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„Erfolg von Städtepartnerschaften hängt von Menschen ab“

Tagung des Deutsch-Französischen Jugendwerk s in Würzburg  dreht sich um
die Zukunft der Städtepartnerschaften und Perspektiven für ein Europa der Bürger


Von Michaela Schneider

Würzburg Das städtepartnerschaftliche Engagement wurde Sarah Fricke in die Wiege gelegt. 27 Jahre lang hatten die Eltern der heute 20-Jährigen sich um den Jugendaustausch zwischen dem kleinen Allgäuer Kurort Oy-Mittelberg im tiefsten Süden Bayerns und dem französischen Ort Bais in der Mayenne gekümmert. Im zarten Alter von einem Jahr reiste Sarah zum ersten Mal mit den Eltern nach Frankreich. Und so war`s für die Studentin fast schon selbstverständlich, eines Tages in deren Fußstapfen zu treten und das Amt der Jugendbeauftragten zu übernehmen. Für einen städtepartnerschaftlichen Verein der Idealfall, doch heute alles andere als selbstverständlich. Etliche Vereinsvorstände sind überaltert, die Staffelstabweitergabe an die nächste Generation droht zu scheitern – in Deutschland wie in Frankreich. „Engagement und Teilhabe von jungen Menschen in deutsch-französischen Städtepartnerschaften – Perspektiven für ein Europa der Bürger“ lautet deshalb das Thema einer Tagung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) in Würzburg. In drei Tagen kommen Experten zu Wort, der klare  Schwerpunkt aber liegt auf der praktischen Workshop-Arbeit. Geladen sind Deutsche und Franzosen, die sich im Bereich Städtepartnerschaften engagieren.

  

Dass die Tagungsortwahl dabei auf die Bischofsstadt in Unterfranken fällt, ist kein Zufall: Der bayerische Regierungsbezirk pflegt eine überaus lebendige Regionalpartnerschaft mit dem Calvados. Würzburg selbst ist seit 1962 Partnerstadt des geschichtsträchtigen Caen in Frankreich. Zwischen Bayern und Frankreich gibt es laut Jean-Claude Brunet, Generalkonsul des Französischen Generalkonsulats in München, insgesamt 400 Städtepartnerschaften. Und er nennt eine weitere beeindruckende Zahl: Seit seiner Gründung im Jahr 1963 hätten an den Programmen des Deutsch-französischen Jugendwerks insgesamt acht Millionen Kinder und Jugendliche teilgenommen.


So zum Beispiel auch die 27-jährige Französischlehrerin Najia Ben Fraj aus Gentilly. Ihre Heimatstadt in der Region Ile-de-France pflegt schon seit mehr als 50 Jahren eine intensive Freundschaft mit der sächsischen Universitätsstadt Freiberg. Seit etwa einem halben Jahr ist Najia Vize-Vorsitzende im Partnerschaftsverein und macht sich nun intensiv Gedanken, wie sich mehr junge Franzosen zum Engagement motivieren lassen. „Viele meinen, Deutsch sei nicht sexy und lernen lieber Spanisch oder Italienisch“, sagt sie, spricht dabei auch aus eigener Erfahrung. Feuer für Deutschland und seine Sprache fing sie bei einem Schüleraustausch. Ihr Credo: „Wir müssen Jugendliche bewegen, Austauschprogramme zu nutzen, die erste Begegnung ist extrem wichtig.“


„Der Erfolg von Städtepartnerschaften hängt von Menschen ab“, sagt Beatrice Angrand, Generalsekretärin des DFJW. Seit den 50er Jahren sei ein sehr dichtes Partnernetzwerk entstanden. Das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstütze pro Jahr mehr als 9000 Projekte für mehr als 200000 Menschen. Wie vielfältig das Angebot in Partnerstädten sein kann, zeigt sich während der Tagung in den Workshops: Teilnehmer erzählen von Schüleraustausch oder Freiwilligendienst in der Partnerstadt. Eingeladen wird zu sportlichen Wettkämpfen, Tandemkursen „Sport und Sprache“ oder Radtouren von Partnerstadt zu Partnerstadt. Bei Kulturaktionen proben Chöre oder Orchester aus zwei Ländern gemeinsam auf Konzerte hin, spielen Theater oder tanzen. Kinder kochen gemeinsam und stellen den Gästen lokale Spezialitäten vor.  


