Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird
1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Demenz – Mediziner
in Würzburg suchen nach Methoden zur Frühdiagnostik der Alzheimer Demenz


Von Michaela Schneider
Würzburg
Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Demenz – zwei Drittel sind von der Alzheimer-Demenz betroffen.  Und die Zahl steigt drastisch, fürs Jahr 2050 prognostizieren Experten 2,6 Millionen Demenzerkrankungen. Ursache: die steigende Lebenserwartung – denn je älter ein Mensch ist, desto wahrscheinlicher eine Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit.  Mit Medikamenten kann das Voranschreiten der Krankheit bis dato zwar verlangsamt, nicht aber gestoppt werden. Je früher die Demenz erkannt wird, desto besser. Hier setzt die groß angelegte Vogelstudie des Universitätsklinikums Würzburg an. Deren Zielsetzung: Methoden finden zur Frühdiagnostik der Alzheimer-Demenz. Beim ersten Würzburger Demenztag in Würzburg ging es nicht allein um die Studie, sondern auch um  weitere Diagnosemethoden und Prävention.


Man weiß heute, dass die Alzheimer Demenz mit Eiweißablagerungen im Gehirn zu tun hat, ursächlich für die Erkrankungen sind diese aber nicht, erklärt Dr. Thomas Polak, Oberarzt in der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Würzburg und Koordinator der Vogelstudie.  Die Krankheit entwickle sich über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte – und erst spät lässt auch die geistige Fähigkeit nach. Das Problem: Meist wird die Krankheit erst jetzt behandelt, der Krankheitsverlauf kann verlangsamt, aber nicht mehr gestoppt werden. Diagnosemethoden gibt es zwar, diese sind aber aufwändig und teuer und werden in der Regel erst eingesetzt, wenn erste Symptome auftreten. Das heißt: Die ersten Nervenzellen sind bereits zerstört.


Veränderungen im Gehirn lassen sich zunächst einmal mittels Magnetresonanztherapie, kurz MRT, nachweisen. Das Prinzip: Mit Hilfe sehr starker Magnetfelder kann Gewebe unterschiedlich abgebildet werden. Erkennbar ist zum einen, ob die Demenz behandelbare Ursachen wie zum Beispiel eine Blutung oder einen Tumor hat, und die Art der Demenz kann eingegrenzt werden. „Jeder Demenz-Patient sollte eine Magnetresonanztherapie zur Differentialdiagnostik erhalten“, sagt  Dr. György Homola, Leiter der Forschung in der Neuroradiologie des Würzburger Universitätsklinikums. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel, wenn ein starker Verdacht auf Alzheimer-Demenz vorliegt und die Alltagsfunktionen schon stark beeinträchtigt sind.


Eine sehr junge, weitere Methode: Per Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können Ärzte laut dem Würzburger Nuklearmediziner Joachim Brumberg die für Alzheimer typischen Beta-Amyloide im Gehirn nachweisen – und zwar im Prinzip lange, bevor die ersten Symptome auftreten. Eine spezielle Markersubstanz bindet sich dabei an die Eiweißablagerungen, das Gehirn wird mittels PET gescannt, die Ablagerungen sind auf dem Scan sichtbar. Das Verfahren beweist zwar keine Alzheimer-Demenz, kann aber einen Anfangsverdacht erhärten, bzw. bei entsprechenden Symptomen eine Alzheimer-Demenz ausschließen. Die Methode ist in Deutschland erst seit diesem Jahr zugelassen, entsprechende Mittel, so Brumberg, werden wohl sehr bald schon für den flächendeckenden klinischen Einsatz auf dem Markt sein. Allerding ist der Ausschluss einer Alzheimer-Demenz durch Amyloid-PET ist bis dato keine Kassenleistung. Im Zuge von Studien wird das Verfahren angeboten.


