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Haudegen mit ganz großen Gefühlen
Handlungsballett
Mainfrankentheater-Ensemble tanzt sich mit dem „Cyrano de Bergerac“ in die Herzen des Publikums

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Wilde Mantel- und Degen-Szenen, Abenteuer und Dramatik, Humor, ganz große Gefühle und unendlich viel Poesie: Edmond Rostands „Cyrano“ von 1897 hat alles, was man sich für einen unterhaltsamen Abend wünscht. Ein seit mehr als 100 Jahren so beliebtes, von der Sprache getragenes Stück im stummen Tanz auf die Bühne zu bringen, ist trotzdem mutig. Doch das Publikum dürfte den Mut der Choreografin Anna Vita in den kommenden Monaten mit vollbesetztem Theatersaal belohnen.

 

Die Handlung: Cyrano de Bergerac „(Ivan Alboresi) liebt seine Cousine Roxane (Zoya Ionkina), gesteht ihr aber seine Liebe nicht. Denn Cyrano hält sich wegen seiner großen Nase für hässlich und ist überzeugt: Einen Mann wie ihn würde Roxane nicht lieben. Auch Christian (Timothy Szczepkowski-Collins) ist in die Schöne verliebt. Zwar kommt er jung und adrett daher, doch fehlt es ihm an Poesie. Cyrano erklärt sich bereit, in Christians Namen einen Brief an die Angebetete zu schreiben. Es kommt, wie’s kommen muss: Roxane und Christian heiraten. Aus einem Brief werden viele, als Cyrano und Christian an die Front beordert werden. Immer offensichtlicher wird nun, dass Roxane nicht Christian, sondern Cyranos Worte liebt. Doch auch, als  Christian im Kampf fällt, schweigt der poetische Haudegen. Roxane geht ins Kloster. Erst nach vielen Jahren erkennt sie, wer die Briefe einst tatsächlich verfasste. Doch für Liebesgeständnisse ist es zu spät, Cyrano fällt einem Attentat zum Opfer und stirbt in den Armen der Geliebten. Auf der Mainfrankentheaterbühne schweben projektierte Briefe in den Himmel.

 

Klar, wer Rostands Cyrano kennt, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie lassen sich poetische Liebesbriefe und ein humoriger Sprachstreit um die Nase  tanzen? Anna Vita findet mit ihrem Ensemble Möglichkeiten. Die Handlung mag nicht ganz so vielschichtig sein wie im Bühnenoriginal, doch das ist gut so. Die Choreografin konzentriert sich lieber auf das Wesentliche, nämlich auf die ganz großen Gefühle.  Zoya Ionkina  schmilzt als Roxane dahin, liebt und leidet. Timothy Szczepkowski-Collins als ihr Geliebter Christian fechtet und „tolpatscht“ sich über die Bühne. Überragend tanzt und schauspielert Ivan Alboresi als ein Cyrano mit ganz viel Charakter. Äußerlich gibt er sich gern als cooler Haudegen. Innerlich indes  zerreißt es ihn schier vor schmerzvoller, unerfüllter Liebe.  Das Publikum kann nicht anders als mitleiden. Und trotzdem kommt auch die humorige Seite des Rostandschen Klassikers nicht zu kurz, vor allem in Person der gut genährten Bäckersgattin Lise. Im XXL-Kostüm tanzt die zierliche Caroline Matthiessen, als  habe sie so manches Tortenstück zu viel gefuttert.

 

Getanzt wird klassisch, mit ein bisschen Spitzentanz, zeitlosen wie zeitgenössischen Elementen – und vor allem immer wunderschön anzuschauen. Der Dahinschmelzhöhepunkt entlässt das Publikum an diesem Abend in die Pause: Gemeinsam tanzen sich Christian und Cyrano unter Roxanes Balkon im lila Abendlicht zwischen Blumenranken in deren Herz, während die Angebetete schmachtet.

Ein Wermutstropfen: Jene Emotion, die das Publikum auf der Bühne sehen und erleben darf, fehlt diesmal im Orchestergraben unter dem Dirigat von Ballettrepetitor Tomáš Ibrmayer. Die eigentlich so schön leichten Mozartklänge kommen teilweise zu abgespielt daher. Gut gewählt ist indes die Musik an sich: Dramatische Sinfonieklänge begleiten Fechtszenen und Kampfgetümmel, lyrisch-sanfte Sätze aus Klavierkonzerten begleiten poetische Tanzpassagen.

 

Hervorragend auch die Bühnengestaltung von Stefan Morgenstern. Wie riesige Papierbahnen ragt die luftige Szenerie auf die Bühne. Mal bewegt sich darauf projektierte Poesie, mal verwandelt sie sich in einen nächtlichen Garten. Und dann wieder ersetzt eine bewegliche Papierbahn im Tanz den Geliebten in der Ferne. So leicht wie die Kulisse kommen auch die Kostüme von Kristopher Kempf daher. Die Damen mit bunten Sommerkleidern in schlichter Ballettoptik, die Herren schön schneidig schick. Niedlich: die tanzenden Nonnen.

 

Fazit: Auf der Bühne naschen die Tänzer Sahnetorte, wenn der Liebeskummer zu groß wird.  Das passt, denn Ballettdirektorin Anna Vita ist mit ihrem Handlungsballett „Cyrano de Bergerac“ ein echtes Sahnestück  gelungen, Dahinschmelzgefahr inbegriffen.

Der Artikel  ist im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über den echten Cyrano de Bergerac

 

Als Vorlage für Edmond Rostands großnasigen Protagonisten diente der französische Aufklärer, Feingeist  und Schriftsteller Cyrano. Dieser wird 1619 in Paris geboren und heißt eigentlich Hector Savinien de Cyrano. Als junger Mann geht er ins Regiment und wird zum hervorragenden Fechter ausgebildet. Anschließend studiert er und arbeitet dann in Paris als freischaffender Schriftsteller. Cyrano gilt als einer der ersten Vertreter der Science-Fiction-Literatur, er schreibt schon zu jener Zeit unter anderem von U-Booten, Raketen und Heißluftballonen. Sein Hauptwerk: Die „Komische Geschichte der Staaten und Reiche des Mondes und der Sonne“. Auch ist seine spitze Feder zu jener Zeit gefürchtet. 1654 trifft Cyrano ein herabstürzender Holzbaken am Kopf – ungeklärt bleibt, ob es sich dabei um einen Unfall oder ein Attentat handelt. Cyrano wird mit 35 Jahren zum Pflegefall – ein Jahr später stirbt er an den Folgen der Kopfverletzung.