Eigentlich attraktive Angebote – und trotzdem tut sich manche Kommune schwer,  Nachwuchs für die Austauschprojekte zu gewinnen. Das erfährt die 22-jährige Studentin Lisa Möller während eines Praktikums in Nürnberg beim Amt für internationale Beziehungen. Die knapp 500000-Einwohner-Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken unterzeichnete 1954 einen Partnerschaftsvertrag mit der französischen Hafenstadt Nizza. Lisas Eindruck: Gerade in einer großen Stadt wie Nürnberg gebe es für Jugendliche unzählige Freizeitangebote – umso schwieriger sei es, für städtepartnerschaftliche Projekte zu begeistern. Sie kritisiert jedoch auch: Diese seien schlichtweg nicht jugendgerecht. „Es muss sich in der Jugendarbeit etwas ändern. Die Vorstände in den meisten Partnerschaftsvereinen sind 50 Jahre und älter“, bringt sie die Problematik auf den Punkt. Beispielhafte Ideen: ein großes Jugendforum oder Workshops für Bands aus zwei Ländern.


Zumal die Voraussetzungen, Kontakte über Ländergrenzen hinweg zu pflegen, in Zeiten von Facebook, Twitter & Co. heute so einfach wie nie sind. Für die Jugendlichen gehört die Nutzung sozialer Netzwerke zum Alltag, doch viele Städtepartnerschaftsvereine müssen Sinn und Zweck erst noch erkennen. Einen weiteren Anreiz, um junge Menschen zum Engagement zu motivieren, hat das DFJW übrigens mit einem Zertifikat für ausgebildete Gruppenleiter geschaffen. „Jugendliche sind interessiert an Qualifikationen“, sagt Anne Jardin vom DFJW. Ein entsprechendes Zertifikat kann als Zusatzqualifikation beim Bewerben wichtiger sein als das Schulzeugnis.


Mehr thematische Arbeit in der städtepartnerschaftlichen Jugendarbeit und eine Sensibilisierung für die Probleme im Partnerland fordert Professor Dr. Henri Ménudier von der Universität Paris III. Er spricht von einer tiefen Krise, die die deutsch-französischen Beziehungen derzeit durchleben mit Blick auf Frankreichs Polit- und Wirtschaftslage sowie die sozialen Probleme im Land. Als großes Problem kommt hinzu, dass gerade in Frankreich immer weniger Jugendliche Deutsch lernen. Klar gemacht werden müsse deshalb, wie wichtig Sprachkompetenz in der Länderbeziehung zwischen Deutschland und Frankreich sei – und zwar aus ganz banalen, wirtschaftlichen Gründen. Immerhin ist Frankreich Deutschlands wichtigster Handelspartner. Entsprechend umfassende Sprachprogramme hat das DFJW geschnürt – angefangen bei binationalen Sprachkursen über eine Smartphone-App für den Aufenthalt im Partnerland bis hin zur pädagogischen Kinderkiste für Kindergärten.


Aber braucht`s Sprachkompetenz tatsächlich schon bei ersten Begegnungen? Nein, sagt der 24-jährige Baptiste Quetier aus Dijon. Als er übers DFJW einen Praktikumsplatz in Mainz vermittelt bekommt, spricht er kaum Deutsch. „Aber die Kommunikation hat trotzdem geklappt“, sagt er. Am Ende des Praktikum beschließt er, in Deutschland zu studieren. Seine drei Forderungen, um die deutsch-französische Jugendarbeit in eine sinnvolle Zukunft zu führen: Jugendliche ausbilden, die mit anderen Jugendlichen reden; Sprachaktivitäten noch mehr fördern; und Auslandsaufenthalte unterstützen sowie vermitteln: Sprachbarrieren gibt es nicht, man lernt vor Ort. „Das DFJW hat mir die Augen geöffnet, dass ich zur deutsch-französischen Freundschaft beitragen kann“, sagt Baptiste.

Workshop während der Tagung des Deutsch-Französischen Jugendwerks.

Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist im Magazin „ParisBerlin“ erschienen.

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