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Siegesbote, Puppen zum Liebhaben und das Urmel
Sonderausstellung „Die Kruses. Eine geniale Künstlerfamilie und ihr Freundeskreis“ in Wertheim
dreht sich um Künstler der Berliner Secession, Puppenmutter Käthe Kruse und einen Kinderbuchautor


von Michaela Schneider

Wertheim Käthe Kruses ältere Tochter tritt im Jahr 1904 mit einem Wunsch an Vater Max heran: Er möge ihr aus Berlin eine Puppe mitbringen. Der allerdings denkt nicht daran: „Ich koof euch keene Puppen. Ich find se scheißlich. Macht euch selber welche.“  Diese Familienepisode bildet den Auslöser für Käthe Kruses künstlerisches Schaffen. Ihre kindgerechten Puppen, heute weltbekannt, sind seinerzeit eine echte Neuheit. Vielleicht nicht ganz so bekannt: Nicht nur der Berliner Bildhauer und Bühnenbildner Max und seine zweite Ehefrau Käthe betätigen sich künstlerisch. Aus der Kruse-Familie gehen jede Menge Kreative hervor wie zum Beispiel Urmelbuchautor Max Kruse jun. Und die Familienmitglieder vernetzen und verheiraten sich mit anderen Künstlern ihrer Zeit. In Wertheim widmet sich ab 7. November dem Thema nun eine Sonderausstellung mit dem Titel „Die Kruses. Eine geniale Künstlerfamilie und ihr Freundeskreis“.


Weil das Thema derart viel Stoff bietet, erstreckt sie sich gleich über zwei Museen. Einen gerade auch für Familien attraktiven Anlaufpunkt bildet das Grafschaftsmuseum, denn hier liegt der Fokus auf Käthe Kruse und ihren Puppen sowie auf Urmelautor Max Kruse jun. Im Museum „Schlösschen im Hofgarten“ indes sind rund 80 Gemälde und Plastiken der Kruses und von elf Künstlerfreunden wie Friedrich Ahlers-Hestermann, Ida Gerhardi oder August Gaul zu sehen.


Im Erdgeschoß steht hier der Stein, oder besser die Skulptur des Anstoßes zur Ausstellung. Auf die Künstlervereinigung „Berliner Secession“ spezialisiert, bekommt das Museum vor Jahren eine handsignierte Kopie des „Siegesboten von Marathon“ geschenkt. Das große Original der Max-Kruse-Skulptur befindet sich in der Alten Nationalgalerie und die wohl bekannteste Kopie beim Theater des Westens. Für das Werk erhält Max Kruse 1881 von der Kunstakademie Berlin die Gold-Medaille, dies verhilft ihm zum Durchbruch. Er fertigt in den Folgejahren etliche Porträtbüsten und erfindet als begehrter Bühnenbildner etwa auch den Rundhorizont und plastische Kulissen. Nicht nur Max, sondern  auch sein Bruder Oscar Kruse-Lietzenburg gehören der Berliner Secession an – jener Künstlergruppe die berühmt wird, weil sie sich dem französischen Impressionismus widmet.  


Ein zweiter Anstoß kommt vor drei Jahren hinzu, damals beschäftigt sich das Museum „Schlösschen im Hofgarten“ in einer Käthe-Kollwitz-Ausstellung  auch mit deren Kolleginnen – und stößt auf Max Kruses Tochter aus erster Ehe, die Künstlerin Annemarie von Jakimow-Kruse. Ihre beiden Söhne Igor und Erasmus schlagen – ehe sie im Zweiten Weltkrieg fallen – ebenfalls Künstlerkarrieren ein. Auch Tochter Marina malt Zeit ihres Lebens.  In die Riege der Künstler reihen sich schließlich noch Max Kruses zweite Ehefrau, Puppenmutter Käthe Kruse, und deren Schriftstellersohn Max Kruse jun. ein. „In  dieser Vielfalt ist künstlerisches Schaffen in einer Familie absolut außergewöhnlich“, sagt Museumsleiter Jörg Paczkowski.  

