Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Getanzter Mythos im Zeitraffer
Uraufführung des Handlungsballetts „Der Fall Carmen“ in den Kammerspielen

des Mainfranken Theaters Würzburg – Ballettdirektorin Anna Vita entscheidet sich für augenzwinkernde Dramatik


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Es wird gefeiert, geflirtet, überlistet, geflüchtet, geliebt, geeifersüchtelt, gekämpft und ermordet. So rasant und trotzdem inhaltlich vollständig wie derzeit in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg ist die „Carmen“ wohl selten zu sehen.  Ballettdirektorin Anna Vita packt die Geschichte um die schöne Roma-Frau, um Liebe und Freiheit in einen unterhaltsamen Tanzabend und paart die Dramatik des Stoffes mit einem Augenzwinkern. Nach 50 Minuten ist die Uraufführung von „Der Fall Carmen“ schon wieder vorbei. Und tatsächlich ist das größte Manko des Abends: Eigentlich hätte man dem zwölfköpfigen Ensemble gern länger zugeschaut.


Bei der Musik greift Anna Vita auf einen Klassiker zurück: auf die Carmen-Suite des russischen Komponisten Rodion Schtschedrin, der in den 1960er Jahren Bizets weltberühmte „Carmen“ neu arrangierte zu einer abendfüllenden Ballettmusik. Die Inszenierung spielt dabei hervorragend mit musikalischen Akzenten:  Da klingen Köpfe blechern oder der tote Offizier stürzt punktgenau zum musikalischen Knall auf die Bühne. Immer wieder darf das Publikum trotz aller Dramatik schmunzeln: über eine Carmen, die ihren José im Gefängnis unglaublich niedlich umgarnt, während ihr der Schalk aus den Augen blitzt; über Soldaten, bei denen man sich aufgrund ihrer torkelnden Bewegungen nicht ganz sicher ist, was für Zigaretten in der Fabrik eigentlich gedreht werden.  


Den Tänzern fordert die Inszenierung vor allem Ausdruck ab – anders ließe sich in so kurzer Zeit eine komplette Carmen-Handlung kaum erzählen.  Vita lässt dabei moderne, aber durchweg ästhetische Bewegungselemente dominieren. Am klassischsten darf Davit Bassénz als Torero springen, sich drehen und wirbeln in der Körperhaltung eines stolzen Helden. Besonderen Charme hat, dass das Publikum in der Kammer so nah dran ist und selbst Mienenspiele aus nächster Nähe beobachten kann. In Sachen Ausdruck glänzt vor allem Kaori Morito, die der Carmen etwas Niedliches, Freches gibt und trotzdem das Leidenschaftliche, Kämpferische, Freiheitsliebende des Charakters nicht herunterspielt. Das vielleicht schönste Pas de Deux des Abends zeigen Leonam Santos als Don José und Cara Hopkins als Micaela. Des Weiteren bei der Uraufführung auf der Bühne zu sehen: Timothy Szczepkowski-Collins als Offizier, Sylvain  Guillot und Gianluca Sermattei als Soldaten sowie als Schmuggler und Arbeiterinnen Zoya Ionkina, Kirsten Renee Marsh, Camilla Matteucci, Ran Takahashi und Aleksey Zagorulko.


Bühnenbildnerin Anika Wieners verzichtet nahezu komplett auf Requisiten. Ein Tisch, ein Gefängnisgitter, mehr braucht es nicht – und anders ginge es in der kleinen Kammer auch kaum bei einem zwölfköpfigen Ensemble, das den Raum in drei Dimensionen nutzt. Bei mancher Hebefigur sind die Tänzer nicht weit entfernt von einer Kollision mit der Bühnentechnik - etwa auch, wenn Carmens Liebhaber aneinandergeraten und wild kämpfen. Wieners greift vereinzelt auf farbige Vorhänge zurück – Rot für Carmens Leidenschaft, Gold für den schönen Torero. Optisch besonders ansprechend sind die Licht- und Schattenspiele der Tänzer vor dunkelgemusterter Projektion auf dem Vorhang im Hintergrund.


Farbe auf die Bühne bringen die Uniformen und Kleider von Veronica Silva-Klug. Die Kostümbildnerin hält sie unaufdringlich, verzichtet auf allzu viel Folklore, lässt den Torero dennoch Torero sein und gönnt der Carmen zumindest zum Ende hin eine lange rote Schleppe fürs Stierkampf-Szenario. Hübsch anzuschauen sind auch die Kleider der Damen - fließende, leichte Stoffe in Schwarz, bunte Rüschen und Blumen für die Arbeiterin; dunkelblauer, eleganter Samt für Micaela.


Anna Vita beweist es wieder: Ballett kann unglaublich gut unterhalten. In etwas längerer Form würde die Inszenierung sicher auch auf der großen Bühne funktionieren, hat aber in der Enge Kammer ihren besonderen Reiz. Das Publikum ist begeistert, will noch weiterapplaudieren, als das Licht angeht und die Tänzer schon hinter der Bühne verschwunden sind. Mit dem Ballett ist die „Carmen“ derzeit übrigens in gleich zwei Varianten am Mainfranken Theater zu sehen: Im Januar feierte die Bizet-Oper Premiere, letzter Aufführungstermin ist der 24. Mai.


Dauer: 50 Minuten; nächste Vorstellungen, jeweils 20 Uhr:13.05./ 23.05./ 30.05./ 05.06./ 16.06./ 15.07./ 15.10./ 26.12.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this