Unter anderem auch im Rahmen der Würzburger Vogelstudie. Insgesamt nehmen daran rund 600  Würzburger teil, die bei Studienbeginn zwischen 70 und 75 Jahren waren.  Zielsetzung: Die Entwicklung einer erschwinglichen Methode zur frühen Diagnose der Alzheimer Demenz. Die Mediziner greifen dabei laut Studienkoordinator Polak auf zwei nebenwirkungsfreie Verfahren zurück: die funktionelle Nahinfrarotspektroskopie sowie die vagusevozierten Potentiale.   Bei der ersten Methode trägt der Proband eine Art Haube auf dem Kopf mit Sendern und Empfängern, Nahinfrarotlicht durchdringt das Gewebe. Der Proband blickt auf einen Bildschirm und sieht dort zum Beispiel ein Schachbrettmuster. Auf dem Bildschirm wird sichtbar, welche Regionen im Gehirn aktiv sind. Untersucht werden auf diese Art Dinge wie zum Beispiel das räumliche Vorstellungsvermögen, die bei einer Alzheimer Demenz verloren gehen.


Bei den vagusevozierten Potentialen indes wird ein Hautareal am Ohr elektrisch stimuliert. Dieses wird von einem bestimmten Hirnnerv – dem Vagus – versorgt. Die Vagus-Kerngebiete im Hirnstamm reagieren auf die elektrischen Impulse, die Hirnaktivität ist messbar. Es hat sich gezeigt: Bei an Alzheimer erkrankten Menschen verzögert sich die Reizantwort.   Die entscheidende Frage laut Polak ist bei beiden Methoden im Zuge der Studie nun: Lassen sie sich auch schon als frühes Diagnoseinstrument einsetzen?


Dafür wurden alle Probanden 2011 einen Tag lang gründlich untersucht inklusive der beiden Verfahren.  Derzeit beginnen die ersten Nachuntersuchen, in drei Jahren werden die Methoden ein drittes Mal wiederholt. Herausfinden wollen die Forscher so, ob bei der ersten Untersuchung auffällige Probanden im Laufe der Jahre tatsächlich eine Demenz entwickeln.  Endergebnisse werden laut Polak erst in sechs Jahren vorliegen. Fest steht aber bereits:  Bei der gründlichen Rundum-Untersuchung der Probanden fanden die Mediziner in vielen Fällen Risikofaktoren wie hohen Blutdruck und schlechte Zuckerwerte, hohes Cholesterin und Schilddrüsendisfunktionen. Manche Probanden wussten bis dato nichts davon, teilweise wurde falsch behandelt.


Größter Risikofaktor für die Alzheimer-Demenz bleibt das Alter, dieses lässt sich nicht beeinflussen. An anderen Schrauben aber kann der der Mensch selbst drehen. Weil sich die ersten Eiweißablagerungen schon früh bilden, ist laut Dr. Martin Lauer, Leiter der Klinischen Gerontopsychiatrie am Würzburger Universitätsklinikum, ein dauerhafter gesunder Lebensstil  entscheidend. „Jeder negative Stress sorgt für vermehrte Ablagerungen im Gehirn, damit gewinnt die Kinderpsychiatrie ganz andere Bedeutung“, sagt er. Als die wichtigsten Risikofaktoren – neben Stress fürs Gehirn - zählt er auf: eine ungesunde Ernährung, Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel, zu hohes Cholesterin, Diabetes, große Mengen Alkohol und Drogen.  Allein Bewegungsmangel erhöht das Risiko einer englischen Studie aus dem Jahr 2006 zufolge um 82 Prozent, gefolgt mit 65 Prozent von eigentlich gut behandelbaren Depressionen.  


Und auch der Bildungsgrad spielt übrigens eine Rolle: Menschen mit geringer Bildung droht wohl ein 59 Prozent höheres Demenzrisiko als gebildeteren Menschen. „Das ist ein Auftrag an die Gesellschaft, wichtig sind die ersten Lebensjahre. Das Gehirn lernt, bis es maximal 25 Jahre alt ist“, so Lauer. Die gute Nachricht: Wer gesund lebt, kann sein Demenz-Risiko, um ein Drittel senken. „Das ist viel mehr, als wir mit Medikamenten tun können“, betont der Psychiater.

Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this