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Aufklärungsarbeit trägt Früchte
Deutschlandweit gibt es heute fast 70 lokale Bündnisse gegen
Depression – Startschuss fiel zu Beginn des Jahrtausends in Franken


Von Michaela Schneider
„Depression ist deutlich weniger ein Tabuthema als noch vor einigen Jahren“, sagt Julia Maloney. Die Diplom-Psychologin weiß, wovon sie spricht: Gemeinsam mit knapp 15 Kollegen betreut sie im Rahmen des Würzburger Bündnisses gegen Depression unter anderem eine Telefonsprechstunde. Angehörige, aber auch Betroffene aus Unterfranken erkundigen sich hier Woche für Woche nach generellen Behandlungsmöglichkeiten, Fachärzten, Psychotherapeuten oder Selbsthilfegruppen. Die aufklärende Arbeit trägt Früchte: Seit das Bündnis  im Jahr 2004 seine Arbeit aufgenommen hat, ist die Zahl der Suizide in der unterfränkischen Bezirkshauptstadt um fast die Hälfte gesunken. 2013 nahmen sich 33 Würzburger das Leben. Das sind trotzdem noch 33 Menschen zu viel, sagt Maloney. Deutschlandweit sterben pro Jahr 12000 Menschen an Suizid, bei Autounfällen kommen im Vergleich 4000 ums Leben.


Die Bündnisarbeit geht auf ein seinerzeit von der Bundesregierung gestütztes medizinisches Großforschungsprojekt zurück: Ärzte und Psychologen hatten ab dem Jahr 2001 im mittelfränkischen Nürnberg  eine auf zwei Jahre angelegte Aufklärungskampagne gestartet, die belegen sollte: Werden Menschen übers Thema Depression aufgeklärt und behandelt, sinkt die Suizidrate. Zurück geht diese Idee laut Evelyn Kretzschmar, lokaler Koordinatorin des Nürnberger Bündnisses gegen Depression e.V., auf die so genannte Gotland-Studie. Nachdem Hausärzte intensiv geschult worden waren, sank auf der schwedischen Insel Gotland die Zahl der Suizide. Allerdings fehlte der These die wissenschaftliche Grundlage. Das sollte sich mit Nürnberg ändern. Die Aufklärungskampagne fußte mit Hausärzteschulungen, einer Fortbildung weiterer Multiplikatoren wie Fachärzten, Pfarrern, Altenpflegekräften oder Apothekern, Hilfsangeboten für Angehörige und Betroffene sowie einer Anti-Stigma-Kampagne auf vier Säulen.


Würzburg fungierte als Vergleichsregion, in der über zwei Jahre bewusst keine Aufklärungsaktionen initiiert wurden. Das Ergebnis war mehr als deutlich: In Nürnberg sank die Zahl der Suizide in der Testphase um fast 25 Prozent. In der unterfränkischen Kontrollregion stieg sie dagegen um 15 Prozent an. „Nach den Projektjahren waren Restgelder da und unsere Strukturen standen“, sagt Kretzschmar. Und so beschloss das Nürnberger Team auf ehrenamtlicher Basis weiterzuarbeiten im Kampf gegen Depression und Suizid. Die Würzburger begannen mit der Intervention auf Vereinsbasis im Jahr 2004. Bald schon machte das Modell im ganzen Land Schule: Deutschlandweit gibt es heute fast 70 lokale Bündnisse gegen Depression.    

Die Würzburger konzentrierten sich laut Maloney zu Beginn auf Schulungen zum einen für Hausärzte, zum anderen für Polizisten, Priester und weitere Multiplikatoren. Als weiteres Angebot will das ehrenamtliche Team nun verstärkt auf Anfrage in Betrieben schulen. Betroffene, Angehörige und die breite Öffentlichkeit versucht das Bündnis über Vorträge, Präsenz beim örtlichen Gesundheitstag, Benefizkonzerte oder zum Beispiel auch Filmaktionen zu erreichen. Und große Poster mit der Aufschrift „Depression kann jeden treffen“ hängen seit Beginn der Aufklärungskampagne an zentralen Orten in der Stadt. Ein einfaches Mittel mit Erfolg, beobachtet Julia Maloney: „Menschen kontaktieren uns bis heute aufgrund der Plakatwände.“ Ein zentrales Angebot des Würzburger Bündnisses gegen Depression sind zudem seit geraumer Zeit Telefonsprechstunden. Jeden Dienstag können Betroffene oder auch ihr Umfeld eine Stunde lang anrufen, vor allem auch, um sich nach Experten und Angeboten wie Selbsthilfegruppen vor Ort zu erkundigen.  Die Telefonsprechstunde dient dabei als örtliche Ergänzung zu zentralen Angeboten wie der 24-Stunden-Telefonseelsorge.


Besonders gefährdete Gruppen erreichen: Darauf zielt nun ein neues Großprojekt ab, auf das Maloney verweist, auch wenn das Pilotprojekt nicht in Würzburg, sondern Leipzig startete. Weil Studien zufolge 66 Prozent der älteren Langzeitarbeitslosen an psychischen Erkrankungen leiden, wird im Leipziger Jobcenter seit 2011 ein „Psychosoziales Coaching“ erprobt mit dem Ziel, nicht oder nicht optimal behandelte Erkrankungen zu erkennen und Hilfe zu vermitteln. Jetzt will die Stiftung Deutsche Depressionshilfe das Konzept auf andere Regionen Deutschlands ausweiten.

Der Artikel  ist unter anderem in der Zeitschrift „Publik Forum“ erschienen.

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