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Fotos: Michaela Schneider

Ein klingendes Zeitdokument

Die Künstlerin Alexandra von Bassen hat das Gelände am Hubland-Nord akustisch
erforscht – Bei Audio-Spaziergängen tauchen die  Besucher ein in die Geschichte des Areals


Von Michaela Schneider

Würzburg Der Wind weht, Vögel zwitschern, Sandaletten klappern. Welche Geräusche real sind und welche Klänge aus dem Kopfhörer schallen, ist kaum zu unterscheiden. Aufgezeichnete und echte Landschaftstöne verschmelzen mit Erzähltem beim „Citywalk“ übers Gelände der ehemaligen Leighton Barracks zur Einheit. Und auch Zeiten verschwimmen: Da erzählen Menschen, die einst in der amerikanischen Kaserne arbeiteten. Dann wieder sind die Kommentare derer zu hören, die den heutigen Uni-Campus am Hubland entdecken.  Und auch Präsident John F. Kennedy spricht in dem Klangkunstwerk im öffentlichen Raum. 15 Minuten „Citywalk“ am Hubland-Nord bedeuten, das Gelände mit ganz anderen Ohren zu sehen.


Entwickelt hat den ungewöhnlichen Klangspaziergang die Veitshöchheimer Künstlerin Alexandra von Bassen. Schon als Kind hätte sie im Italienurlaub die fremden Sprachklänge und die Geräusche der Vespas am liebsten mit nach Hause genommen, erzählt die 42-Jährige. Während ihres Kunststudiums entdeckte sie die Audioklasse für sich. „Für mich war das die ideale Schnittstelle zwischen Musik und bildender Kunst“, sagt sie. Seit 2003 kreiert die Künstlerin Citywalks kreuz und quer durch Europa. Saarbrücken, Istanbul oder Marseille hat sie zum Beispiel schon akustisch erforscht. Mit dem Aufnahmegerät „bewaffnet“ fängt von Bassen dann zunächst Hörräume ein. Dabei bewegt sie sich zwar auf einer fest gelegten Route, aber ganz bewusst abseits der Touristenströme. Die Künstlerin spürt urbane Räume auf, in denen Menschen leben und den Alltag verbringen. Mehrmals läuft sie die festgelegte Route ab und nimmt Geräusche zu ganz unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten auf.  Diese Klängen bilden die Grundlage für von Bassens Kompositionen.


Der Citywalk am Hubland-Nord ist übrigens ihre erste Arbeit überhaupt im Fränkischen. Am Hubland Nord war es der 42-Jährigen wichtig, die Geschichte des Geländes zu transportieren – deshalb reicherte sie die Klangaufnahmen um Textfragmente an. Unter anderem interviewte sie einen Gärtner, einen Heimatpfleger und eine Frau, die jahrelang in den Leighton Barracks gearbeitet hatte. Von Bassen lässt AFN-Radioklänge einfließen und Fragmente aus Kennedys Berlinrede. Die historischen Passagen vermischen sich mit den heutigen Eindrücken: „Busse fahren ja auch schon“, wundert sich zum Beispiel eine Frauenstimme. Beim Sprachenzentrum spricht ein marokkanischer Student Französisch. Und in der Gerda-Laufer-Straße lenkt der Gärtner den Blick auf den Eschenhain.


Die Leighton Barracks: Für viele Würzburger waren sie über Jahrzehnte terra incognita, unbekanntes Land. Nur zum amerikanischen Volksfest öffneten sich die Tore des Kasernengeländes. Im Irakkrieg und erst recht nach dem 11. September wurden die Einlasskontrollen noch einmal verstärkt. Am 29. Juli 2005 veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium dann seine Pläne, elf Militärbasen im Jahr 2007 an die Bundesrepublik zurückzugeben. Inzwischen entsteht auf Teilen des Geländes ein moderner Uni-Campus. Und genau das ist es, was den Citywalk zu etwas ganz besonderem macht: Das Gelände atmet Geschichte und transformiert sich weiter. Teile erobert die Natur für sich zurück, neue Nutzungsarten entstehen. Alexandra von Bassens Citywalk ist damit eine akustische Momentaufnahme und unterm Strich schon jetzt ein ganz besonders Zeitdokument.


Im Herbst sind in Kooperation mit dem Atelier für Klangforschung noch einmal  „Citywalks“ am Hubland-Nord geplant, der genaue Termin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Wer dann  einen „Citywalk“ gehen möchte, erhält i-Pod, Kopfhörer, eine Karte mit der vorgegeben Route und erfährt das ungefähre Lauftempo. Die Stimme lenkt den Blick, die Geräusche schärfen alle Sinne. Was der Rezipient beim 15-minütigen Spaziergang erlebt und empfindet, welche Assoziationen er knüpft und welche realen Geräusche sich mit den Aufnahmen vermischen, ist von Spaziergang zu Spaziergang unterschiedlich. „Das schönste Geschenk ist es für mich, wenn Jeder seine ganz eigenen Bilder beim Citywalk entwickelt“, sagt die Künstlerin.

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Der Artikel  ist im „KulturGut“ erschienen.