Die Idee zur Familienausstellung ist geboren und noch mehr – denn vor allem um Annemarie Kruse vernetzen sich Künstler, angefangen bei Henri Matisse engstem Schüler Hans Purrmann bis hin zur für ihre Tierplastiken und Sportlerporträts berühmten Bildhauerin Renée Sintenis. Die Künstlerriege jener Zeit regt sich gegenseitig an und lässt eine Bandbreite an Kunst entstehen – Stillleben, Porträts, Landschaftsmalerei, Akte. Dadurch, dass das Werk der Krause-Familie in der Ausstellung nun um Gemälde und Skulpturen von elf Künstlerfreunden ergänzt wird, ist dieser befruchtende Moment ein Stück weit nachzuvollziehen.


Vom Museum „Schlösschen im Hofgarten“ ein Abstecher ins Grafschaftsmuseum zu Käthe Kruse. Tatsächlich sind Puppen im 19. Jahrhundert reine, zum Spielen völlig ungeeignete Statussymbole. Das ändert sich grundlegend im Jahr 1910 mit der ersten Präsentation von Puppe I  bei der „Weihnachtsaustellung“ „Spielzeug aus eigener Hand“ im Berliner Kaufhaus Hermann Tietze. Käthe Kruses klare Ambition ist es, ein Spielzeug für Kinder zu etablieren. Und so sehen ihre Puppen nicht, wie vorher üblich, wie kleine Erwachsene aus, sondern haben kindliche Gesichter, fühlen sich warm und weich an, gehen nicht kaputt, sind beweglich und wie geschaffen für kleine Kinderhände. Schon im Frühjahr 1911 beginnt die serielle Produktion. Und noch eine andere Erfindung geht auf Käthe Kruse zurück. Eine Kunde bittet die Expertin im Jahr 1928  um Puppen, so groß, dass man ihnen normale Kleider anziehen kann. Die Stunde der Käthe-Kruse-Schaufensterfiguren hat geschlagen. Mit Echthaar, individuellen Gesichtern, beweglichen  Körperteilen und szenisch drapiert bestechen sie – wie zuvor schon die Puppen zum Spielen – vor allem durch ihre Lebendigkeit.


Dass  Käthe Kruses Sohn Max jun. – eigentlich ein Unternehmer – sich später aufs Kinderbücher schreiben konzentriert, bildet nur das i-Tüpfelchen auf der Geschichte einer außergewöhnlichen Künstlerfamilie. Schon sein erstes Werk „Der Löwe ist los“ kommt beim jungen Publikum hervorragend an, seinen größten Erfolg landet er mit dem „Urmel aus dem Eis“ – nicht zuletzt dank der Augsburger Puppenkiste.

PLiebespaar vom Max Kruse.


Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Über die Ausstellung „Die Kruses“


Die Ausstellung „Die Kruses. Eine geniale Künstlerfamilie und ihr Freundeskreis“ ist in Wertheim vom 7. November bis 28. Februar  zu sehen. Eröffnet wird sie am Samstag, 7. November, um 11 Uhr im Schlösschen im Hofgarten  sowie ab 14.30 Uhr im Grafschaftsmuseum, denn sie teilt sich auf zwei Standorte auf. Im Museum „Schlösschen im Hofgarten“ sind Gemälde und Plastiken der Familie und ihrer Freunde zu sehen.  Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 13 bis 17 Uhr und Sonntag, 12 bis 18 Uhr. Details: www.schloesschen-wertheim.de. Im Grafschaftsmuseum geht es um Käthe Kruses Puppen sowie Max Kruse Junior als Autor des Kinderbuchklassikers „Das Urmel aus dem Eis“. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr und 14.30 bis 16.30 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen, 14 bis 17 Uhr. Details: www.grafschaftsmuseum.de Begleitend finden zahlreiche Vorträge und Lesungen statt.