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Koldä und Kümmerli
250 Schüler aus zehn unterfränkischen achten Klassen beschäftigen sich beim
Schülertag des Unterfränkischen Dialektinstituts mit sprachlichen Besonderheiten der Region


Von Michaela Schneider
Würzburg/Unterfranken
Gaggerli und Käffi, Moggerle und Bäbberle: Der unterfränkische Sprachraum ist reich an Dialekt. Doch vor allem ist`s die ältere Bevölkerung, die heute noch von Grumbersaload mit Kümmerli spricht, wenn es um Kartoffelsalat mit Gurken geht. Wie aber passen Jugend und Dialekt zusammen? Mit dieser Frage beschäftigten sich jetzt rund 250 Schüler aus zehn unterfränkischen achten Klassen beim Schülertag des Unterfränkischen Dialektinstituts (UDI). Er stand heuer unter dem Motto „Dialekt und neue Medien/soziale Netzwerke“ und ging in die mittlerweile elfte Runde. Schulen aus Elsenfeld, Gemünden, Gaibach, Aschaffenburg, Schweinfurt, Würzburg und Wiesentheid waren dazu an die Julius-Maximilians-Universität nach Würzburg angereist.


Gleich vorweg die Frage: Sprechen Jugendliche heute überhaupt noch Dialekt? Daheim  schon, sagt die 14-jährige Sina – vor allem auch, weil sie das verbindende, familiäre Gefühl mag. Redet sie indes in der Schule mit Freunden, ist ihr fränkischer Einschlag nahezu verschwunden. Warum das so sei? Sina zögert, sagt dann: Früher habe sie sich für ihren Dialekt ein bisschen geschämt.  Umso schöner war es für die Schülerin, dass in den vergangenen Wochen das Fränkische eine zentrale Rolle im Unterricht der achten Klassen des Mädchenbildungswerks Gemünden spielte. „Ich habe gemerkt, dass viele andere Schüler eigentlich ebenfalls Dialekt sprechen. Das hat mir ein richtig gutes Gefühl gegeben“, sagt Sina.


Damit ist ein zentrales Ziel des UDI-Schülertags bereits erreicht. „Wir wollen den Schülern vermitteln, dass Dialekt an sich nichts Negatives ist“, sagt Organisatorin Monika Fritz-Scheuplein. In entsprechenden Situationen sei er durchaus angebracht – manchmal sogar die bessere Sprachvariante. In anderen Fällen indes  sei Hochdeutsch die richtige Wahl. Wichtig sei, dass die Jugendlichen lernten, zu unterscheiden und umzuschalten.  


Worum aber ging es  nun konkret beim Schülertag des Unterfränkischen Dialektinstituts? Schon im Vorfeld hatten sich die Mädchen und Jungen im Unterricht intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, zumal Dialekt in der achten Klasse auf dem Lehrplan der bayerischen Gymnasien steht.  Die Schüler hatten im Unterricht Unterhaltungen aus dem Handy-Chatprogramm „WhatsApp“ auf Dialekt hin analysiert. Zudem hatten sie kurze, sehr kreative Erklärvideos zu besonders markanten Dialektworten gedreht.  Schüler des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld etwa traten als „Super-Grannys“  (Zu Deutsch: Super-Großmütter) auf, um den Begriff „Koldä“ zu erklären. Dafür hatten sie vorab im Nibelungenlied und selbst in der Bibel geforscht. Für jene, die`s nicht wissen: „Koldä“ bedeutet Wolldecke.


Die Ergebnisse durften die Gymnasiasten nun beim Dialekttag vor 250-köpfigem Publikum präsentieren. Experten referierten über Dialekte in Unterfranken sowie sprachliche Phänomene in sozialen Medien. Und die Schüler durchliefen einen Lernzirkel zu Methoden der Dialektforschung. Am Ende gab`s schließlich noch attraktive Preise – unter anderem für die besten Erklärvideos.


„Dialekt kommt im Unterricht eigentlich viel zu kurz“, sagt Tanja Götz, Deutschlehrerin am Karl-Theodor-von-Dahlberg-Gymnasium in Aschaffenburg. Auf Empfehlung eines Kollegen hatte sie ihre achte Klasse zum Dialekttag angemeldet – und bereut dies nicht. „Die Schüler konnten sich sehr kreativ mit dem Thema Dialekt auseinandersetzen. Das hat der Klasse unheimlich Spaß gemacht“, sagt Götz. Und tatsächlich kann sich auch das Video der Aschaffenburger sehen lassen. „Von Obbedobbe noch Unnedin“ galt es zu erklären. Als optische Erklärhilfe fungierte Märchenprinzessin Rapunzel, die ihr Haar herab lassen durfte - „von oben nach unten“.


Schüler aus zehn unterfränkischen achten Klassen beschäftigten sich an der Julius-Maximilians-Universität einen Tag lang mit dem Thema Dialekt. Im Bild präsentieren Gymnasiasten aus Aschaffenburg ihre Ergebnisse.

     

Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über das Unterfränkische Dialektinstitut (UDI)


Das Unterfränkische Dialektinstitut verfolgt verschiedene Ziele: Es überprüft, systematisiert und archiviert bestehende Sammlungen von Mundarttexten und Mundartwörtern und macht sie für die interessierte Allgemeinheit öffentlich. Gleiches gilt für digital aufbereitetes Ton- und Bildmaterial. Und das UDI beantwortet dialektologische Fragen zum unterfränkischen Dialekt. Das Dialektinstitut ging einst aus der Arbeit zum „Sprachatlas von Unterfranken“ (SUF) hervor. Damals hatten Experten in 182 unterfränkischen Ortschaften bei älteren Bewohnern Dialektbefragungen durchgeführt und mit Tonband mitgeschnitten. 2002 wurde ein sechsbändiges Kartenwerk publiziert. Unterstützt wird das UDI vom Bezirk Unterfranken, angegliedert ist es dem Institut für deutsche Philologie der Universität Würzburg.