut für Philosophie geht mit Blick auf das sich wandelnde ptolemäische Weltbild der Frage nach dem arabischen Einfluss auf Europa nach. Und Professor Dr. Andreas Haug vom Institut für Musikforschung beschäftigt sich mit der einstimmigen Musik des lateinischen Mittelalters.  Doch genauso bekommen auf den Schautafeln in drei Räumen bis dato wenig kommunizierte Forschungsvorhaben ihren Raum, auch zahlreiche Nachwuchswissenschaftler präsentieren sich. Aufgegliedert wurden die Projekte dabei in die fünf Sektionen „Editionsphilologie“, „Lebens-Bilder“, „Legitimation durch Fiktion“, „Regionalität und Entgrenzung“ und  „Ordnung und Transfer des Wissens“.


Es geht zum Beispiel um einen peruanischen Inka, der in Spanien im Zeitalter der Renaissance autoritätskritisch publizierte. Forschungsprojekte drehen sich um den Nürnberger Humanisten Sixtus Tucher oder um 4000 Seiten handschriftliche Notizen des „Harnschauers“ Georg Handsch zu seiner medizinische Praxis; um den Künstler Raffael und seine Darstellungen in der Hochrenaissance oder auch um Bildhauer Hans Juncker, der unter anderem den Altar in der Aschaffenburger Schlosskapelle schuf.


Spannend dürfte fürs unterfränkische Publikum vor allem auch der Blick auf die regionalen Forschungsschwerpunkte sein: Das Archäologische Spessart-Projekt e.V. hat es sich zum Beispiel zum Ziel gesetzt, die Verkehrsgeschichte der 8000 Jahre alten Kulturlandschaft Spessart zu erforschen. Das Internetportal „Historisches Unterfranken“ liefert der interessierten Öffentlichkeit Zugang zu vielfältigen Informationen aus der Vergangenheit der fränkischen Region. Latinisten befassen sich mit dem Würzburger Humanismus, Kunsthistoriker beschäftigen sich mit der Genese der Würzburger Residenz, den Palaisbauten der Greiffenclauzeit in Würzburg oder auch barocker Gartenkunst in Franken.


Ein Blick aufs „Kolleg Mittelalter und Frühe Neuzeit“: Vor zwei Jahren gegründet, will der lose Zusammenschluss die Kommunikation und Kooperation historisch ausgerichteter Fachrichtungen vorantreiben. Vertreten sind aus der Philosophischen Fakultät I die Fächer Geschichte, Kunstgeschichte, Romanische Philologie, Literaturwissenschaft, Deutsche Sprachwissenschaft, Latinistik, Slavistik und Musikwissenschaft. Hinzu kommen historisch ausgerichtete Fachrichtungen aus anderen Fakultäten wie die Geschichte der Philosophie, der Wissenschaften, des Rechts, der Kirche oder der Medizin.


Die Kolleggründung trug rasch erste Früchte mit gemeinsamen Ringvorlesungen wie etwa der zweisemestrigen Reihe „Kulturstadt Würzburg“, zu der inzwischen auch zwei Publikationen erscheinen sind. Regelmäßig finden inzwischen gemeinsame Workshops mit renommierten Wissenschaftlern und dem Forschernachwuchs statt. Und: Der interdisziplinäre Masterstudiengang „Mittelalter und frühe Neuzeit“ wurde ins Leben gerufen. Klingt zunächst einmal wie ein herkömmliches Geschichtsstudium, das Besondere der sehr wissenschaftlich orientierten Fachausbildung aber ist: Am Master beteiligen sich elf verschiedene mediävistische und frühneuzeitliche Fachgebiete – angefangen bei der fränkischen Landesgeschichte bis hin zur Volkskunde oder Sinologie.


Geisteswissenschaftlern sagt man gern nach, dass sie sich im eigenen Studierstüblein vergraben und nicht über den disziplinären Tellerrand blicken: Mit dem Kolleg, dem neue Studiengang und auch der aktuelle Ausstellung „docta varietas“ gehen Würzburgs Geisteswissenschaftler einen Weg in die entgegengesetzte Richtung. Dass dies nötig ist, geben Germanist Professor Joachim Hamm, Organisator der Ausstellung, und Professor Damian Dombrowski, derzeit Vertreter des Lehrstuhls für mittlere und neuere Kunstgeschichte, offen zu. „Vor der Kolleggründung haben die Lehrstühle einfach nebeneinander her gearbeitet“, sagt Damm. Von den 47 Forschungsprojekten, die in der Ausstellung jetzt vorgestellt werden, habe er selbst nur einen Bruchteil gekannt. „Wir waren völlig überrascht über die Vielzahl an Rückmeldungen aus dem Kollegenkreis“, sagt auch Dombrowski. „docta varietas“ ist damit eine Ausstellung, die eine sehr aktive, historisch orientierte Forschung in Würzburg außerhalb, aber auch innerhalb der Universität vorstellt.

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Der Artikel ist in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

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Infokasten: Über die Ausstellung und zwei Publikationen des Kollegs


Ausstellung: Die Ausstellung „docta varietas. Forschung am Würzburger Kolleg Mittelalter und frühe Neuzeit“ kann bis einschließlich 12. Januar im Martin-von-Wagner-Museum besichtigt werden. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag zwischen 10 und 13.30 Uhr und sonntags zu wechselnden Öffnungszeiten. Details: www.museum.uni-wuerzburg.de


Publikationen: Zu den zwei Ringvorlesungen „Kulturstadt Würzburg“ des Kollegs Mittelalter und frühe Neuzeit sind inzwischen zwei Publikationen erschienen. Die einzelnen Aufsätze befassen sich mit Themen rund um die Bischofsstadt am Main im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Es geht um Würzburg als Stadt der Ärzte, hiesige Fürstbischofe und andere bedeutende Persönlichkeiten wie etwa den Geschichtsschreiber Lorenz Fries. Aufsätze beleuchten die Stadtarchitektur, das Haus Schönborn und die Musik oder Richard Wagners Aufenthalt in Würzburg.


Klein, Dorothea und Fuchs, Franz (Hrsg.): Kulturstadt Würzburg: Kunst, Literatur und Wissenschaft im Spätmittelalter der Frühen Neuzeit,  Königshausen & Neumann, April 2013, ISBN: 978-3826051920


Klein, Dorothea und Fuchs, Franz (Hrsg.): Kulturstadt Würzburg: Kunst, Literatur und Wissenschaft von der Schönbornzeit bis zur Reichsgründung; Königshausen & Neumann, Oktober 2013, ISBN: 978-3826053238