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Als Ensemble auf der Liste der schützenswerten Baudenkmäler: Würzburgs Altstadt als Ensemble.

Foto: Michaela Schneider

 

Moderne Gebäude womöglich die Denkmale von morgen

 

 

Von Michaela Schneider

Für Investoren oft Schreckgespenst, für den Erhalt des historischen Stadterbes ein Muss: die Denkmalpflege. Im Interview spricht Professor Dr. Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, über Würzburg und seine Baudenkmäler.  

 

Die aktuelle Liste der Baudenkmäler in Würzburg ist ganz schön lang. Sie umfasst 802 Bau- und 107 Bodendenkmäler. Ist das viel?

Würzburg hat mit rund 135 000 Einwohnern etwa 800 Baudenkmäler, Augsburg hat 270 000 Einwohner und etwa 1400 Baudenkmäler, Aschaffenburg hat rund 70 000 Einwohner und etwa 440 Baudenkmäler. Der Vergleich spricht für sich, das gilt auch für die stark kriegszerstörten Städte.

 

Auch die Würzburger Altstadt als Ensemble steht auf der Liste. Warum?

Würzburg als Bischofs- und Residenzstadt ist hier der entscheidende Hinweis! Wichtig ist die alte Hauptachse, die alte Marktstraße zwischen dem Dom und dem Grafeneckart zur Brücke hin. Sie ist das Bindeglied zwischen den beiden Teilen der Stadt, die sich aufgrund ihrer geographischen Lage zweipolig entwickelt hat. Der engere ältere Mauerring lässt sich im Stadtgefüge heute noch genauso ablesen wie das ehemalige jüdische Viertel am Marktplatz. Der Altort beherbergt eine große Zahl von bedeutenden und hochbedeutenden historischen Bauten vor allem auch des Barock, die zum großen Teil in konkreten städtebaulichen Beziehungen zueinander stehen. Und ganz entscheidend: Der Wiederaufbau wurde so behutsam und mit so viel Rücksicht auf den historisch gewachsenen Charakter der Altstadt betrieben, dass im Wesentlichen die alten Sichtbeziehungen zwischen Großbauten und die Wirkung der städtebaulichen Akzente, der mittelalterlichen Gassen und der barocken Promenaden, bewahrt sind. Kurzum: Das Ensemble in Würzburg ist auch ein Ensemble des Wiederaufbaus.

 

Viele der Denkmäler auf der aktuellen Liste stammen aus der Nachkriegszeit. Warum gehören sie dorthin?

Gerade wegen der tiefgehenden Zerstörung ist die Altstadt von Würzburg von einer großen Menge an jüngeren Bauten mitbestimmt. Vor allem die Bauten, die für das Stadtbild als identitätsgebend und daher als unverzichtbar erachtet wurden, wurden in alter Gestalt wiederhergestellt bzw. rekonstruiert. Viele Bauten, vor allem Wohnbauten, wurden entweder auf den noch tragfähigen Gebäuderesten in schlichten Formen wiederaufgebaut, oder in Anlehnung an das ehemalige Erscheinungsbild der Stadt in zeitgenössischen Formen neu errichtet. Bisherige Bautraditionen wurden dabei gewissermaßen fortgeschrieben. Zum Beispiel in den Hauptgeschäftsstraßen und bei Verwaltungsbauten setzen sich moderne Technik und Formensprache durch. Sie prägen Würzburg auch im Sinne der Nachkriegsmoderne. Darunter sind auch ganz herausragende Bauten, wie etwa das Mozartgymnasium und die Regierung von Unterfranken. Diese Baudenkmäler sind wichtige Zeugnisse für den Wiederaufbau der Stadt.

 

Wie steht es um die marode Bausubstanz aus den 50er Jahren in Würzburg: Stehen lassen oder abreißen?

Unsere erste Frage ist: Besitzt das Gebäude wegen seiner künstlerischen, wissenschaftlichen, geschichtlichen, sozialgeschichtlichen oder städtebaulichen Bedeutung Denkmaleigenschaft? Ist es Bestandteil eines geschützten Ensembles? Wenn ja, dann müssen die Vorgabe und das Ziel sein: Nutzen, Instandsetzen und Erhalten. So will es mit gutem Grund das Denkmalschutzgesetz. Unser Gesetz gilt für alle Denkmäler, egal aus welcher Epoche sie stammen.

 

Eine schier unendliche Geschichte hat sich um das Mozartareal entsponnen. Auf der einen Seite auf der Denkmalliste – auf der anderen Seite droht der Abriss. Wie passt das zusammen?

Unser gesetzlicher Auftrag heißt: Anwalt für das Denkmal sein. Die Mozartschule Denkmal ist auf der Grundlage des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes und in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Die Position des Landesamtes für Denkmalpflege ist ganz eindeutig: Wir fordern einen vollständigen Erhalt der Mozartschule. Ob der Abriss hier droht? Auch hier gibt uns der Gesetzgeber den entscheidenden Hinweis. Es kommt zu einem Verfahren und einem Abwägungsprozess. Herr des Verfahrens ist nicht das Landesamt für Denkmalpflege, sondern die Stadt Würzburg als Untere Denkmalschutzbehörde. Aufgabe des Landesamtes für Denkmalpflege ist es, im Abwägungsprozess die denkmalfachlichen Argumente massiv vorzutragen. Unsere Hausaufgaben haben wir erledigt. Die nachvollziehbare Abwägung und Entscheidung der Stadt Würzburg steht noch aus.

 

Für die Dachlandschaft in der Altstadt ist ein fränkischer Neigungswinkel vorgeschrieben. Sind solche Regelungen noch zeitgemäß?

Ein so genannter „Fränkischer Neigungswinkel“ ist bei Neubauten kein Thema. Es ist allerdings unstrittig, dass gerade bei einfachen Neubauten innerhalb eines städtebaulichen Umfeldes die Beachtung der Grundformen der bereits vorhandenen Gebäude – und hierzu gehört auch das Dach – unerlässlich ist. Die Kommunen haben es im Rahmen ihrer Selbstverwaltung in der Hand, hier bei der Aufstellung von Bebauungsplänen oder Gestaltungssatzungen Vorgaben oder Orientierungen zu liefern. Es ist sehr zeitgemäß, wenn Kommunen hiervon Gebrauch machen. Was sich über viele Jahrzehnte bewährt hat, muss für uns heute nicht von Schaden sein.

 

Lässt Denkmalpflege moderne Gebäude zu?

Selbstverständlich lässt die Denkmalpflege auch moderne Gebäude zu – womöglich sind sie die Denkmale von morgen! Entscheidend ist jedoch, was unsere Aufgabe ist, nämlich Anwalt für das Denkmal zu sein und deshalb gilt auch bei modernen Gebäuden in Denkmalbereichen: modern ja, aber im Respekt vor dem, was da ist!  

 

Wie lässt sich der Denkmalbegriff in eine moderne Stadtentwicklungsplanung integrieren?

Was heißt moderne Stadtentwicklung? In den 60er Jahren war eine moderne Stadtentwicklung ideologisch ausgerichtet, kurzum: Viel, viel Platz für den Autoverkehr. Für die Autos wurde viel Geschichte geopfert: Verheerende Stadtplanung im Wortsinn war das! Und heute? Heute sind die Städte stolz auf „ihre“ Denkmäler, wenn diese noch vorhanden sind. Was wir daraus lernen? Auch bei der Stadtentwicklung tragen wir eine Verantwortung für das, was unsere Generationen uns hinterlassen haben. Wir sind es, die dafür Sorge zu tragen haben, dass diese historischen Reichtümer auch noch für unsere Enkelkinder und Urenkelkinder erhalten bleiben. Moderne Stadtentwicklung und Denkmalschutz lassen sich hervorragend miteinander verbinden. Man muss nur genügend Sensibilität und Ideen haben!

 

Kostet Denkmalpflege nur viel Geld – oder sind die vielen Baudenkmäler für die Stadt auch Kapital?

Auch Neubau kostet viel Geld, und der Erhalt kostet immer viel Geld, gleich ob Denkmal oder nicht. Aber reden wir nicht alle schon seit vielen, vielen Jahren von Nachhaltigkeit? Wenn ein Gebäude abgerissen und entsprechend entsorgt wird: dann kostet dies – wenn alle Kosten miteingerechnet werden – meist mehr als der entsprechende Bauunterhalt. Dies vorweg gesagt und unabhängig von der Frage, ob die Immobilie ein Baudenkmal ist oder nicht. Wenn Freunde bei Ihnen zu Besuch sind und zum ersten Mal nach Würzburg kommen, was zeigen Sie denen? Die Würzburger Gewerbegebiete oder die Würzburger Denkmäler? Denkmäler sorgen in jeder Stadt und auf jedem Dorf für Identität. Jede Stadt möchte für sich einzigartig sein. Dafür lohnt es sich doch auf alle Fälle, Geld zu investieren!

 

Häufig trauen sich Investoren an denkmalgeschützte Bauten wegen der vielen Auflagen nicht ran. Wie nehmen Sie die Angst vor dem „Schreckgespenst Denkmalpflege“?

Ahnungslosigkeit hält Schreckgespenster am Leben, aber Spaß bei Seite: Ja, der Denkmalschutz macht Auflagen. Wie gesagt, wir sind nicht der Anwalt der Investoren, sondern Anwalt der Denkmäler. Unser Ziel ist der Erhalt eines Denkmals und eine denkmalverträgliche Nutzung. Dieses Ziel haben wir auch mit Investoren bereits mehrfach erreicht, danach waren die Investoren stolz auf ihre Weitsicht und die Wertsteigerung ihrer Immobilie. Und wir haben uns gefreut – für das Denkmal und über den tapferen Investor.

 

Der Artikel ist im Magazin KulturGut erschienen.